Möbelbranche in der Krise – Büromöbelhersteller aus Karben schlittert in die Insolvenz

Viele Unternehmen kämpfen mit steigenden Kosten, schwacher Nachfrage und einem harten Wettbewerb – die Folge: immer mehr Insolvenzen. Davon betroffen ist auch ein Büromöbelhersteller in Karben in der Wetterau.

Seit 100 Jahren werden hier auf 130.000 Quadratmetern Büromöbel hergestellt. König + Neurath  ist eines der größten Industrieunternehmen im Wetteraukreis. Im vergangenen November dann der Schock: Die Traditionsfirma muss Insolvenz anmelden. Für den Vorstandsvorsitzenden Patrick Heinen eine harte Entscheidung.
Patrick Heinen, Vorstandsvorsitzender König + Neurath  AG
„Also den größten Druck, den wir haben, ist der Rückgang der Nachfrage, das heißt wir sind ein Großkundeneinrichter, ein Objekteinrichter und wir haben seit vielen Jahren in Deutschland keine neuen Gebäude mehr, die gebaut werden für Büroarbeitsplätze. Das war für uns natürlich ein riesengroßes Problem, weil genau das ja unsere Stärke ist.“
Auch aggressiver Preisdruck – vor allem durch asiatische Wettbewerber – setzt König + Neurath zu. Doch auch andere Hersteller kämpfen mit den Folgen der angespannten geopolitischen Lage, zurückhaltendem Konsumverhalten und gestiegenen Kosten. Seit dem Ende des Corona-Booms steckt der Markt in einer anhaltenden Krise.
Die deutsche Möbelindustrie hat 2025 rund 15,8 Milliarden Euro umgesetzt, ein Minus von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichnete die Branche im dritten Jahr in Folge einen Umsatzrückgang.
In Hessen wurden im Jahr 2025 Möbel im Wert von 1 Mrd. Euro umgesetzt, in Rheinland-Pfalz waren es 230 Millionen Euro.
Für König + Neurath hat die Sanierung auch personelle Konsequenzen.
Patrick Heinen, Vorstandsvorsitzender König + Neurath  AG
„Das war schwierig, das ist ein Schritt halt, der niemanden leichtfällt. Wir haben dort hat 150 Mitarbeitende jetzt entlassen müssen. Und das war für uns alle sehr emotional, wir haben viele Familien, die halt in zwei oder dritter Generation bei uns arbeiten.“
Nach sechs Monaten ist das Insolvenzverfahren abgeschlossen. Seit Anfang Juni läuft der Betrieb wieder normal. In den kommenden vier Jahren wird umstrukturiert.  Doch nicht jedes Unternehmen schafft den Weg aus der Krise so schnell. Der entscheidende Faktor dabei:
Patrick Heinen, Vorstandsvorsitzender König + Neurath  AG
„Also wirklich, das nicht warten. Sobald man da die Krise sieht am Horizont, sollte man sofort starten. Und zwar starten mit allen Stakeholdern, zu besprechen, was in der Zukunft umgesetzt werden soll. Und das sollte man nicht erst machen, wenn die Liquidität eng wird, sondern sobald man eine Strategiekrise hat, sobald der Markt sich ändert.“
Die Insolvenz ist für das Familienunternehmen erst mal Geschichte. Doch der Neustart ist kein Selbstläufer: Die König + Neurath  AG muss sich weiterhin in einem schwierigen Markt behaupten.