Zahl der Endometriosefälle in Hessen fast verdoppelt
An Endometriose leidet statistisch jede zehnte Frau leidet. Die chronische Krankheit sorgt besonders während der Periode für starke Schmerzen und führt häufig auch dazu, dass betroffene Frauen keine Kinder kriegen können. Lange war Endometriose ein Tabuthema – doch inzwischen steigen die gestellten Diagnosen deutlich an und lassen vermuten, dass weit mehr als vier Millionen Frauen in Deutschland davon betroffen sind. Wir haben eine Patientin in Bad Homburg besucht.
Veronika Labisch ist 31, als sie die Diagnose Endometriose erhält. Dabei wächst Gewebe, ähnlich der Gebärmutterschleimhaut, außerhalb der Gebärmutter – und kann andere Organe angreifen. Entdeckt werden die Wucherungen erst, als Veronika versucht, schwanger zu werden. Doch da ist es schon zu spät: Gebärmutter und Eierstöcke sind zu stark geschädigt.
Veronika Labisch, Endometriose-Betroffene
„Die Wahrheit tut weh, wenn sie erfahren, sie können keine Kinder kriegen und es wird nicht lange dauern und sie müssen auch ihre Gebärmutter entfernen lassen. Man steht da mit offenem Mund und weiß überhaupt nicht, wieso ist das mir passiert, wieso können wir nicht wie normale Menschen Kinder kriegen, wieso kann ich nicht wie eine normale Frau gesund sein.“
Bei Veronika verläuft die Krankheit ohne die typischen starken Schmerzen – vor allem während der Periode. Trotzdem gab es Warnzeichen.
Veronika Labisch, Endometriose-Betroffene
„Ich habe stark geblutet, aber Schmerzen hatte ich nicht oder ich habe Schmerzen gehabt, aber habe sehr wenig geblutet. Man denkt sich nichts dabei. Es ist ganz normal, habe ich gedacht. Aber normal ist das leider nicht.“
Eine Erfahrung, die viele Frauen machen: Ihre Beschwerden werden nicht ernst genommen und als normale Regelschmerzen abgetan – selbst von Gynäkologen. Im Schnitt dauert es siebeneinhalb Jahre bis zur Diagnose.
Mittlerweile seien Frauenärzte besser aufgeklärt, sagt Gynäkologin Fatma Nassir. Das eigentliche Problem: Endometriose gilt als das „Chamäleon der Gynäkologie“.
Dr. Fatma Nassir, Gynäkologin
„Chamäleon deswegen, weil es nicht nur ein Symptom gibt, was sagt: Okay das ist jetzt der Verdacht auf Endometriose. Viele Frauen haben ganz starke Übelkeit während der Menstruation, gekoppelt mit Schmerzen. Es ist nicht so, dass man sagen kann: Ein Symptom und damit hat man den Endometriose-Verdacht.“
In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich die Zahl der Diagnosen mehr als verdoppelt. Der Grund, warum die Krankheit heute öfter erkannt wird: Mehr Forschung, spezialisierte Endometriose-Zentren und mehr Aufmerksamkeit der Politik. In Hessen wurde Endometriose 2022 erstmals in einem deutschen Landtag debattiert und 2024 sogar explizit im Koalitionsvertrag erwähnt.
Doch aktuell soll auch im Gesundheitssystem gespart werden. Die Gesundheitsreform, die morgen im Bundestag beschlossen werden soll, kürzt auch bei Gynäkologen. Fatma Nassir befürchtet: Für aufwendige Endometriose-Diagnosen bleibt dann kaum noch Zeit.
Dr. Fatma Nassir, Gynäkologin
„Ich befürchte, dass die neue Gesundheitsreform den Patientinnen, die unter Endometriose leiden sehr zum Nachteil ausgelegt wird, weil wir eben nicht mehr so viel Zeit für die Patientinnen haben werden, wenn die Gesundheitsreform durchgeht.“
Die hessische Gesundheitsministerin verweist darauf, dass nur mit der Reform die Krankenkassenbeiträge stabil blieben und betont:
Diana Stolz (CDU), Gesundheitsministerin Hessen
„Wir werden nächstes Jahr den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz haben und da wird das Thema Frauengesundheit ein Schwerpunkt für ganz Deutschland werden.“


