Steillagenweinbau an der Mosel: Immer mehr Winzer geben auf

Die Mosel ist berühmt für ihre Weinberge. Was jährlich Millionen von Touristen in die Region lockt, sichert die Existenz einer ganzen Branche. Doch immer mehr Flächen drohen verloren zu gehen, zu mühsam ist die Bewirtschaftung der steilen Hänge für die Winzer. Vor Ort war heute die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Christine Schneider – zu Gesprächen darüber, wie dem Strukturwandel begegnet werden kann.

Die Mosel und der Wein, das gehört zusammen. Seit Generationen ist die Kulturlandschaft geprägt von den Steillagen. Doch immer mehr Anbauflächen werden aufgegeben und drohen zu verwildern. Rund 1000 Hektar sind in Gefahr, schätzt Walter Clüsserath, der Präsident des Weinbauverbands Mosel. Die Gründe:
Walter Clüsserath, Präsident Weinbauverband Mosel
„Einmal der Mindestlohn, dass das immer teurer wurde, die Bewirtschaftung. Dann haben wir im Moment, zumindest was im Fasswein- respektive im Traubenverkauf ist, zum Teil unterirdische Preise. … Auch viele Winzer in ein dementsprechendes Alter hinein kamen, wo sie‘s selbst nicht mehr machen können. Und wie gesagt, wenn Sie dann auf einmal die Hilfe brauchen ganzjährig über, für die verschiedensten Arbeiten, nicht mehr nur zur Traubenlese, geht es aufgrund der Situation, lässt es sich einfach nicht mehr rechnen.“
Dazu sinken die Absatzzahlen seit Jahren, weil der Weinkonsum zurückgeht. Die Herausforderungen sind groß, weiß auch die rheinland-pfälzische Weinbauministerin Christine Schneider. Sie will die Moselwinzer mit verschiedenen Maßnahmen unterstützen.
Christine Schneider (CDU),  Weinbauministerin RLP
„Es ist zum einen die Rotationsprämie, dass wir sagen, diejenigen, die jetzt Flächen stilllegen wollen, haben die Möglichkeit, behalten aber ihre Pflanzrechte und können den Markt beobachten. Das Zweite ist das Rodungsprogramm von der europäischen Ebene, das wir auch umsetzen wollen. Das heißt, Flächen insgesamt aus der Nutzung rauszunehmen.“
Profitieren sollen Winzer etwa von Prämien für ökologische Ausgleichsflächen in Randlagen und von einer seit Ende vergangenen Jahres bestehenden Flächentauschbörse. Hier wünscht man sich mehr Beteiligung, um gute Kernlagen langfristig zu sichern.
Walter Clüsserath, Präsident Weinbauverband Mosel
„Das muss man sich einfach vorstellen wie ein großes Puzzlespiel. Wenn jeder drankäme, mit jeder Fläche, dann hat ein DLR, also ein Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, eine Flurbereinigungsbehörde, die Möglichkeit, und kann noch mal größere Flächen in einer Art freiwilligem Landtausch bilden. Ich kann ja dann immer noch Nein sagen, wenn ich das Angebot vorliegen habe. Es wäre ein ganz wichtiger Weg. Ich hab‘s jetzt mehrfach schon gesagt: Meldet euch alle.“
Zusätzlich soll eine Marketingkampagne für rheinland-pfälzischen Wein den Absatz ankurbeln. Im Moment, so scheint es, sind weitere Ideen gefragt, um die Zukunft des Weinbaus an der Mosel zu sichern.