Behelfsschwimmbad in Bad Wildungen

Der Betrieb von Schwimmbädern ist teuer und immer mehr kleine Kommunen können sich das kaum noch leisten. Im nordhessischen Bad Wildungen geht die Stadt einen besonderen Weg.

Hier stand bis zu seinem Abriss im vergangenen Jahr noch ein Hallenbad. Die neue Realität in Bad Wildungen  allerdings sieht so aus. Ein Neubau für das baufällige Schwimmbad hätte mehr als 50 Millionen Euro gekostet zuzüglich mehrerer Millionen laufender Kosten. Zu viel für eine kleine Kommune wie Bad Wildungen.
Ralf Gutheil (SPD), Bürgermeister Bad Wildungen
„Aufgrund der geopolitischen Entwicklungen sind die Preise dermaßen explodiert, dass wir uns dann einen Neubau nicht mehr leisten konnten und dann haben wir nach Alternativen gesucht und natürlich auch geschaut, wie viele freie finanzielle Mittel wir im Haushalt haben. Das waren dann 300.000 Euro. Und dann haben wir geschaut, was wir für 300.000 Euro bekommen.“
Und das sind: Zwei Pools, ein bisschen Sand, Personal. Für die einen ein schlechter Scherz, für die anderen eine gute Idee aus der Not geboren. Die Realität ist aber: mehr ist momentan finanziell nicht drin.
In Kirchhain bei Marburg läuft der Schwimmbetrieb im Freibad zwar noch auf Hochtouren – die Frage ist nur: wie lange noch? Das Bad von 1958 hat seine besten Zeit längst hinter sich.  Eine Schließung wäre für die Bürger  eine Katastrophe.
Hassan Ertem, wohnt seit 23 Jahren in Kirchhain
„Dann müssten die Leute wo anders hinfahren. Dann hätte ich das Gefühl, Kirchhaín ist wie eine tote Ecke.“
Sabine Bürger-Strack, Anwohnerin
„Für die Kinder wäre es wichtig, das Schwimmbad zu erhalten, um halt Schwimmen zu lernen. Es heißt ja immer, es können so viele nicht schwimmen und auch als Sport und Ausgleich und als Ruhezone und auch für Kommunikation, fände ich das sehr, sehr wichtig, dass es erhalten bleibt.“
Die Technik und die Becken müssen komplett ersetzt werden. Doch die mehr als acht Millionen Euro für die Sanierung hat die Stadt nicht auf der hohen Kante. Bürgermeister Olaf Hausmann will um das Bad kämpfen. Schon seit er denken kann, verbindet das Freibad die Menschen in Kirchhain.
Olaf Hausmann (SPD), Bürgermeister Kirchhain
„Ich bin 150 Meter von hier aufgewachsen und das heißt, das Freibad ist eigentlich im Sommer immer mein zweites Zuhause gewesen. Die Mutter hat zwar immer gesagt, man solle zuerst die Hausaufgaben machen, aber ab und zu haben wir das auch verdrängt, von daher ist das ganz klar eine Kindheitserinnerung und man sieht das ja auch, ganz viele Kinder und Jugendliche sind hier. Von daher wäre es toll, wenn ich dazu beitragen könnte, mit der Politik in Kirchhain, dass das Bad erhalten bleibt.“
Aus dem Förderprogramm des Landes können Kommunen maximal eine Million Euro erhalten. Die Hoffnung von Hausmann liegt deshalb jetzt auf Geld aus dem schuldenfinanzierten Infrastruktursondervermögen der Bundesregierung.
Olaf Hausmann (SPD), Bürgermeister Kirchhain
„Außerdem glaube ich, haben die Bäder und auch unser Bad auch eine soziale Funktion und von daher wäre es uns schon wichtig – und dafür gibt es auch eine breite politische Mehrheit – das Bad zu erhalten. Wenn wir bei den Förderprogrammen nicht zum Zuge kommen, muss die Politik entscheiden, was wir danach tun.“
Eine Situation, die so oder so ähnlich viele Kommunen in Deutschland kennen. Schon möglich also, dass es bald noch mehr Städten und Gemeinden  so geht wie Bad Wildungen.