Deutlich mehr Hitzetote in Wiesbaden – Krematorien überlastet

Rekordhitze und tropische Nächte – die heißen Temperaturen der letzten Wochen haben auch in Hessen vermehrt Todesopfer gefordert und dabei Rettungsdienste und Krankenhäuser an ihre Grenzen gebracht. Die Stadt Wiesbaden richtet sich deshalb mit einer Informationsoffensive an alle Bürger, um künftigen Hitzewellen besser Herr zu werden.

Der hessische Hitzerekord von 41,3 Grad und gleich mehrere tropische Nächte, die an der 30-Grad-Marke gekratzt haben. Am Hitzewochenende Ende Juni sind die Rettungsdiensteinsätze der hessischen Landeshauptstadt – im Vergleich zu einem normalen Wochenende  – um 42 Prozent angestiegen. So viel Hitze, nicht nur für den Menschen zu viel, sondern sogar für Rettungsfahrzeuge.
Norbert Hagner, Rettungsdienst Feuerwehr
„Die Klimaanlagen in den Fahrzeugen sind nach einer gewissen Zeit letztendlich ausgestiegen, weil sie für so eine Dauerlast von über zehn Stunden teilweise Hitze gar nicht ausgelegt waren. Und die zweite Ebene, das ist die wichtigere Ebene noch, unser Personal. Es wurde keine Pause mehr möglich. Die Fahrzeuge sind, nachdem die Besatzung die Patienten in der Klinik abgegeben haben, sofort wieder zum nächsten Einsatz gefahren.“
Neben der hitzebedingten Mehrbelastung für Alten- und Pflegeheime, Kitas und Krankenhäuser, mussten in Hessen teilweise sogar Krematorien die Anzahl der täglichen Einäscherungen erhöhen, da deren Kühlkapazitäten ihr Limit erreicht hatten. Um das gesamte System künftig besser zu entlasten, richtet sich die Stadt Wiesbaden mit einem Appell an seine Bürger.
Gert-Uwe Mende (SPD), Oberbürgermeister Wiesbaden
„Hier ist auch jeder Einzelne gefordert. Sich kundig zu machen. Zu sehen, welche Angebote es gibt. Kühle Räume aufzusuchen. Sich genug mit Wasser oder isotonischen Getränken zu versorgen. Die Medikamente richtig einzunehmen und vor allem auf die Nachbarschaft zu achten. Ist da irgendetwas, was da möglicherweise auffällig ist?“
Die Stadt richtet ein Hitzetelefon ein, verschickt Info-Broschüren per Post  und bietet hier – im Rathaus – klimatisierte Räume für Tage an, an denen es 30 Grad oder heißer wird.
Und sollten die  Hitzewellen noch intensiver werden,  dann werde im Rettungsdienst tatsächlich der Einsatz des Katastrophenschutzes notwendig.