Schaltgespräch mit Barbara Mächtle, Leiterin der Gräfenauschule Ludwigshafen

Markus Appelmann spricht mit ihr über den Grund, warum viele Kinder das Klassenziel nicht erreichen, und ihre Wünsche an die neue rheinland-pfälzische Landesregierung.

Markus Appelmann, Moderator:
Wie viele Schüler werden es dieses Mal sein? Eine Frage, die wir Barbara Mächtle stellen. Sie ist die Leiterin der Gräfenau Grundschule. Ich grüße Sie.
Barbara Mächtle, Leiterin Grundschule Gräfenau Ludwigshafen:
Hallo zusammen.
Appelmann:
Frau Mächtle, fangen wir mit der zentralen Frage an: Wie viele Schüler haben dieses Mal den Sprung in die zweite Klasse nicht geschafft?
Mächtle:
Dieses Mal haben wir 41 Kinder, die im nächsten Schuljahr noch einmal unsere erste Klassenstufe besuchen.
Appelmann:
41 Schüler – die Situation hat sich also nicht gebessert, seit vor 4 Jahren erstmals Ihre Schule bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. Warum ist es so schwer, das Problem in den Griff zu bekommen? Warum sind es wieder 41, die nicht versetzt werden?
Mächtle:
Es fehlt ganz klar an Ressourcen. Also wir haben zwar inzwischen das letzte Kitajahr, dass alle Kinder, so gut wie alle Kinder besuchen. Das reicht aber häufig nicht. Vor allem nicht, wenn Kinder vorher keine Einrichtungen besucht haben. Sie müssen sich in so einer Einrichtung eingewöhnen. Das braucht Zeit. Wir haben nach wie vor das sprachliche Problem. In dem Stadtviertel wird viel gesprochen, aber sehr, sehr wenig Deutsch, sodass die Kinder mit der deutschen Sprache sehr wenig in Berührung kommen, das oftmals erst in der Kita lernen oder tatsächlich erst in der Schule, in der ersten Klasse. Und da brauchen wir minimum ein Jahr, bis wir auf einem Stand mit den Kindern sind, dass sie dem Unterricht dann gut folgen können.
Appelmann:
Lassen Sie mich da kurz einhaken: aus den Gründen plant die neue Landesregierung ein verpflichtendes letztes Kitajahr. Hilft Ihnen das an der Gräfenau Grundschule?
Mächtle:
Also ich hoffe, dass es hilft. Es kommt jetzt auf ein paar Dinge drauf an, wie es umgesetzt wird. Wenn es kleine Gruppen sind mit einer Betreuungsperson, ich sage mal maximal zehn bis zwölf Kinder, dann wäre das schön. Noch schöner wäre es allerdings, wenn man durchaus größere Gruppen nimmt, 18 bis 20 Kinder und diese Gruppen von einer Erzieherin und einer Lehrkraft fördern würde. Dann hätte man den frühkindlichen Aspekt durch die Erzieherinnen, den man beachten kann und man hätte den schulischen Aspekt durch die Lehrkraft.
Appelmann:
Jetzt haben wir seit über vier Wochen eine neue Landesregierung und somit auch eine neue Bildungsministerin. Was ist Ihre konkrete Forderung an die Politik?
Mächtle:
Wir fordern oder wir wünschen uns ja schon seit vielen, vielen Jahren, dass diese Förderung vor der Schule einsetzt. Da sind wir mit einem … ob es jetzt Grundschule null oder einem verpflichtenden Kita Jahr schon auf einem guten Weg, denke ich. Aber das alleine einzurichten wird nicht viel bringen, wenn die Gegebenheiten nicht da sind, dass das Kind auch adäquat gefördert wird.
Appelmann:
Erneut schaffen Dutzende Kinder die erste Klasse nicht. Barbara Mächtle war das, die Leiterin der Gräfenau Grundschule in Ludwigshafen, Danke Ihnen.
Mächtle:
Vielen Dank.