Sommerinterview mit Wiebke Knell (FDP)

Die Fraktionschefin der hessischen FDP stellt sich den Fragen unseres Moderators Markus Appelmann.

Markus Appelmann:
Hallo aus unserem Open Air Studio, herzlich Willkommen zum 17 30 Sat 1 Live Sommerinterview aus dem Garten der Verlagsgruppe Rhein Main. „Wo Freiheit ist, ist alles möglich“. Dieser Spruch stand in großen Lettern über der Bühne. beim FDP Bundesparteitag an diesem Wochenende in Berlin. Und dass bei den Liberalen alles möglich ist, das haben sie gezeigt. Kampfkandidatur. Ein denkwürdiger Parteitag, über den wir uns heute unterhalten wollen mit einer Frau, die vor Ort war. Wiebke Knell, die FDP-Fraktionschefin im Hessischen Landtag. Herzlich willkommen!
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Vielen Dank für die Einladung. Freue mich, da zu sein.
Markus Appelmann:
Frau Knell, bevor wir über die Politik sprechen, werden wir erst mal persönlich. Denn wir haben Sie gebeten, ein paar Kinderfotos mitzubringen.
Wiebke Knell. Die studierte Politikwissenschaftlerin wohnt nach wie vor dort, wo sie aufgewachsen ist: In Neukirchen in der Schwalm – umgeben von Wald, Wiesen und ganz viel Natur. Davon erzählen auch ihre Kinderfotos – so wie dieses hier. Gummistiefel und eine Blechdose.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen: „Da sind lauter kleine Kröten in dieser Dose. Die habe ich immer gesammelt, damit den Kröten nichts passiert. Ja, bei uns hinterm Haus, da is ne große Wiese, ein Bach. Und da konnte ich immer unterwegs sein. Ich war als Kind auch ganz, ganz viel draußen unterwegs. ich habe jedenfalls mehr Kröten gerettet als so der eine oder andere Grüne.“
Als Naturmensch bezeichnet sich die 44-Jährige selbst – und als tierlieb. Dieses Foto zeigt Wiebke Knell und ihren Haflinger Alex. Eine außergewöhnliche Geschichte.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen: „Hab ich mir gekauft, von eigenem Geld. Ich habe einen Unfall gebaut, als Kind und habe dafür Schmerzensgeld bekommen, hab mir nen Finger abgequetscht und von dem Fingergeld habe ich mir dann mein Pferd gekauft. Leider dann ein paar Jahre später eine Pferdeallergie bekommen. Aber ich liebe immer noch Pferde und bringe auch meine Tochter gerne zum Reiten. Und im Urlaub setze ich mich auch mal auf ein Pferd. Aber das war dann leider nicht mehr möglich, selber ein Pferd zu haben.“
Jetzt ist Wiebke Knell mit ihren Hunden unterwegs und mit ihren zwei Kindern. Im Winter auch mit diesem Schlitten, den sie als Dreijährige zu Weihnachten bekommen hat.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen: „Ja, ich hatte eine sehr schöne Kindheit, manchmal auch ein bisschen, ähm, ja, auch chaotisch. Ich hab zwei Schwestern, also ist jetzt auch nicht alles nur Friede, Freude, Eierkuchen gewesen, sondern natürlich gab es da auch Streit und Stress. Aber ich glaube, das ist ganz normal in jeder Familie.“
In jeder Familie und im Plenarsaal. Das Landleben – ein guter Ausgleich also zu ihrem Polit-Alltag im Landtag in Wiesbaden.
Markus Appelmann:
Ja, Frau Knell, Sie haben gesagt, Sie haben eine schöne Kindheit gehabt ohne Sorgen. Wenn man sich die Zeit momentan so anschaut, würden Sie sich gerne noch mal dahin zurückversetzen?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, ich glaube, die 80er und 90er Jahre waren schon einfacher als die aktuelle Zeit. Und ich mache mir schon auch ein bisschen Sorgen um die Zukunft meiner Kinder, wenn ich unser Bildungssystem sehe, wenn ich aber auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sehe in diesem Land, da gibt es viel zu tun.
Markus Appelmann:
Und mit Tieren haben wir gesehen, haben sie es auf jeden Fall schon immer gehabt?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, absolut. Jetzt haben wir zwei Hunde, die liebe ich auch sehr.
Markus Appelmann:
Die sorgenfreie Zeit, die ist jetzt spätestens vorbei, denn wir sprechen über ihre Partei, wir sprechen über die FDP. Und wenn wir noch mal auf das Wochenende schauen, da galt eigentlich die Wahl von Wolfgang Kubicki zum Bundesvorsitzenden als Formalie. Doch dann…
Auf einmal waren es zwei. Neben Wolfgang Kubicki stellt sich auf dem Parteitag der FDP am Samstag überraschend auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann zur Wahl.
OTON Wolfgang Kubicki (FDP)
Meine erste Danksagung geht an Marie-Agnes Strack-Zimmermann, weil ich froh darüber bin, dass die beiden alten Schlachtrösser jetzt ins Geschirr gehen.“
Eine Kampfkandidatur – zwischen zwei Personen und laut Strack-Zimmermann auch zwischen zwei unterschiedlichen Vorstellungen für die Zukunft der Partei.
