Sommerinterview mit Robert Lambrou (AfD)
Der Fraktionschef der hessischen AfD stellt sich den Fragen unserer Moderatorin Eva Dieterle.
Eva Dieterle:
1730 Sat1 Live begrüßt Sie heute zu einem weiteren Sommerinterview hier in sommerlicher Atmosphäre im Garten der Verlagsgruppe Rhein Main. Heute dreht sich bei uns alles um die AfD. Sie stellt im Wiesbadener Landtag die größte Oppositionsfraktion über die politische Lage im Land spreche ich heute mit dem Fraktionsvorsitzenden Robert Lambrou, den ich hier bei mir am Set begrüßen darf. Hallo Herr Lambrou,
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Hallo Frau Dieterle, vielen Dank für die Einladung.
Eva Dieterle:
Herr Lamprecht, zu Beginn des Sommerinterviews gehen wir auf Zeitreise in Ihre Jugend. Und dafür geht’s nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die USA.
Ein Jahr in San Francisco – das Jahr, das die Kindheit und Jugend von Robert Lambrou am stärksten geprägt hat. Mit seiner Mutter zieht der damals 15-Jährige in ein kleines Deutsches Viertel, besucht die High School und kickt dort im schuleignen Fußballteam.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen: „Da konnte ich mich als Deutscher natürlich gut einbringen, weil die amerikanischen Sportarten sind ja eher andere. Und Fußball war zu dem Zeitpunkt Entwicklungssport. Und da habe ich kräftig mitentwickelt.“
Und neue Freunde gefunden. Sein treuster Begleiter in diesem Jahr ist aber eine kleine Katze.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen: „Fetzi war der Name. Die hat in dem Innenhof gelebt von dem Block, in dem auch das Haus war, wo wir gemietet hatten. Und die war gleich am ersten Tag stand sie da erwartungsvoll auf der Terassentür und hat im Grunde genommen das gesamte Jahr mit uns verbracht. Und als wir dann wieder nach Deutschland gereist sind, haben wir sie dann auch zurücklassen müssen.“
Die übrigen Jahre seiner Kindheit und Jugend lebt der heute 58-Jährige in Münster und Bielefeld. Erst im Erwachsenenalter zieht Lambrou nach Hessen. Dort ist er Vorsitzender der AfD-Fraktion im Hessischen Landtag. Aus seiner Zeit in den USA hat er vor allem eines mitgenommen:
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen: „Die Erkenntnis, dass wir eine ähnliche Kultur teilen, aber die Mentalitäten sehr unterschiedlich sind. In den USA ist sehr verbreitet „The American Way of Life“. Das heißt, die Leute dort sagen, man ist selber für sein Schicksal verantwortlich. Man gibt nicht anderen Leuten die Schuld, sondern man packt an und macht das Beste aus seinem Leben. Und das ist eine Einstellung, die ich sehr positiv finde.“
Dass er noch einmal nach San Francisco zurückkehren wird, schließt der AfD-Politiker nicht aus.
Eva Dieterle:
Herr Lambrou, das waren Ihre Eindrücke aus San Francisco und Sie kennen bestimmt auch das weltberühmte Lied „If you are going to San Francisco“ von Scott McKenzie. Übrigens erschienen exakt in ihrem Geburtsjahr 1967. Es ist so was wie eine Hippiehymn, steht für Toleranz, für Frieden, für Offenheit, für Freiheit, aber auch für den Wunsch junger Menschen nach alternativen Lebensweisen. Wie offen ist ein Robert Lambrou für so was?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Also ich denke, jeder sollte nach seiner Fasson leben. Aber wichtig ist halt auch, dass wir in einer Gesellschaft Spielregeln haben. Und eine Gesellschaft funktioniert umso besser, desto mehr die Menschen in der Gesellschaft auch gleiche Werte vertreten.
Eva Dieterle:
Jetzt ist es ja so, dass Ihre Partei in der Öffentlichkeit nicht gerade wahrgenommen wird als besonders tolerant, als besonders offen.Eher im Gegenteil. Wie passt das dann dazu, dass Sie sagen, jeder soll nach seiner Fasson leben?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Also ich sehe meine Partei durchaus anders. Wir wollen halt das Deutschland, was wir kennen, in dem wir aufgewachsen sind, bewahren. Und dieses Deutschland ist sehr wohl ein tolerantes und weltoffenes Land. Was wir aber erleben mit der Masseneinwanderung in den letzten zwölf Jahren und wie sie Deutschland zum Schlechten verändert, das kritisieren wir zu Recht.
