Mann ohne Identität bekommt Personalausweis

Hartmut Gottlebe aus Kassel hat keinen Personalausweis, seit der ihm vor über 20 Jahren beim Leben auf der Straße gestohlen wurde. Aufgrund fehlender Nachweise weigerten sich die Behörden jahrelang, dem 69-Jährigen einen neuen Ausweis auszustellen – offiziell existierte Hartmut Gottlebe also nicht. Wohnung, Bankkonto oder andere Verträge waren so für ihn unerreichbar. Jetzt hat sich endlich etwas getan.

Der Gang aufs Bürgeramt. Für die meisten ganz normal. Für Hartmut Gottlebe jedoch das Ende eines langen Kampfs. Er blickt in ein neues Leben. Rückblick:
Vor über 20 Jahren landet Gottlebe auf der Straße, wo ihm zu allem Überfluss auch noch sein Geldbeutel gestohlen wird.
Hartmut Gottlebe
„Da knieten drei, vier Leute auf mir, haben meinen Rucksack leergemacht, Portemonnaie raus. Personalausweis, Führerschein – alles war weg.“
Inzwischen lebt er in einem Wohnprojekt der Heilsarmee, gerne würde er wieder ein normales Leben führen. Doch ohne Ausweis praktisch unmöglich. Obwohl der 69-jährige sogar seine Geburtsurkunde vorlegen kann, beißt er sich am Amtsschimmel der Stadt Kassel die Zähne aus. Denn das Gesetz verlangt ein offizielles Dokument mit aktuellem Lichtbild, um die Identität zweifelsfrei festzustellen. Pech für Gottlebe. Doch diese Regeln hätten laut dem Kasseler OB einen guten Grund.
Sven Schoeller (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Oberbürgermeister Stadt Kassel
„Denn wir haben natürlich als Staat, als Behörden, ein großes Interesse daran zu vermeiden, dass Missbrauch mit falschen Identitätsnachweisen geführt werden kann. Und deshalb ist das so ganz streng formalisiert. Und das ist das Problem in diesem Fall gewesen. Es gab keine Urkundenlage, die es erlaubt hat, auf dieser Grundlage dieser Verordnungen ein Ausweispapier auszustellen.“
Erst eine Ausnahmeentscheidung des hessischen Innenministeriums bringt die entscheidende Wende.
Norbert Wett (CDU), Dezernent für Bürgerangelegenheiten
„Beim Amtsgericht haben wir nachgefragt, bei der AOK Hessen, beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (…) sogar bei der Stasi-Unterlagenbehörde, weil er ja aus der ehemaligen DDR stammt. Es ist also ein Aufwand, der hier betrieben wurde, der wirklich seinesgleichen sucht. Und trotzdem haben wir ja keine eindeutigen Beweise für seine Identität gefunden, sodass es am Ende nur die Gesamtlage aller zusammengetragenen Beweise war, die dann übers hessische Innenministerium uns ermöglicht hat, zu sagen: Doch, er isses! Es ist wirklich Herr Gottlebe und wir dann den Perso auch fertigmachen konnten.“
Ein emotionaler Tag für alle Beteiligten.
Carl Lund, Persönlicher Betreuer von der Heilsarmee:
Also seine Rührung da zu sehen und auch zu sehen, was auf einmal für ein Wirbel um einen Menschen gemacht wird, den zwanzig Jahre lang eigentlich niemand gesehen hat. Im Grunde genommen fand ich’s toll, ihn so wieder sichtbar zu haben.
Hartmut Gottlebe:
Es ist wie soll man sagen, wie eine Neugeburt. Denn jetzt kann ich mich wieder ausweisen und ich bin schon wieder ein halber Mensch. Was lange währt, wird gut.