Studiogespräch mit Musikstar Alice Merton über die Nibelungenfestspielen in Worms

Die deutsch-britische Musikerin ist an der diesjährigen Produktion „Die Hunnenkönigin“ beteiligt. In unserem Studio spricht sie über den Unterschied zwischen der Arbeit an einem Popsong und einem Song für die Bühne.
Eva Dieterle, Moderatorin:
Und jetzt darf ich sie hier bei mir im Studio begrüßen. Alice Merton – schön, dass Sie hier sind.
Alice Merton, Singer-Songwriterin:
Schön, dass ich hier sein kann.
Dieterle:
Wir haben gerade schon gehört, die Proben laufen, bis zur Premiere ist noch einiges zu tun. Sie sind ja auch vor Ort. Wie ist der Stand der Dinge? Wie läuft’s?
Merton:
Es läuft sehr gut. Ja, es macht total viel Spaß. Und die Menschen sind sehr nett. Es ist sehr viel zu tun, wie Sie auch gesagt haben. Es ist nicht nur Theater, es ist auch Tanz, es ist Musik, es ist Puppenspiel. Und das alles muss geprobt werden.
Dieterle:
Und es ist ein komplett anderes Projekt als das, was Sie ansonsten als Künstlerin tun.
Merton:
Ja, normalerweise sieht mein Alltag ein bisschen anders aus. Das stimmt.
Dieterle:
Jetzt möchten wir von Ihnen natürlich wissen: Wo liegen denn die großen Unterschiede? Sie sind weltberühmt geworden mit dem Hit “No Roots”. Das ist ein Popsong. So eine Theaterinszenierung – was ist anders daran, dafür Musik zu komponieren?
Merton:
Also generell ist es anders, weil normalerweise spreche ich über meine Gefühle und das, was ich erlebe. Und dieses Mal wurde mir gesagt: “Das ist Kriemhild, das ist die Geschichte. Schreib mal, wie sich diese Charaktere fühlen.” Also musste ich dann mit jedem Charakter mich irgendwie identifizieren und versuchen, mich hineinzuversetzen in die Person. Und damit habe ich angefangen. Und ich glaube, bei meinen Songs ist es ja wie gesagt anders.
Dieterle:
Jetzt spielt bei “Die Hunnenkönigin” Musik eine ganz zentrale Rolle. Wir haben am Anfang des Beitrags schon einen Ausschnitt gehört. Sie haben aber auf der Pressekonferenz noch einen weiteren Song präsentiert und da hören wir jetzt mal rein.
Einspieler Musik
Dieterle:
Wie gelingt es dann, am Ende eine Symbiose zu machen aus der Musik und aus der Theaterinszenierung?
Merton:
Es ist auf jeden Fall nicht leicht, aber ich würde sagen, beides lebt voneinander. Man muss sehr offen sein für Feedback, dass man auch gesagt wird: “Hey, an der Stelle muss das passieren. Könnt ihr die Musik da ein bisschen umstellen?” Also ich glaube, es ist sehr anders, weil ich nicht mehr alle Entscheidungen treffe, sondern die Entscheidungen werden dann von Olli und von James, den Regisseuren, getroffen und ich muss mich ein bisschen anpassen. Aber die geben mir sehr viel Freiheit in der Musik, was schön ist.
Dieterle:
Und wenn Sie jetzt an die Nibelungensage denken, an diese Inszenierung, was fasziniert Sie daran am meisten?
Merton:
Ich würde sagen, das Drama. Es ist sehr dramatisch. Ich liebe das. Ich komme aus einer Welt … also ich habe Opern geliebt und ich fühle mich so, als würde ich die Musik für eine moderne Oper schreiben. Und das macht mir sehr viel Spaß.
Dieterle:
Und hat man auch Lampenfieber jetzt? Die Premiere nähert sich. In einem Monat geht es los. Sind Sie aufgeregt?
Merton:
Noch geht’s. Ich würde sagen, eine Woche davor wird die Aufregung groß sein. Je nachdem, wie weit man ist mit allen Sachen.
Dieterle:
Und dann hilft man sich im Team. Sie arbeiten ja jetzt auch zum ersten Mal intensiv mit den Schauspielern zusammen. Ist das dann so, dass die Crew sich auch gegenseitig unterstützt?
Merton:
Auf jeden Fall. Alle sind supernett. Ich habe auch noch nie mit Schauspielern gearbeitet und das ist total schön, ihre Arbeitsweisen mitzuerleben. Von daher: Das ist sehr spannend.
Dieterle:
Und letzte Frage noch zum Veranstaltungsort, zu Worms. Der schöne Dom., den kennen Sie natürlich, weil Sie da ständig sind. Aber hatten Sie auch sonst noch Gelegenheit, die Gegend ein bisschen kennenzulernen?
Merton:
Wir waren vor drei Jahren dort und haben dort gespielt tatsächlich vor dem Dom. Das war sehr schön in Worms. Ansonsten – ja, ich meine, ich versuche Worms ein bisschen zu entdecken. Es gibt eine tolle Eisdiele, da gehe ich jeden Tag Eis essen nach der Probe und ansonsten ich bin in jeder Stadt gibt es so Ecken, die man gerne entdeckt und für sich dann so ins ins Herz schließt. Von daher: ja.
Dieterle:
Und so ein Eis als Belohnung gerade bei den Temperaturen muss sein. Also wir drücken ganz fest die Daumen, dass das alles gut klappt mit der Premiere und sagen: Vielen Dank, dass Sie heute wenigstens kurz Zeit gefunden haben, um hier nach Mainz zu kommen.
Merton:
Ich danke. Danke schön.