Inklusiver Hochseilgarten: Klettern für Menschen mit Behinderung in Marburg

Bei gutem Wetter im Hochseilgarten zwischen den Bäumen klettern – das findet fast jeder toll. Außer vielleicht Menschen mit Höhenangst. Und Menschen, die aufgrund körperlicher oder geistiger Einschränkungen dazu nicht in der Lage sind. In Marburg gibt es jetzt einen inklusiven Hochseilgarten, in dem sogar Menschen, die im Rollstuhl sitzen, klettern können.

Sechs Meter Höhe, vier wackelige Bretter und ein Rollstuhl, der hier rüber soll. Wenn die Kinder unten nicht mit der genau passenden Kraft an den Seilen ziehen, hat Sascha keine Chance. Das geht nur mit  Mut und Zusammenhalt. Die ersten zwei Bretter sind geschafft, doch dann kommt die Lücke rüber zur zweiten Etappe. Sascha kämpft mit sich, alles ist total  instabil und der Boden liegt weit unter ihm.
Und Sascha will. Er traut sich.
Am Ende klappt das Zusammenspiel noch nicht gut genug. Sascha ist trotzdem froh, dass er es versucht hat.
Sascha, 11 Jahre
„Selbst, wenn ich Angst habe, ich probiere es erst mal. Weil vielleicht klappts ja. Vielleicht verpasse ich in den Moment eine richtig tolle Lebenserfahrung. Und wenns dann schiefgeht, dann ist es ein Schock, aber das war auch eine richtig wichtige Erfahrung da. Also wenn ich falle, ich bin dann sicher.“
Lars Kietz und sein Team vom Hochseilgarten Marburg, möchten es jedem ermöglichen hier zu klettern. Je nach Beeinträchtigung überlegen sie sich individuelle Lösungen. Für Rollstühle gibt es Rampen und Sicherungsanlagen. Für Menschen, die den Aufstieg nicht aus eigener Kraft schaffen, hat der Hochseilgarten Gewichtsreduktionsanlagen.
Lars Kietz, pädagogische Leitung Freizeitgelände Stadtwald Marburg
„Wir wollen vielen Menschen eben in außeralltäglichen Erfahrungssituation neue Erfahrungen ermöglichen. Fußgänger, vermeintlich gesunde Menschen als auch Menschen irgendwie, die als beeinträchtigt gelten können gemeinsam neue Erfahrungen sammeln, weil es eben im Alltag ja nicht ne übliche Fortbewegungsform ist.“
Und wenn mal was nicht klappt, sollen die Kinder an den Situationen wachsen.
Sami, 14 Jahre
„Ich find’s toll, dass auch hier so gebaut wurde, dass das inklusiv ist, dass auch jeder hier mitmachen kann, auch wenn man im Rollstuhl sitzt, dass halt jeder so beteiligt ist.“
Oreana, 12 Jahre
„Dann können das alle machen. Obwohl sie eine Einschränkung haben, können sie auch Spaß haben.“
Im nächsten Schritt soll ein Orientierungssystem für Menschen mit einer  Sehbehinderung aufgebaut werden. Damit noch weniger Menschen vom Hochseilgarten ausgeschlossen werden.