Neugeborenen-Lotsen am Uniklinikum Gießen-Marburg
Im vergangenen Jahr kamen allein in Hessen 51.740 Babys auf die Welt. Für die Eltern ändert sich nach der Geburt alles – und einige Fragen bleiben unter Umständen unbeantwortet. Hier soll der Neugeborenen-Lotsendienst – kurz NeLoDi – helfen. Das Konzept aus dem Uniklinikum Gießen-Marburg bildet eine Brücke zwischen der medizinischen Versorgung in der Klinik und dem privaten Leben im häuslichen Umfeld. Es soll Eltern gerade in den ersten nerven-aufreibenden Tagen nach der Geburt unterstützen.
Die kleine Maya ist gerade einmal zwei Tage alt und bekommt von dem Trubel um sie herum nur wenig mit. Ihre Eltern nehmen im Mutter-Kind-Zentrum in Marburg die Hilfe des Neugeborenen-Lotsendienstes an. Der hilft bei Sprachbarrieren, der Vermittlung von Hebammen und Kinderärzten, finanziellen Sorgen, aber vor allem auch bei bürokratischen Fragen.
Eugen Bogomolov, Vater von Maya
„Das Kind ist da, zack, hast du einen Haufen Zettel bekommen, musst du ausfüllen, alle Daten, dann musst du schon runtergehen, sie anmelden für die Geburtsurkunde und so weiter und so fort und das ist schon eine Menge. Das ist schon eine starke Unterstützung finde ich.“
Die Lotsinnen sind ausgebildete Pädagoginnen und suchen in der Regel ein bis zwei Tage nach der Geburt die frischgebackenen Eltern auf.
Claudia Plociennik, Neugeborenen-Lotsin
„Dann kommen wir ins Gespräch und dann kommen dann vielleicht Bedürfnisse auf oder ich hör ein Thema raus, wo ich sage ‚Ach da hak ich nochmal ein bisschen sensibel nach‘ oder da kann das Thema dann auch Raum finden. Um zu sagen ‚Hey du bist nicht allein, das ist nicht komisch, dass du dich jetzt so fühlst, das ist ganz normal und auch okay‘. Es ist nur wichtig, dass man das merkt und das man dann ins Gespräch kommt du sich Hilfe holt.“
Das Projekt wird in dieser Form seit Februar umgesetzt. Im Klinikalltag sind die Lotsinnen eine große Entlastung für die Ärzte und Schwestern auf der Station. Die Idee zu dem Konzept ist von Oberarzt Dr. Köhler.
Dr. Siegmund Köhler, Leitender Arzt Geburtshilfe
„Das war so eine Herzensangelegenheit. Dass ich gemerkt hab, meine Patienten medizinisch versorge ich top, aber es fehlt immer noch etwas. Wir machen in Deutschland sehr, sehr viele und sehr, sehr gute Sachen, aber wir vernetzen uns nicht genug.“
Das gilt auch für den Fall, dass eine Geburt nicht mit einer glücklichen Familie endet, sondern das Kinderbett am Ende leer bleibt.
Claudia Plociennik, Neugeborenen-Lotsin
„So genannte Sternenkinder oder Totgeburten sind natürlich auch in einer Klinik wie diesen leider Realität und mit ist es besonders wichtig, dass wir dann auch im Haus vernetzen könne, dass wir Psychologen dazuholen können, dass wir den Familien auch für zu Hause eine passende Beratungsstelle direkt vermitteln können, weil sie das oft gar nicht wissen wie es weiter geht.“
Der Lotsendienst wird zudem durch verschiedene Datenerhebungen und Analysen von Wissenschaftlern der Philipps-Universität Marburg begleitet. Dadurch erhofft man sich neue Erkenntnisse, die das Konzept weiter optimieren. Bisher wird das Angebot von den Eltern sehr gut angenommen.
Dr. Siegmund Köhler, Leitender Arzt Geburtshilfe
„Das bestätigt einen, wenn man etwas Gutes tut und es multipliziert sich von alleine in der Form in der es jetzt geschehen ist, dann macht es einen einfach stolz und glücklich.“