Eva Dieterle:
Okay, das sagen Sie, ändert nichts daran, dass es in großen Teilen der Bevölkerung anders wahrgenommen wird. Aber lassen Sie uns drüber reden. Über Ihre Partei, über die AfD.
Die AfD liegt mittlerweile in allen bundesweiten Umfragen auf Platz 1.
Doch sie ist weder im Bund noch in den Ländern an einer Regierung beteiligt. Denn alle anderen Parteien lehnen eine Koalition mit ihr strikt ab. Sie begründen ihr Nein damit, dass die AfD rechtsextrem und demokratiefeindlich sei.
In Hessen wird die AfD vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführt. Denn die Partei werte zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund pauschal ab. Die Hessen-AfD wehrt sich juristisch gegen die Einstufung und auch dagegen, dass der Verfassungsschutz diese Einstufung öffentlich gemacht hat.
Bundeskanzler Friedrich Merz schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. Auch eine Duldung käme für ihn nicht in Frage.
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler
„Es gibt zwischen der CDU und der AfD keine Gemeinsamkeit. (…) Die steht gegen alles, was die Bundesrepublik Deutschland in den letzten acht Jahnzehnten groß und stark gemacht hat.“
Größer und stärker als in den vergangenen Jahren ist jedenfalls die Landtagsfraktion der AfD in Rheinland-Pfalz. Bei der Landtagswahl im März kann die Partei ihr Ergebnis mehr als verdoppeln, erreicht 19,5 Prozent der Stimmen. Spitzenkandidat Jan Bollinger feiert in Mainz zusammen mit den beiden AfD-Bundesvorsitzenden.
Nur drei Tage später: Versteinerte Mienen im Sitzungssaal der AfD-Fraktion. Bollinger ist nicht länger Fraktionschef der rheinland-pfälzischen AfD. Er verliert sein Amt an den weithin unbekannten Michael Büge.
Eva Dieterle:
Herr Lambrou, nach so einem Wahlerfolg wird Jan Bollinger dann radikal abgesägt. Hat Sie das auch irritiert?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Mich hat es zwar überrascht. Aber ich kenne beide Politiker, und sowohl Michael Büge als auch Jan Bollinger sind professionelle und sehr kompetente Politiker. Und wichtig ist, dass sich die Landtagsfraktion der AfD in Rheinland-Pfalz um die Interessen der Bürger vor Ort kümmert. Und das tun sie. Und da ist es auch nicht so wichtig, wer Fraktionsvorsitzender ist.
Eva Dieterle:
Also da sagen Sie quiasi, da ist der Umgang miteinander nicht so wichtig, weil Sie waren persönlich am Wahlabend auch vor Ort. Wir haben hier noch mal ein paar Bilder. Auch Sie haben Jan Bollinger natürlich beglückwünscht, mit ihm gefeiert. Noch mal Keine drei Tage später verweigert ihm die eigene Fraktion das Vertrauen. Ist das der Stil Ihrer Partei?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich bin nicht Teil dieser Fraktion, und es ist schwierig, von außen da ein Urteil zu fällen. Herr Büge ist ja demnächst noch im Sommerinterview und ich denke, es ist besser, wenn Sie ihn direkt fragen. Für mich ist es wichtig, dass die Kollegen sich um die Interessen der Bürger in Rheinland Pfalz kümmern, nachdem diese Personalentscheidung gefallen ist. Und das tun Sie.
Eva Dieterle:
Sie können sich sicher sein, dass wir Herrn Büge darauf natürlich auch ansprechen werden. Trotzdem ist der Blick nach Rheinland Pfalz von Hessen nicht so weit entfernt. Sie waren am Wahlabend vor Ort und deshalb muss man sagen Geschlossenheit sieht zumindest in der rheinland pfälzischen Fraktion anders aus. Herr Lambrou, seit 13 Jahren gibt es die AfD. In all den Jahren haben Sie es auch in Hessen nicht geschafft, auch nur den Hauch eines Vertrauens der anderen Parteien zu gewinnen. Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das so ist?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich finde es schade, dass die anderen Parteien nicht mit uns koalieren. Denn Parteien sind Interessenvertretungen. Und wenn ich mir anschaue, was der Spiegel zum Beispiel vor der Bundestagswahl 2025 analysiert hat, nämlich dass die AfD und die CDU 61 % programmatisch Übereinstimmung hatten und nach der Wahl koaliert dann die CDU mit der SPD, wo laut Spiegel es nur eine Übereinstimmung gibt von 41 %. Dann erleben wir das, was die Bürger in den letzten Jahren frustriert. Die Mehrheit möchte Mitte rechts, wählt auch so und kriegt dann am Ende eine linke Politik. Das führt übrigens auch dazu, dass immer mehr Menschen AfD wählen.
