Haltestelle ohne Busverkehr

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Immer mehr Senioren verbringen ihren Lebensabend im Pflegeheim – oder auch im Krankenhaus. Das Gefühl, allein gelassen zu werden, treibt viele von ihnen um. Sie haben den Wunsch, einfach wieder „nach Hause“ zu wollen – und immer wieder versuchen sie das auch auf eigene Faust. Besonders ausgeprägt ist das bei Demenzpatienten. Im Stations-Alltag sorgt das häufig für Schwierigkeiten. Das Klinikum Ludwigshafen hat sich deshalb jetzt etwas Spezielles einfallen lassen.

Gestatten: Agatha, Luise, Alfons und Emmi. Sie alle warten an der Haltestelle. Allerdings wird hier niemals ein Bus oder eine Bahn abfahren. Die Phantomhaltestelle hat das Klinikum Ludwigshafen für seine Demenzpatienten eingerichtet. Denn nicht selten kommt es vor, dass verwirrte Menschen mit dem Verlangen, nach Hause zu wollen, das Krankenhaus einfach verlassen, die nächstgelegene – echte – Haltestelle aufsuchen, einsteigen und erst mal weg sind.
Sabina Funke, Direktorin Geriatrie Klinikum Ludwigshafen
„Das haben wir in der Tat erlebt, dass die Patienten zur Bushaltestelle gehen. Und die sind dann auch mit dem Bus gefahren. Wir haben die Patienten dann mit der Polizei zurückgeholt, in der Tat. Haben dann die Angehörigen informiert und es ist zum Glück alles gutgegangen. Aber in der Tat: die gehen zur Bushaltestelle.“
Und damit der Weg dorthin nun nicht mehr so weit ist, ist die Haltestelle direkt am Stations-Ausgang feierlich eingeweiht worden. Vorteil: Dort kann das Pflegepersonal die vermissten Patienten schnell wieder einsammeln. Es soll aber auch ein Ort der Gemeinschaft werden.
Alexandra Gräfin von Rex, Pflegedirektorin Klinikum Ludwigshafen
„Also es ist nicht so, dass ein Patient alleine an der Bushaltestelle sitzt und dort wartet, sondern wir integrieren das in Gespräche. Wir wollen darüber auch einen Zugang zu den Patienten bekommen, um ihnen letztendlich ein Wohlgefühl zu geben.“
Die Phantomhaltestelle – kein bloßer Jux, sondern therapeutisches Konzept. In anderen europäischen Ländern bereits durch Studien erfolgreich untermauert – um den Spagat zwischen Ungewissheit und Behandlungsnotwendigkeit zu meistern.
Sabina Funke, Direktorin Geriatrie Klinikum Ludwigshafen
„Das ist für uns stets ein Dilemma. Auf der einen Seite möchten die Patienten Sicherheit haben, dort sein, wo sie sich wohl fühlen. Auf der anderen Seite haben wir eben den Behandlungsauftrag.“
Und so soll die neue Haltestelle regen Zulauf finden. Für alle Patienten – nicht nur für Emmi, Alfons, Luise und Agatha.