Senkung der Luftverkehrssteuer – Werden Flugtickets jetzt günstiger?

Markus Appelmann spricht mit Alexander Lorz, dem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Fraport.

Markus Appelmann, Moderator:
Und jetzt ist er bei uns im Studio. Einen schönen guten Abend.
Alexander Lorz, Aufsichtsratsvorsitzender Fraport:
Schönen guten Abend, Herr Appelmann.
Appelmann:
Herr Lorz, Sie haben gerade eben gehört, die Ticketsteuer, die Luftverkehrssteuer wird ab morgen gesenkt. Wird das eine Auswirkung haben auf die Ticketpreise? Das interessiert unsere Zuschauer.
Lorz:
Also das können wir natürlich nicht unmittelbar steuern. Aber klar, das ist eine Hoffnung, die dahinter liegt, dass zumindest teilweise diese Absenkung der Steuer auch über die Ticketpreise an die Verbraucherinnen und Verbraucher, also an die Flugpassagiere, weitergegeben wird. Es ist aber auch ansonsten einfach eine Stärkung des Standorts, weil es die Kosten für die Airlines reduziert. Und damit wird der Flughafen natürlich auch gerade für internationale Airlines im Vergleich wieder interessant.
Appelmann:
Aber die Kosten werden nur unwesentlich gesenkt. Wenn wir uns mal die Senkung der Luftverkehrssteuer anschauen, dann sehen wir: Bei Kurzstreckenflügen ist es um 2,5 € pro Ticket, auf der Langstrecke um gut 11 €. Das wird doch kaum eine Airline anlocken, mehr von Frankfurt aus zufliegen, oder?
Lorz:
Also zunächst mal es hört sich immer pro Passagier wenig an, aber natürlich, wir haben ja eben gerade die Zahl gehört, bei 63,2 Millionen Passagiere kommt da schon auch einiges zusammen. Trotzdem haben Sie recht. Diese Senkung der Luftverkehrssteuer, die ja eigentlich nur die Rücknahme einer erst kürzlich beschlossenen Erhöhung ist, kann nur ein erster Schritt sein. Um wirklich wieder wettbewerbsfähig zu werden auf dem Gebiet der Steuern und Gebühren, also der Standortkosten, müssen weitere Schritte folgen..
Appelmann:
Dann sprechen wir doch einfach mal darüber. Die Airlines sagen seit Jahren, Deutschland sei zu teuer. Gebühren, Steuern, Abgaben, die Sicherheitskontrollen. Was muss genau passieren, damit der Frankfurter Flughafen wieder wettbewerbsfähig ist in Europa?
Lorz:
Es wäre gut, an all diesen Schrauben zu drehen. Also Steuer haben wir besprochen. Aber klar, die Luftsicherheits- und auch die Flugsicherheitsgebühren. Bei letzterem beträfe das natürlich dann die Deutsche Flugsicherung. Das sind alles auch Faktoren, die man jedenfalls von Seiten der staatlichen Belastungen des Luftverkehrs reduzieren kann und auch reduzieren sollte.
Appelmann:
Sprechen Sie da mit Ihren Freunden in der Bundesregierung, mit Ihren Parteifreunden?
Lorz:
Ja, natürlich. Wir sind einem ständigen Austausch, weil die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandortes Deutschland insgesamt – und das ist nun mal in erster Linie Frankfurt – ist im Interesse des gesamten Landes.
Appelmann:
Die Passagierzahlen steigen derzeit in München stärker als in Frankfurt. Und in München will man zusammen mit Lufthansa Terminal zwei umbauen. So ein ähnliches Angebot gab es von Lufthansa auch in Richtung Fraport., aber Fraport hat abgelehnt. Warum?
Lorz:
Die Verhältnisse in Frankfurt sind einfach ein bisschen komplizierter, weil gerade die Terminals, die die Lufthansa nutzt, sind eben schon sehr eingefahren. Wir haben jetzt auch gerade die Verlagerung der Airlines in das neue Terminal drei. Also ich würde sagen, das ist keine Absage mit Ewigkeitswert, sondern wir untersuchen verschiedene Möglichkeiten der Kooperation. Und es wird für mich eines der wesentlichen Anliegen jetzt als Aufsichtsratsvorsitzender sein, dafür zu sorgen, dass das Verhältnis zwischen Fraport und der Lufthansa als dem Hauptkunden sich möglichst gut weiterentwickelt.
Appelmann:
Das muss sich verbessern, sagen Sie.
Lorz:
Es ist immer Luft nach oben, und wir arbeiten daran, das weiter zu optimieren. Es ist aber auch wirklich ein vertrauensvolles Verhältnis mit der Zusammenarbeit, also mit den maßgeblichen Entscheidungsträgern auch bei der Lufthansa. Und ich werde das weiter pflegen.
Appelmann:
Jetzt schauen wir uns das Ganze mal momentan an. Terminal zwei ist ja stillgelegt und wird in den nächsten drei Jahren jetzt überprüft werden. Kritiker sagen, diese schnelle Vergrößerung des Flughafens hätte es gar nicht gebraucht. Ansonsten hätte man ja viel schneller Terminal zwei auch ausbauen können.
Lorz:
Na gut, das ist jetzt eine Momentaufnahme, weil wir im Moment tatsächlich mit dem Passagieraufkommen noch hinter den Erwartungen oder hinter dem internationalen Vergleichsmaßstäben zurückbleiben. Aber in dem Moment, wo wir das wieder aufholen, da brauchen wir natürlich auch zusätzliche Kapazitäten und es wird ja eine Weile dauern, bis Terminal zwei saniert und wieder einsatzfähig ist.
Appelmann:
Wann wird das ungefähr sein?
Lorz:
Ungefähr Mitte der dreißiger Jahre. Also wir reden ja von einem echt langen Zeitraum, wo Frankfurt auch weiterhin mit zwei Terminals, jetzt aber dann mit dem neuen Terminal drei, arbeiten wird und arbeiten muss und kommt auch damit aus. Aber der Luftverkehr wird ja weiter wachsen. Sie sehen die Entwicklung, wie sie überall stattfindet und die wird ja hoffentlich auch an Deutschland nicht vorübergehen.
Appelmann:
Das ist die Hoffnung des hessischen Finanzministers als Aufsichtsratsvorsitzender der Fraport. Danke, Alexander Lorz, für den Besuch.
Lorz:
Gern geschehen.