Eva Dieterle:
Und gibt es von Ihnen auch Selbstkritik? Also mal einen reflektierten, selbstkritischen Blick auf die Partei. Warum das so ist, dass die anderen Parteien sagen, mit der AfD definitiv nicht im Bund, in Hessen und auch bislang überall sonst.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich bin ja von Anfang an bei der AfD dabei, bin am 11. März 2013 in die Partei eingetreten und habe auch diese Ausgrenzung von Anfang an erlebt. Und rational kann ich das nicht erklären. Wir wollten zum Beispiel 2013 zur Bundestagswahl ein Einwanderungsmodell nach kanadischem Vorbild. Was sind wir da von den anderen Parteien für kritisiert und angegangen worden. Mittlerweile ist das Konsens und man hat geflissentlich vergessen, dass wir, die AfD, das 2013…
Eva Dieterle:
Aber ist es nicht vielleicht auch ein Grund, dass sie Menschen wie Björn Höcke oder andere AfD Politiker, die immer wieder mit ja doch mehr als markanten fragwürdigen Aussagen auffallen, weiter durchtragen.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Also die Partei besteht aus mittlerweile über 70.000 Menschen und nicht aus einzelnen Politikern und Parteien sind, ich hatte das ja eben schon mal gesagt Interessenvertretung. Und wenn mittlerweile fast 30 % der Bürger ihre Interessen bei der AfD am besten vertreten fühlen, dann ist eigentlich die Erwartung auch, dass es entsprechende Koalitionen gibt. Wissen Sie, das eigentlich Perfide an dieser Brandmauer ist, dass nicht nur die AfD-Wähler keine AfD-Politik bekommen, sondern auch die CDU-Wähler, keine CDUPolitik sondern linke Politik.
Eva Dieterle:
Wir schauen jetzt mal in die Zukunft. Vielleicht liegen da auch noch ein paar Gründe dafür, warum es eben einfach keine andere Partei mit der AfD angehen möchte. Wir schauen mal auf den Parteinachwuchs der AfD. Der hat jetzt zumindest einen neuen Namen. Es ist die Generation Deutschland.
Ausnahmezustand im November vergangenen Jahres in Gießen. Unter großen Protesten gründet die AfD ihre neue Jugendorganisation mit dem Namen „Generation Deutschland“. Die Vorgängerorganisation – die „Junge Alternative“ galt als rechtsextrem, kam mit ihrer Auflösung einem möglichen Verbot zuvor.
Ende März wird dann in Fulda auch der hessische Landesverband der Generation Deutschland gegründet. Doch nur einen Monat später muss der Vorstand der Landespartei eingreifen. Der Schatzmeister der hessischen Jugendorganisation wird wegen Kontakten zu Rechtsextremisten abgemahnt. Und ein Vorstandsmitglied muss seinen Posten wegen eines rassistischen Grußes räumen.
Eva Dieterle:
Herr Lambrou, Sie haben gerade davon gesprochen. Es sind immer nur die ein paar wenige, die sozusagen zitiert werden. Aber genau das zeigt doch, dass zumindest Teile des Parteinachwuchses rechtsextremistisches Gedankengut haben und dass man das auch nicht einfach umtaufen kann.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Die Jugendorganisation war in der Vergangenheit ein Verein außerhalb der Partei. Die Hälfte der Mitglieder dort waren nicht AfD-Mitglieder. Durch die Neugründung ist diese jetzt eine Gliederung in der Partei und wir können, wenn rote Linien überschritten werden, auch eingreifen und durchgreifen. Und genau das haben wir in Hessen ja jetzt bei zwei Einzelfällen auch gemacht.
Eva Dieterle:Aber es gibt kein Parteiausschlussverfahren, es gibt keine Ämtersperre. Sagen Sie, das ist konsequent Durchgreifen?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Na ja, bestimmte Dinge parteiintern können nicht öffentlich kommuniziert werden. Sie können sich sicher sein, dass da wesentlich mehr im Hintergrund passiert ist als das, was jetzt im Moment bekannt ist. Wer über rote Linien geht, der kriegt Konsequenzen.
