Prozessauftakt um getötete E-Scooter-Fahrer

Es ist ein Unfall, der bundesweit für Aufsehen sorgte: Im Juli vergangenen Jahres eskaliert eine nächtliche Fahrt auf der Mainzer Landstraße in Frankfurt. Ein Auto gerät auf die Fahrradspur und erfasst mehrere E-Scooter-Fahrer. Zwei junge Männer sterben noch in derselben Nacht, ein weiterer wird schwer verletzt. Heute beginnt am Frankfurter Landgericht der Prozess gegen einen 24-Jährigen.

Mohammed S. muss sich ab heute vor dem Frankfurter Landgericht verantworten. Ihm wird vorgeworfen, vor knapp einem Jahr in der Nacht unter Einfluss von Lachgas und mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Frankfurter Innenstadt gefahren zu sein. Dabei soll er auf einen Fahrradstreifen gefahren sein und  zunächst zwei Zwillingsbrüder, die gemeinsam auf einem E-Scooter unterwegs waren, sowie kurz darauf einen weiteren 27-jährigen Mann erfasst haben. Die Brüder starben noch in derselben Nacht, der dritte Mann wurde schwer verletzt; sein rechter Unterschenkel musste amputiert werden. Nach dem Unfall soll der Fahrer zunächst geflüchtet sein, kehrte jedoch rund zwei Stunden später zum Unfallort zurück und stellte sich der Polizei. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 24-Jährigen im Fall der Zwillinge fahrlässige Tötung vor, im Fall des verletzten Mannes versuchten Mord.
Agnes Herbst,  Staatsanwältin
„Die Staatsanwaltschaft sieht den versuchten Mord darin, dass davon ausgegangen wird, dass er erkannt hat, was passiert ist – dass jemand lebensgefährlich verletzt worden ist – und dass er sich entschieden hat, keine Hilfe zu leisten, sondern weiterzufahren, um seine Tatbeteiligung zu verschleiern. Juristisch gesprochen geht die Staatsanwaltschaft von Verdeckungsabsicht aus.“
Der Angeklagte äußert sich heute nicht vor Gericht. Seine Verteidigung bestreitet einen Tötungsvorsatz und erklärt, er sei nicht Herr seiner Sinne gewesen und leide seitdem unter starken Schuldgefühlen. Die Tat bezeichnet sie als „menschliche Katastrophe“.
Michael Koch,  Verteidiger
„Wer in so einem Verfahren nicht mitfühlt, der hat sein Herz nicht am rechten Fleck. Das entbindet uns aber nicht von der Verpflichtung, die rechtlichen Interessen eines jungen Mannes zu vertreten, der in seinem Leben bislang nichts falsch gemacht hat – und der vielleicht in dieser verhängnisvollen Nacht einen folgenschweren Fehler begangen hat, der zu diesem unglaublichen Ausgang führte, dass zwei Menschen ihr Leben verloren haben und einer fürs Leben gezeichnet ist. Das lässt uns nicht kalt.“
Der beste Freund des Angeklagten, der als Beifahrer in der Tatnacht dabei war, sagt  heute vor Gericht aus und beschreibt die Minuten vor dem Unfall. Der schwer verletzte 27-Jährige ist aufgrund seines Gesundheitszustands derzeit nicht vernehmungsfähig.  Die Nebenklage vertritt die Angehörigen der Opfer, die unter anderem 300.000 Euro Schmerzensgeld und eine lebenslange Rente fordern. Doch der Opferfamilie geht es hauptsächlich um etwas anderes.
Ullrich Warnke,  Nebenklagevertreter
„Aber man will natürlich auch Gerechtigkeit zukommen lassen, indem man herausfindet, was wirklich genau geschehen ist. Und wenn es tatsächlich so sein sollte, dass der Beschuldigte und seine Mitfahrer nicht ganz die Wahrheit erzählen, dann wollen wir das wissen.“
Es sind also noch  zahlreiche  offenen Fragen zu den genauen Abläufen, der Verantwortung und den Folgen der Tat. Der Prozess soll bis Mitte September andauern.