Apotheken als Safe Space
Über manche Sorgen, Nöte und sensible Themen möchten viele Kinder und Jugendliche nicht mit ihren Eltern reden. Dann brauchen sie eine neutrale Person, der sie sich anvertrauen können. Möglichst unkompliziert – ohne Hürden – und kostenfrei. Sogenannte Safe-Space-Apotheken bieten so eine Anlaufstelle. Eine davon ist die Fidus-Apotheke in Bodenheim im Landkreis Mainz-Bingen.
Ein kleiner versteckter Beratungsraum in der Apotheke, in dem die Jugendlichen ihre Probleme loswerden können. Hier sitzt Apothekerin Cathrin Pelzer mit ihnen zusammen und hört erst einmal zu. Liebeskummer, Probleme im Freundeskreis, nicht mehr nach Hause wollen. Oft kommen die Jugendlichen mit Beschwerden wie Bauchweh oder Schlafstörungen. Dahinter steckt dann meistens mehr. An einen Fall kann sich Cathrin Pelzer noch gut erinnern. Ein Kind mit seiner Mutter. Es kann nicht mehr einschlafen.
Cathrin Pelzer, Apothekerin
„Da ging es um Versetzung, ging um Schulangst. Das Zeugnis kommt, man muss mit dem Zeugnis nach Hause. Dann haben wir eben hin und her überlegt. Und das war jemand, hier Grundschule vierte Klasse, Wechsel weiterführende Schule. Und da sehen wir eben schon, dass da ein irrer Druck ist.“
Die Apothekerin nimmt nach dem Gespräch Kontakt zur Grundschullehrerin auf und sorgt für ein Gespräch zwischen Eltern, Schüler und Lehrerin.
Safe Space Apotheken gibt es bundesweit. Eine Jugendorganisation aus Nordrhein-Westphalen hat sie ins Leben gerufen. Als eine erste Anlaufstelle, die ohne Termin direkt erreichbar ist.
Cathrin Pelzer, Apothekerin
„Wir ersetzen keine Therapie, wir sind keine Therapeuten, wir geben auch keine Diagnose. Wir sind wirklich in dem Punkt, also alle Apotheker sind auch Heilberufler. Dementsprechend, was Medikamente, Gesundheitsberatung, Betreuung angeht, auch entsprechend ausgebildet. Und ansonsten beschränkt sich dieser Safe-Space- Rahmen wirklich auf eine Lotsenfunktion.“
Cathrin Pelzer ist es wichtig, Probleme präventiv anzugehen, bevor sie zu groß werden.
Cathrin Pelzer, Apothekerin
„Spätestens seit Corona haben wir eben auch gesehen, die Zahl der Verordnungen für Medikamente gegen Angststörungen, gegen Schlafstörungen nimmt auch bei Jugendlichen stark zu. Und wir haben selbst Kinder und haben gesagt, ne, das ist kein Zustand, den wir wollen und wie geht’s noch anders.“