Eva Dieterle: Aber kaum gründet sich eine neue Jugendorganisation schon wieder solche Schlagzeilen. Müsste es Ihnen nicht eigentlich auch noch mal auf tieferer Ebene zu denken geben, dass sich Menschen mit rassistischem Gedankengut dann eben genau von ihrer Partei, und zwar ausschließlich von ihrer Partei, in der Form angezogen fühlen?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Wir haben bei der Generation Deutschland Landesverband Hessen über 250 Mitglieder. Wir reden über zwei von denen, wo wir auch Konsequenzen gezogen haben.
Eva Dieterle:
Die in Führungspositionen waren.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ja jetzt nicht mehr und 248 wiederum haben damit nichts zu tun und sind in Ordnung. Nein, dieses Beispiel, auch wenn es nicht schön ist, zeigt, dass die Neuaufstellung organisatorisch ja genau greift. Das heißt, dass wenn einzelne über die roten Linien gehen, dass es jetzt Konsequenzen hat, damit das Ganze auf Kurs bleibt.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Es sind aber wieder Schlagzeilen produziert aus den eigenen Kreisen. Wir lassen das jetzt mal hinter uns kommen zum Bereich Wirtschaft, schauen aber auf die Menschen, die Tag für Tag die Arbeit machen. In den Büros, auf den Baustellen, in den Krankenhäusern.
Die AfD stellt sich immer wieder selbst als Partei für Arbeitnehmer dar. Dem widerspricht der Deutsche Gewerkschaftsbund. Der DGB ist die größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften in Deutschland, er vertritt insgesamt rund 5,4 Millionen Arbeitnehmer – für ihn ist die AfD der „Feind der Beschäftigten“.
Michael Rudolph, Vorsitzender DGB Hessen-Thüringen
„Die Kernpunkte, die die Situation von Beschäftigten verbessern, lehnt sie ab, beispielsweise die Erhöhung des Mindestlohnes des unteren, der unteren Einkommensschwelle, die wir überhaupt haben. Die Frage des Bürgergeldes sieht sie äußerst kritisch. Das ist die letzte Sicherung, die die Menschen haben. Oder beispielsweise auch das Plädoyer dafür, dass man erst mal länger arbeiten muss, bevor man überhaupt ein Jahr Arbeitslosengeld beziehen kann. Das ist klar gegen die Interessen von Beschäftigten gerichtet.“
Für den DGB steht fest: Die AfD-Pläne begünstigen eher die Besser- als die Geringverdiener.
So lehnt die AfD das aktuelle Streikrecht, ein Tariftreuegesetz und eine Mietpreisbremse ab. Gleichzeitig will sie die Erbschafts-, Schenkungs– und Grundsteuern abschaffen.
Eva Dieterle:
Herr Lambrou, wenn man sich die Steuerpläne der AfD anschaut, dann sieht das nicht nach einer Entlastung für die niedrigeren Einkommen aus, sondern eher für die höheren.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Wir sind bei den Arbeitern die Partei mit der größten Zustimmung und Parteien sind Interessenvertretungen. Und die Menschen entscheiden sich für die AfD, weil sie eines ganz genau wissen: Bie Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, gesetzt durch die bestehenden Bundes- und Landesregierungen, die sind schlecht. Wir erleben eine Stagnation, eine Rezession, jetzt schon seit Jahren. Da ist nicht die AfD dran schuld. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, fehlt uns auch die Basis für den gesellschaftspolitischenWohlstand und wir stehen dafür, die Wirtschaft zu entlasten. Dann entstehen mehr Jobs und dann haben auch mehr Leute einen Job. Das ist positiv.
Eva Dieterle:
Sie lehnen aber trotzdem eine stärkere Besteuerung, höhere Einkommen konsequent ab.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Also die Steuern- und Abgabenlast in Deutschland ist im weltweiten Vergleich schon sehr, sehr hoch. Wir haben kein Einnahmeproblem in Deutschland auf Seiten des Staates. Wir haben ein Ausgabenproblem. Wir müssen unnötige und sinnlose Ausgaben, zum Beispiel für den sogenannten Klimaschutz ohne jede Erfolgskontrolle, da müssen wir ran, und dann haben wir auch Spielraum, Steuern zu senken.
Eva Dieterle:
Das sind Ihre Argumente. Schauen wir weiter. Die AfD will das Streikrecht einschränken. Aber ist das nicht genau der Sinn von Tarifautonomie, dass beide Seiten ein Druckmittel haben?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
In letzter Konsequenz sollte sich der Staat aus der Tarifautonomie raushalten. Ja.
