Getöteter Zugbegleiter – Prozess startet
Es war eine Tat, die im Februar ganz Deutschland erschüttert hat. Ein Schaffner aus Ludwigshafen stirbt, nachdem er von einem Schwarzfahrer angegriffen wird. Der Fall löst eine Debatte über mangelnde Sicherheit in Zügen aus. Heute hat die juristische Aufarbeitung am Landgericht in Zweibrücken begonnen.
Es wirkt wie ein Trauermarsch, als der Vater und die Brüder des getöteten Serkan C. heute Morgen vor dem Landgericht Zweibrücken erscheinen. Ihre Nachricht: Serkan ist hier bei uns.
Ismail, Bruder von Serkan C.
„Vielleicht ist es für viele so, dass er gestorben ist aber für uns nicht. Seine Seele ist hier. Mit uns steht er jetzt da und er wird auch seinen Prozess begleiten.“
Auch Freunde und Kollegen wollen heute dem Prozess beiwohnen.
Yunus Emre, Freund und Kollege
„Er war für mich nicht nur ein Kollege sondern ein Bruder. Wir waren auch sehr eng und seit 18 Jahren haben wir auch zusammengearbeitet. Ich will dem Täter in die Augen sehen und verstehen, warum er das getan hat. Und dass er seine gerechte Strafe erhält.“
Vor Gericht ist Ioanni V. heute wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Bei einer Verurteilung droht dem griechischen Staatsbürger eine Freiheitsstrafe zwischen drei und 15 Jahren.
Robert Murmann, Reporter in Zweibrücken:
„Schon von Anfang an ist die Stimmung im Saal extrem angespannt. Als dann das Überwachungsvideo der Tat abgespielt wird, eskaliert die Lage. Freunde und Verwandte des Opfers rufen dem Angeklagten Flüche und Beleidigungen entgegen, einer wird sogar des Saales verwiesen. Die Bilder sind für alle schwer zu ertragen. Eine plötzliche Explosion der Gewalt – nur wenige Sekunden lang – und dann der lange, vergebliche Kampf der Ersthelfer um das Leben von Serkan C.“
Der Angeklagte wendet sich heute direkt an die Hinterbliebenen, spricht von Reue und von einem Moment der blinden Wut, dessen Folgen er bis an sein Lebensende mit sich herumtragen müsse. Er übernehme die volle Verantwortung für seine Tat, auch juristisch. Die Familie von Sercan C. tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf.
Yalçin Tekinoglu, Anwalt der Hinterbliebenen
„Was hier den Angehörigen helfen würde ist, wenn der Angeklagte – und das hat er ja verweigert – Angaben zur Tat machen würde. Das ist zwar sein gutes Recht, aber wenn dort eine aufrichtige Entschuldigung beabsichtigt wäre, dann wäre es für die Angehörigen hilfreich, wenn die Tat aufgeklärt würde.“


