Studiogespäch mit Opel-Chef Florian Huettl

Eva Dieterle spricht mit ihm über die Lage von Opel in Rüsselsheim und Kaiserslautern.

Eva Dieterle:
Über all das spreche ich jetzt mit Opel-Geschäftsführer Florian Huettl. Guten Abend. Herr Huettl, viele Hersteller haben sich ja entschieden dazu, Produktion ins Ausland zu verlagern, weil die Rahmenbedingungen hier in Deutschland eben doch durchaus anspruchsvoll sind. Trotzdem haben Sie gesagt, die neue Generation des Astra, die entsteht am Standort in Rüsselsheim. Wie schwer ist diese Entscheidung gefallen angesichts der Herausforderungen?
Florian Huettl, Geschäftsführer Opel
Ja, Sie haben recht. Autos zu produzieren am Standort Deutschland ist mit gewissen Herausforderungen verbunden. Wir reden über im internationalen Vergleich sehr hohe Energiepreise. Wir reden über hohe Lohnkosten, wir reden über einen vergleichsweise hohen administrativen Aufwand. Das heißt, hier in Deutschland zu produzieren, muss man auch ein gewisses in gewissem Maß kompensieren durch die Vorteile, die wir hier finden. Und auch da gibt es einige. Wir haben ein hohes Maß an Qualifikation, gute Schulausbildung, eine hohe Automobilkultur. Wir sind in der Lage, beste Qualität zu produzieren. Und wir haben auch zusammen mit unseren Sozialpartnern es immer geschafft, ein Produktionssystem aufzubauen, das auch flexibel mit den Herausforderungen unserer Industrie umgehen kann. Ja, und insofern sind wir auch sehr froh, dass es uns gelungen ist, aus all diesen Rahmenbedingungen und diesen Herausforderungen, ja, ein Paket im Grunde zu bauen in unserem Stammwerk in Rüsselsheim, das es uns am Ende erlaubt hat zu sagen, dass wir hier produzieren, dass auch der nächste Astra hier bei uns in unserem Stammwerk angesiedelt sein wird. Darüber freuen wir uns. Und auf das Auto freuen wir uns auch.
Dieterle:
Das ist wirtschaftlich nicht immer alles ganz berechenbar ist, zeigt ja auch, dass Sie mal ausgerufen hatten, bis 2028 vollelektrisch zu werden. Das Ganze wurde im Prinzip wieder kassiert, denn inzwischen ist klar: Die Verbraucher wollen weiterhin unterschiedliche Antriebsmöglichkeiten. Hat hier auch der Kunde mit die Entscheidung für die Branche getroffen?
Huettl:
Natürlich. Es ist unsere Aufgabe, unseren Kunden auch den Antrieb zu geben in unseren Fahrzeugen, der am besten zu ihren Bedürfnissen passt. Und ja, Sie haben recht, wir haben vor einigen Jahren, 2019 / 2020, gemeinsam den Markt beurteilt. Wir haben analysiert, inwiefern sich die Elektrifizierung entwickeln könnte. Und wir haben auch die europäischen Rahmenbedingungen, die ja damals festgelegt worden sind, mit einbezogen. Und wir haben dann gesagt, dass der Weg nach vorne ganz klar der Weg der reinen batterieelektrische Weg sein wird. Dementsprechend haben unsere Strategie aufgebaut, in Modelle, Plattformen, Werke investiert. Aber dann, Jahr für Jahr, mussten wir feststellen, auch alle gemeinsam in der Industrie, dass die Geschwindigkeit, mit der sich die Kunden mehr und mehr für Elektrofahrzeuge interessieren und auch je nach Markt den Schritt tun, dass sie nicht ganz auf der Kurve lag, die wir ursprünglich zugrunde gelegt haben. Und insofern war es auch nur ja normal und verantwortungsvoll gegenüber unserem Unternehmen, unseren Partnern, unseren Kunden, dass wir hier nicht das Ziel angepasst haben, aber doch die Geschwindigkeit und noch ein paar Jahre länger auf die Flexibilität setzen werden, die ja auch unsere Multi Energy Plattformen uns bieten.
Dieterle:
Jetzt wird eine Riesensumme investiert, bis zu einer Milliarde Euro in Deutschland. Das klingt natürlich erst mal viel. Wissen Sie, wie viel davon konkret dann auch am Standort in Rüsselsheim ankommt und wofür es verwendet wird?
Huettl:
Ja, ganz klar. Wir haben letzte Woche, als wir verkündet haben, dass wir den Astra in Rüsselsheim bauen werden, auch gesagt, dass wir insgesamt bis 2030 in Deutschland in unserem gesamten Ökosystem bei Opel 1 Milliarde € investieren würden. Und dahinter steht ein klarer Plan Da stehen konkrete Projekte dahinter. Zum Beispiel der neue Firmensitz, der Green Campus, der in Entstehung ist, den wir nächstes Jahr eröffnen werden. Es stehen die Investitionen in unser Stammwerk in Rüsselsheim an, um das Werk breit zu machen für die neue Plattform. Es sind die Entwicklungsinvestitionen darin begriffen, für den neuen Astra sowie weitere Projekte in unseren anderen Werken in Kaiserslautern, in Eisenach, aber auch in Bochum, wo wir ein modernes Teilezentrum, Teileverteilzentrum aufbauen, die dann in Summe diese eine Milliarde ausmachen, die wir hier in Deutschland investieren.
Dieterle:
Den Green Campus haben wir gerade schon gesehen. Es ist natürlich mit so einem modernen Vertriebsgebäude auch wirklich ein Versprechen, glaube ich, an den Standort in Rüsselsheim. Schauen wir aber, Sie haben es gerade schon angesprochen, auch noch mal kurz nach Kaiserslautern. Am Wochenende wird dort 60 Jahre Opel in Kaiserslautern gefeiert, mit einem Tag der offenen Tür. Das Werk dort hat sich im Laufe der Zeit sehr gewandelt. War mal ein Motorenwerk, ist jetzt ein Komponentenwerk. 900 Mitarbeiter arbeiten dort. Ist denn auch da die Zukunft gesichert, dass diese Stellen erhalten bleiben?
Huettl:
Ja, Sie haben recht. Wir werden am Samstag in Kaiserslautern den 60. Geburtstag unseres Werks begehen mit einem großen Festakt mit vielen Besuchern. Und am Beispiel Kaiserslautern sehen Sie auch sehr gut die Transformation, die gerade in der Industrie stattfindet. Sie haben recht, das Werk hat noch bis vor einigen Jahren Motoren gebaut, nämlich Verbrennermotoren und konkret in Kaiserslautern einen Dieselmotor. Dieses Projekt ist ausgelaufen. Aber dem Standort und uns ist es in Kaiserslautern gelungen, hier das Werk auch ein Stück weit neu zu erfinden und neue Aktivitäten rund um den Komponentenbau zu entwickeln. Vom Pressen zum Bauen von Komponenten für Werke in ganz Europa. Und das Werk hat sich in dieser Transformation auch wirklich einen Platz erobert und beliefert heute über 20 Werke von Stellantis in ganz Europa und hat damit auch einen klaren Weg in die Zukunft. Und den werden wir am Samstag feiern.
Dieterle:
Also auch da sind die Weichen gestellt. Vielen Dank, dass Sie heute zu diesen Themen bei uns waren.
Huettl:
Vielen Dank.