Eva Dieterle:
Aber genau das zeigt doch, dass Menschen auf die Straße gehen können, Arbeitnehmer für ihre Rechte kämpfen können, dass Streiks wichtig sind, aber sie sind für eine Einschränkung des Streikrechts.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Also das ist mir so nicht bekannt. Wir sind die Partei, die gegen die Einschränkung der Grundrechte in der Pandemie war, die einzige Partei. Wir sind definitiv die Partei für Bürgerrechte und für Grundrechte. Nachweislich.
Eva Dieterle:
Also sagen Sie, jeder Arbeitnehmer, der für höhere Löhne streiken möchte und einen guten Tarif für sich aushandeln möchte, darf auf die Straße gehen und darf dafür streiken.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Aus meiner Sicht, wenn es gute Gründe gibt, dann sollte man in einer Demokratie auch das Streikrecht haben. Ja.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Okay, Ihre Position ist deutlich geworden. Ich denke, die Gegenargumente vom DGB haben wir auch gehört. Kommen wir zu einem weiteren Thema und das ist die Rückabwicklung des Atomausstiegs. Eine Forderung der AfD.
April 2023 – die letzten drei deutschen Atomkraftwerke gehen vom Netz.
Das war ein Fehler, sagt die AfD.
Sie fordert den „Kernenergieausstieg umgehend rückgängig zu machen“ sowie den „Stopp des Rückbaus der deutschen Kernkraftwerke“.
Nur so seien Versorgungssicherheit und günstige Strompreise gewährleistet.
Doch für Bundeskanzler Friedrich Merz ist der Ausstieg aus der Atomenergie unumkehrbar.
Im hessischen Biblis jedenfalls sind schon deutliche Fakten geschaffen worden. Im Januar wurde hier der letzte der vier Kühltürme des Atomkraftwerkes kontrolliert eingerissen.
Eva Dieterle:
Eindrucksvolles Bild zum Schluss, Wir haben es gesehen, Biblis ist Geschichte. Wo in Hessen würden Sie denn einen guten Standort für ein neues Atomkraftwerk sehen?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Na ja, zum Beispiel in Biblis. Denn die entsprechenden Genehmigungen meines Wissens laufen noch oder lassen sich sehr leicht wieder reaktivieren.
Eva Dieterle:
Aber leicht reaktivieren, also man muss ja schon mal überlegen, da wurden die Kühltürme abgerissen. Es sind keine Brennstäbe mehr vorhanden. Der Rückbau läuft. Es hat bereits sehr sehr sehr viel Geld gekostet, das alles wieder aufzubauen. Also ist es da wirklich ehrlich zu sagen, das wäre ganz leicht wieder reaktivierbar und hat man die Leute vor Ort gefragt, ob sie weiterhin Lust darauf hätten?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Entscheidend ist, dass wir schauen, wie schnell wir die zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke wieder ans Netz bringen. Und wenn der politische Wille vorhanden wäre, auf Ebene der Bundesregierung, dann wäre das auch weniger binnen weniger Jahre möglich. Biblis gehört nicht zu den zuletzt Abgeschalteten.
Eva Dieterle:
Sie sprechen jetzt vom politischen Willen. Was ist mit dem Bürgerwillen? Es ist natürlich leicht zu sagen ,Ja, ich bin eigentlich für Atomkraft, aber ich glaube, ein Atomkraftwerk vor der eigenen Haustüre möchte dann doch lieber niemand haben, weil es auch Risiken birgt. Das würde für massive Bürgerproteste sorgen, ganz egal, welchen Standort sie ausloten würden. Und das wissen sie auch.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Also eine Mehrheit der Bevölkerung möchte seit langem einen Wiedereinstieg in die Kernkraft
Eva Dieterle:
Eine Mehrheit der Bevölkerung sagt, dass die der Ausstieg ein Fehler war.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Eine Mehrheit der Bevölkerung möchte auch einen Wiedereinstieg. Wir haben auch mit die höchsten Energiekosten europaweit und weltweit. Und das liegt halt auch an dieser sehr ideologischen Energiepolitik. Wir brauchen günstige Energie, damit es unserer Wirtschaft gut geht, damit wir eine gute Basis haben für unseren Reichtum. Wir erleben eine Deindustrialisierung auch aufgrund der künstlich hohen Energiepreise in Deutschland.
