Schutz für Rehkitze
Rehkitze liegen instinktiv im hohen Gras, um sich vor Fressfeinden wie Füchsen zu schützen. Doch gerade das macht sie zur Beute eines anderen Feindes – und der heißt: Mähdrescher. In Rheinhessen sind deshalb die ehrenamtlichen Kitzretter im Einsatz, damit die Bambis am Leben bleiben.
Ein Rehkitz liegt auf der Wiese von Jörg Schuch. Die Drohne von Jens Klasen hat es aufgespürt. Die Kitzrettung Rheinhessen ist seit 6 Uhr morgens in Bermersheim im Einsatz.
„Das war ein Kitz, ist gerade weggerannt. Ich gehe mal ins Infrarot.“
Weggerannt bedeutet: kein weiterer Eingriff durch die Rehkitzretter ist notwendig.
Jens Klasen, Kitzrettung Rheinhessen e.V.
„Das ist der Fluchtinstinkt, der ausreichend ist, damit es vom Mähwerk nicht erwischt wird. Und deswegen brauchen wir da jetzt nicht unnötig, dem Tier Stress zuzumuten. Oder das in Stress zu versetzen.“
Die Wiese ist gecheckt und kann gemäht werden. Jörg Schuch hatte sich vor ein paar Tagen mit den ehrenamtlichen Kitzrettern in Verbindung gesetzt. Er will heute drei Felder mähen, um Heu zu machen. Tobias Koch und Petra Sander sind am Morgen mit im Einsatz. Auch der Papa vom Rehkitz lag in der Wiese. Die Drohne hat auch ihn vertrieben.
Jörg Schuch, Landwirt aus Lonsheim
„Somit ist gewährleistet, dass ich kein Kitz totmäh. Das wäre nämlich der sichere Tod für das Kitz. Und in dem Fall gottseidank, Jens Klasen und seiner Truppe, mähen wir keins mehr tot. Weil die alle Kitze finden mit der Wärmebildkamera.“
Während der Landwirt die erste Wiese mäht, ist die Drohne der Kitzrettung schon wieder in der Luft. Auch die zweite Wiese liegt in Bermersheim. Die Ehrenamtler sind zu dritt unterwegs. Denn falls ein Kitz gesichtet wird und nicht selbstständig rausspringt, bringen sie es ganz vorsichtig in Sicherheit. So wie hier vor ein paar Tagen. Petra Sander ist Gründungsmitglied des Vereins, der Jäger Tobias Koch ist seit einem Jahr dabei.
Tobias Koch, Kitzrettung Rheinhessen e.V.
„Hingegen jeglicher Vorurteile, ist es ja doch den Jägern auch natürlich, den meisten zumindest irgendwie ein Bedürfnis, die Natur zu wahren, zu schützen, diese Form der Hege auch zu betreiben.“Petra Sander, Kitzrettung Rheinhessen e.V.
„Wir sind am Anfang mit Menschenketten durchgelaufen, es war sehr anstrengend und auch nicht immer von Erfolg gekrönt.“
Jens Klasen hat den Verein 2023 gegründet. Hauptberuflich arbeitet er in der IT-Branche und konnte dadurch einen Sponsor für die Drohnen an Land ziehen. 79 Kitze haben die Rheinhessen seit April gerettet.
Jens Klasen, Kitzrettung Rheinhessen
„Eigentlich ist es jedes Mal ein Erfolg, wenn der Landwirt mähen konnte, auch schnell mähen kann, ohne Tierleid zu verursachen. Das ist das Ziel von uns.“


