Schlag für Mitarbeiter – Pharmakonzern BioNTech schließt Standort in Idar-Oberstein

Für viele BioNTech-Mitarbeiter war es ein Schock: Das Mainzer Pharmaunternehmen will mehrere Standorte in Hessen und Rheinland-Pfalz schließen. Noch haben die Mitarbeiter die Hoffnung aber nicht aufgegeben.

Jacob arbeitet seit knapp sechs Jahren bei BioNTech in Idar-Oberstein, als Fachkraft für industrielle Medikamente. Ursprünglich aus der Nähe von Bad Kreuznach, engagiert er sich zudem seit über drei Jahren im Betriebsrat und kümmert sich um die Auszubildenden. Mit der Hiobsbotschaft, den Standort komplett zu schließen, hätte er nicht gerechnet.
Jacob, Pharmakant BioNTech Idar-Oberstein
„Ich bin wirklich hierher, direkt nach der Ausbildung und habe gedacht: Wow, was für eine Chance habe ich bekommen, hier in diesem Laden Fuß zu fassen. Es war immer stetige Veränderung, es gab immer Projekte, die mal dazu kamen oder mal abgingen. Aber dass so ein Schritt von der obersten Geschäftsführung getroffen wird, hätte ich nicht kommen sehen. Und viele anderen auch nicht. Das ist ein kleiner Stich ins Herz, auf jeden Fall.“
BioNTech will sein Kerngeschäft, die mRNA-Impfstoffe aus Corona-Zeiten, stark zurückfahren. Gleich drei Standorte sollen bis Ende 2027 geschlossen werden, darunter neben Idar-Oberstein auch der im hessischen Marburg. Insgesamt sind fast 1.900 Mitarbeiter betroffen. Zudem haben die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci angekündigt, sich bis Ende des Jahres aus dem Konzern zurückziehen. Aus Gewerkschaftssicht eine schwerwiegende Entscheidung.
Christian Trapp, Industriegewerkschaft IGBCE
„Dass einfach nur noch eine leere Hülse dableibt. Weil auch gerade die Forschung und Entwicklung der vielen Produkte, die am Anfangsstadium sind – das wird jetzt aufgegeben. Wir stellen uns die Frage, was bleibt denn noch für die Zukunft übrig? Für die Menschen, für die Beschäftigten, aber auch für den Technologiestandort Mainz und Rheinland-Pfalz?“
Idar-Oberstein würde mit dem BioNTech-Aus einer seiner wichtigsten Arbeitgeber abhandenkommen. Und auch für die Lebensplanung von Jacob und seiner Lebensgefährtin wäre die Standort-Aufgabe ein tiefgreifender Einschnitt.
Jacob, Pharmakant BioNTech Idar-Oberstein
„Eine komplette Umplanung. Also Idar-Oberstein wird dann wahrscheinlich nicht mein Zuhause bleiben. Das würde bedeuten: Umzug, das Mietshaus müssten wir kündigen. Das ist auch alles nicht so einfach. Wir müssten den ganzen Kram wieder rausräumen. Müssten mit Sack und Pack, inklusive Kätzchen, alle wieder umziehen.“
Nur wohin, das weiß Jacob noch nicht. Ein kleiner Lichtblick: Zuletzt hatte BioNTech-Konkurrent Moderna vorsichtiges Interesse an einem Kauf der Standorte bekundet um dann eventuell auch die 440 Mitarbeiter in Idar-Oberstein zu übernehmen. Für die Belegschaft zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer.