Täglich in ihrem Element – Extremschwimmerin Kerstin Kuntze

Kerstin Kuntze aus Karben im Wetteraukreis betreibt den Extremsport Eissschwimmen. Und stürzt sich dafür in Gewässer mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Vor kurzem hat sie die in ihrer Sportart berüchtigte „Eismeile“ gemeistert. Und das als erste Hessin überhaupt.

Kerstin Kuntze:
Diese quasi drei Grad, die sind…das kann man sich nicht vorstellen. Das ist einfach unfassbar kalt. (…) Das ist einfach komplett überwältigend. Und schaffen kann man das halt nur, wenn man ordentlich trainiert hat und wenn man Vertrauen in seinen eigenen Körper hat.“ 
Zug um Zug im freien Gewässer. Bei ein Wassertemperatur von gerade mal 3,6 Grad. Extreme Kälte, die den menschlichen Körper an seine Grenzen bringt.
Das Bewältigen der „Eismeile“ Mitte März im Achensee in Österreich – eine Ausnahmeleistung, für die die gebürtige Kölnerin fünf Jahre lang täglich trainiert. An fünf von sieben Tagen hier, im Trais-Horloffer See im Landkreis Gießen.
Kerstin Kuntze, Extremschwimmerin
Fünf mal die Woche war ich im See. Und zwar zu jeder Jahreszeit. Und im See ging es natürlich vor allem darum, weil da muss man ganz ehrlich sagen, da kann man kein Tempotraining machen. Bei unter fünf Grad ist das obsolet. Da ging es mir vor allem entspannt, mit guten Gedanken im Kopf, weil der Kopf trägt einen durch das Wasser, dass das funktioniert. Und das funktioniert durch Wiederholung.“ 
In 49 Minuten meistert Kuntze 1710 Meter in eiskaltem Wasser. Und ist damit eine von nur 685 Menschen weltweit, die die Eismeile geschafft haben. Den Zeitpunkt für diese extreme Herausforderung – und zwar im Alter von 60 Jahren – wählt Kerstin Kuntze bewusst aus.
Kerstin Kuntze, Extremschwimmerin
60 ist halt so ein Alter, wo man sagt: Naja, nun ist das Mütterchen schon ein bisschen älter. Mal sehen ob sie überhaupt noch was kann. (…) Das ist genau das, was ich eben nicht will. Ich finde 60, da geht es erst richtig los. Und ich entspreche ja auch nicht dem typischen athletischen Bild, das man vielleicht von einer Extremsportlerin hat. Ich bin das aber! Und dann auch noch 60. Das sind da so zwei Außergewöhnlichkeiten, die mich aber dazu gebracht haben, dass ich das kann.“ 
Es ist ein kühler Urlaub in Holland im März vor 11 Jahren, mit Ferienhaus direkt am Strand, der die freischaffende Künstlerin zum Eisschwimmen bringt.
Kerstin Kuntze, Extremschwimmerin
Ich hab die ganze Zeit auf das Meer geschaut und dachte nur so: Und da soll ich jetzt eine Woche lang nicht rein? Da habe ich gedacht: Nee, das geht doch nicht. Man muss dazu sagen, die Nordsee hatte vier Grad. Und da ich aber dachte: Komm, in Russland machen die das doch auch. Das müsste doch gehen. (…) Und dann war es tatsächlich so, dass nach 3 Minuten Dachte ich so: Wow, das wird auf einmal ganz warm. Das ist ja ganz schön. Ich habe auch gar keine Atemnot mehr. Ich kann ganz prima schwimmen. Und das war tatsächlich der Moment der absoluten Befreiung.“
Während der Corona-Zeit gründet Kerstin Kuntze den „Klub der Immer-Schwimmer“, dem mittlerweile mehr als 80 Mitglieder angehören, die sich jeden Woche gemeinsam in den Trais-Horloffer See stürzen. So begeistert sie andere für ihre Leidenschaft schwimmen und zeigt: Kerstin Kuntze und das Element Wasser sind eins.