Abgehängtes Dorf Hirschthal
Wo gibt es genug Ärzte und Schulen, schnelles Internet, gute Verkehrsanbindung und Freizeitangebote? Das wollte eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft – der sogenannte „Gemeindecheck“ – herausfinden und hat alle 10.817 Gemeinden in Deutschland unter die Lupe genommen. Auf dem bundesweit letzten Platz: das kleine Dörfchen Hirschthal in Rheinland-Pfalz. Grund genug, uns selbst einmal umzusehen in diesem Dorf am Ende der Welt.
Vier Straßen, eine Brücke und knapp 80 Einwohner. Das ist Hirschthal im Südwestpfalzkreis, gleich an der französischen Grenze. Hier gibt es keinen Bäcker, keine Kneipe, keinen Arzt und der Bus kommt nur viermal am Tag. Aber: Ist es hier deswegen trostlos?
Uwe Großmann (parteilos), Ortsbürgermeister Hirschthal
„Diejenigen Leute, die hierherkommen, die wissen, warum sie hierherkommen. Und da ist diese Untersuchung oder dieses Gutachten absolut irrelevant.“
Von den untersuchten Kategorien hält Großmann wenig. Wer hier seine Freizeit verbringt, geht in die Natur, wer irgendwohin will, fährt mit dem Auto. Schulen, Kitas und Einkaufsmöglichkeiten gibt es in den Nachbarorten. Über den letzten Platz in der Untersuchung ärgert sich der Bürgermeister nicht – im Gegenteil.
Uwe Großmann (parteilos), Ortsbürgermeister Hirschthal
„Der Erste ist interessant und der letzte und insofern ist es auch eine Aufmerksamkeit, die man hier nutzen kann, einfach um einmal hier ganz direkt anzusprechen: Wir leben hier gerne, aber es gibt einen Punkt der hier wirklich Verbesserung bedarf. Nicht nur Verbesserung sondern absolut Nacharbeit und das ist eben die Sache mit den Ärzten.“
Allein in den vergangenen fünf Jahren sind in der Region vier Ärzte in Ruhestand gegangen – ohne Nachfolger. Der Ärztemangel auf dem Land ist allerdings ein strukturelles Problem.
Simone Oech, lebt seit vier Jahren in Hirschthal
„Ich muss 45 Minuten Auto fahren, um zum Arzt zu kommen. Überhaupt einen Arzt, Hausarzt. Alles andere ist noch weiter weg. Ich weiß, dass das ist ein systemisches Problem in der Pfalz und sogar in Deutschland, aber hier ist es besonders. Sie werden alle älter und gehen in Rente und keiner kommt nach.“
Fragt man die Einwohner von Hirschthal, was sie von dem letzten Platz halten, bekommt man überall eine ähnliche Antwort.
Ilse Trapp, lebt seit 73 Jahren in Hirschthal
„Ich finde das diskriminierend. Weil das nicht so ist. Weil die Bürger alle miteinander sich wohlfühlen Wir haben eine schöne Dorfgemeinschaft und im Dorf ist noch niemand verhungert.“Patrick, hat sich in Hirschthal zur Ruhe gesetzt:
„Dort wohnen, wo andere Urlaub machen. Und es ist definitiv so. Hier ist ein beschauliches Örtchen. Klar, solche Kriterien kann man zu Grunde legen, aber man muss sich vorher überlegen: macht das Sinn?“
Beate Serbiné ist in Hirschthal geboren und hat als Reiseleiterin die ganze Welt bereist. Für sie ist das „Dorf am Ende der Welt“ der schönste Ort überhaupt.
Beate Serbiné, leitet den Kulturverein in Hirschthal
„Weil ich dieses Dorf mit seinen Menschen schätze, liebe und hier kann ich runterkommen, hier kann ich entschleunigen, hier findet man einfach wieder zu sich selbst. Und deswegen bin ich immer wieder hierher zurückgekommen. Jetzt bin ich im Ruhestand und jetzt bleibe ich hier.“


