Kraftwerk leidet unter zu warmem Rheinwasser

Unsere Flüsse heizen sich auf – mit schwerwiegenden Folgen. Heute hat Rheinland-Pfalz die Warnstufe 2 ausgerufen. Was das für Mensch und Natur bedeutet – das haben wir uns heute angeschaut.

Dauerhaft über 27 Grad im Rhein, das sagen diese Messinstrumente an der Theodor-Heuss-Brücke. Hier bei Mainz werden die Temperaturen von der Rheinwasser-Untersuchungsstation ganz genau im Blick behalten. Denn mit steigenden Wassertemperaturen sinkt der Sauerstoffgehalt, das ökologische Gleichgewicht wird gestört. Das bedeutet vor allem für die Fische: mehr Stress.
Dr. Jochen Fischer, Leiter Gewässerschutz RLP
„Die Fische können nicht schwitzen wie wir Menschen, die sind voll und ganz auf die Umgebungstemperatur angewiesen. Eine Temperaturerhöhung um 10 Grand verdoppelt bis verdreifacht den Energiebedarf dieser Tiere. Und damit auch den Sauerstoffbedarf. Und da beginnt der Teufelskreislauf.“
Ein paar Kilometer flussabwärts: Das Mainzer Kraftwerk zieht pro Stunde bis zu 80.000 Kubikmeter Wasser aus dem Rhein, um seine Turbinen zu kühlen. Das Wasser wird dann erwärmt wieder zurück in den Fluss gepumpt. Genau diese Temperaturen muss das Kraftwerk bei Warnstufe 2 nun ganz genau kontrollieren und alternative Kühlmöglichkeiten prüfen. Ab dauerhaften 28 Grad im Rhein droht die nächste Warnstufe: Dann könnte das Werk sogar ganz abschalten müssen, soweit kam es bisher aber noch nie.
Thomas Schipper, Techniker Kraftwerke Mainz
„Also ich hab’s bisher noch nie erlebt, bisher haben wir immer Glück gehabt. Aber es war immer schon mal knapp davor gewesen.“
Eine Abschaltung würde aber nicht bedeuten, dass in Mainz kein Strom mehr produziert werden kann. Im Notfall könnte der Betrieb auf dieses Blockheizkraftwerk gleich nebenan zurückgreifen. Das muss nicht mit Wasser gekühlt werden.
Marcus Langer, Geschäftsführer Technik Kraftwerke Mainz
„Das ist ein Gasmotorenkraftwerk, das können wir unabhängig von der Rheinwassertemperatur immer mit 100 Megawatt elektrisch betreiben. Am Ende gibt es Regularien, an die wir uns halten, Gesetzmäßigkeiten. Und wenn wir dann tatsächlich abstellen müssten, dann wäre das eben so.“
Zurück zur Messstation: Jochen Fischer rechnet fest damit, dass die Temperaturen im Rhein in den kommenden Tagen noch weiter ansteigen.
Dr. Jochen Fischer, Leiter Gewässerschutz RLP
„Unser Wasservorhersage-Modell für den Rhein sagt vorher, dass wir am Sonntag durchaus die 29 Grad als Spitzenwert erreichen werden. Das ist relativ selten.“
Neben dem Kraftwerk müssten dann auch weitere Firmen ihre Kühlwasserzufuhr aus dem Rhein stark einschränken, wenn die Hitzewelle weiter für eine Ausnahmesituation im Rhein sorgt.