Eva Dieterle:
Wenn Sie sich für Atomkraft aussprechen, dann müsste Ihre Partei ja eigentlich auch einmal eine Antwort darauf liefern, was mit dem Atommüll, der bislang angefallen ist, für den man seit Jahrzehnten keine Lösung findet, passieren soll. Und auch mit dem zukünftigen Atommüll. Denn es ist ja mitnichten der Fall, dass selbst kleinere Meiler keinen Atommüll mehr produzieren. Was ist Ihre Antwort darauf?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Wenn Sie in andere europäische Länder gucken, da gibt es teilweise Endlager.
Eva Dieterle:
Aber das hat Jahre gedauert, in Finnland ein Endlager zu finden. Und hier in Deutschland kommen wir seit Jahrzehnten nicht weiter und haben das Ganze jetzt mal auf 2060 vertagt. Also das ist ja schon sehr schwierig.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
In Deutschland hat man hier einen Trick gewählt, dass man das bestmöglichste, den bestmöglichen Standort sucht. Wenn man das ändert im Gesetz und einfach rein schreibt, einen geeigneten, dann lässt sich diese Aufgabe auch umsetzen und dann können wir auch in Deutschland ein Endlager finden. Andere europäische Länder machen es uns vor. Nein, die Energiepolitik in Deutschland ist ideologisch getrieben. Sie ist industriefeindlich. Und sie bewirkt, dass wir mit die höchsten Energiekosten haben. Das sehen wir alle an den Stromrechnungen.
Eva Dieterle:
Können Sie sich in Hessen den Atomendmülllager vorstellen. Oder lieber woanders? Nicht bei uns.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Da, wo ein gut geeigneter Standort ist, könnte ein Endlager entstehen.
Eva Dieterle:
Gut, so viel zu diesem Thema. Es bleiben weiterhin da viele Fragen offen. Die Diskussionszeit ist zu Ende und wir kommen jetzt noch zu einer kurzen, schnellen Runde, nämlich zu unserem Entweder Oder. Sind Sie bereit?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Jawoll!
Eva Dieterle:
Optimist oder Skeptiker?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Optimist. Das ist ganz wichtig als Politiker.
Eva Dieterle:
Feierabend auf dem Sofa oder politische Debatte bis Mitternacht?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Je nachdem, wie ich drauf bin. Beides hat seinen Reiz.
Eva Dieterle:
Tradition oder Aufbruch?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich bin eher für Traditionen. Aber offen zu sein im Kopf, für Neues, finde ich genauso wichtig.
Eva Dieterle:
Reden, selber schreiben oder sich über die KI helfen lassen.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich habe die KI für Reden noch nie verwendet. Ich schreibe meine Reden selber oder das machen die Referenten in enger Abstimmung mit mir. Ich halte KI für die Recherche für sinnvoll, aber nicht für das Schreiben von Reden.
Eva Dieterle:
Wenn es mal brennt, lieber Alice Weidel anrufen oder lieber Tino Chrupalla?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich habe mit beiden ein sehr gutes Verhältnis.
Eva Dieterle:
Aber Sie müssen sich entscheiden
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Den ich am ehesten erreiche.
Eva Dieterle:
Parteidisziplin oder Querdenker?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Parteidisziplin ist wichtig. Dass wir als große Einheit agieren.
Eva Dieterle:
Okay, Kontrolle behalten oder überrascht werden?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Beruflich Kontrolle behalten. Privat gerne überrascht werden.
Eva Dietere:
Okay, Meer oder Berge?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ja, bei mir ist das ganz einfach. Da ich ja im Urlaub gerne ans Mittelmeer fahre, ist die Antwort Meer.
Eva Dieterle:
Ich wusste, dass sie das Meer nehmen als Wasserfan und es leitet natürlich auch zu meiner letzten Frage über. Der Sommerurlaub steht vor der Tür. Was haben Sie geplant?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Ich fahr wie jeden Sommer zu den Verwandten, die ich habe in Griechenland und freue mich auf ein Wiedersehen nach fast einem Jahr.
Eva Dieterle: Und wie gut schaffen Sie es dann, da abzuschalten?
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Das erzähle ich Ihnen nach dem Urlaub.
Eva Dieterle: Okay, alles klar. Also für heute können Sie auf jeden Fall für diesen Moment hier abschalten, denn das war das Sommerinterview hier bei 1730 Sat 1live. Vielen Dank, dass Sie sich in dieser sommerlichen Atmosphäre meinen Fragen gestellt haben.
Robert Lambrou (AfD), Fraktionsvorsitzender Hessen:
Sehr gerne.