Sie befürchtet, Kubicki könnte die FDP zu weit nach rechts rücken.
Die Partei befände sich am Scheideweg.
OTON Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Abgeordnete Europaparlament
Müssen wir noch lauter werden, noch schärfere Pointen formulieren, noch mehr mit Empörung oder Provokation arbeiten oder müssen wir größer werden in unserem Anspruch, in unserer Ambition, in unserer Courage, in unserer Menschlichkeit. Immer geleitet von unseren liberalen Überzeugungen? Meine Antwort kennen sie.“
Am Ende setzt sich Kubicki mit rund 60 Prozent der Delegiertenstimmen gegen seine langjährige parteiinterne Kontrahentin durch.
Kubicki, neuer Bundesvorsitzender einer Partei, die seit vergangenem Jahr nicht mehr im Bundestag vertreten ist und die auch in diesem Jahr schon viele Niederlagen hinnehmen musste.
Im März verpasst die FDP in Baden-Württemberg den Wiedereinzug in den Landtag, scheitert in ihrem einstigen Stammland an der Fünf-Prozent-Hürde.
OTON Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler, am, 9.3.2026
Die FDP ist nun seit gestern endgültig sozusagen von der politischen Bühne in Deutschland verschwunden. Sie wird keine Rolle mehr spielen.“
Zwei Wochen später fliegen die Liberalen auch in Rheinland-Pfalz aus dem Landtag, holen nur 2,1 Prozent.
Philipp Fernis, am 22.3.2026 
Es ist ein bitterer Wahlabend für die Freien Demokraten.“
Daniela Schmitt, am 22.3.2026 
Ein schwieriger Abend und ein bitteres Ergebnis.“
Und „bitter“ könnte es für die Liberalen auch bei den Landtagswahlen im Osten im Herbst ausgehen. Das will Kubicki verhindern.
OTON Wolfgang Kubicki (FDP), Bundesvorsitzender
Ich spüre die Bürde der Erwartungen und ich will versuchen mit Euch allen, mit Ihnen allen, dieser Bürde gerecht zu werden.“
Die Bürde der Erwartungen und vielleicht auch die Bürde des Ergebnisses.
Der Parteitag – von ihm sollte ein Signal des Aufbruchs ausgehen, jetzt ist es wohl eher ein Signal der Zerrissenheit.
Markus Appelmann:
Frau Knell, Sie waren dabei. Sie sind in den Bundesvorstand gewählt worden. Jetzt mal ehrlich: Was haben Sie gedacht, als Marie-Agnes Strack-Zimmermann aufgestanden ist und zur Kampfkandidatu sich aufgestellt hat?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Also, ich war auch überrascht. Ich wusste davon nichts. Aber ich habe gedacht, okay, das ist eigentlich eine ganz gute Sache, weil wir sagen immer, wir sind die Partei des Wettbewerbs und wir sind das auch. Und ich glaube, es gibt in keiner anderen Partei sonst eine Wahl zwischen den Bundesvorsitzenden und deswegen ist das erst mal positiv.
Markus Appelmann:
Für wen haben Sie gestimmt? Wolfgang Kubicki oder Marie-Agnes Strack-Zimmermann?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich habe für Wolfgang Kubicki gestimmt, weil ich davon überzeugt bin, dass er medial vor allen Dingen Aufmerksamkeit bekommt und dass er auch den Großteil der Partei hinter sich stehen hat. Ja.
Markus Appelmann:
Aber Fakt ist doc, durch diese Kampfkandidatur hat Wolfgang Kubicki ein schlechtes Ergebnis bekommen. Und es ging wieder nicht das Signal des Aufbruchs aus, sondern es ging ein Signal aus von innerer Zerrissenheit der Partei.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Das würde ich erst mal anders interpretieren. Wir haben zwei gute Kandidaten gehabt und 60 % haben für Kubicki gestimmt. Ich finde, das ist gut. Und jetzt ist natürlich das erste Ziel, dass wir alle anderen dahinter versammeln. Das müssen die beiden älteren Herrschaften dann auch hinbekommen. Und im Bundesvorstand ist es auch erst mal egal, ehrlich gesagt, wer dann der Bundesvorsitzende ist, sondern das ganze Team muss funktionieren. Und ja, ich bin zufrieden, so wie es ist.
Markus Appelmann:
Sie sagen gerade eben: alle hinter Wolfgang Kubicki. Er hat aber gestern gleich ausgeteilt und hat gesagt, Ich nehme keine Rücksicht auf die Gefolgschaft von Marie Agnes Zimmermann und hat auch in ihre Richtung gesag. jetzt weißt du, wo der Hammer hängt. Das klingt doch jetzt nicht unbedingt, als will er alle hinter sich scharen, oder?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich glaube, das war so eine Aussage aus dem Moment heraus. Ich glaube, beiden ist bewusst, welche Verantwortung sie haben, jeder in seiner Rolle. Und ich setze auch darauf, dass die beiden sich dann auch wieder miteinander versöhnen.
Markus Appelmann:
Aber eine Partei, die in Umfragen bei 3 bis 4 % liegt, die kann sich doch eigentlich keine Flügelkämpfe erlauben, oder?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Es gibt nicht die großen Flügel. Sie haben vor allen Dingen einen Körper, und das sind die Liberalen. Ein Adler braucht auch Flügel zum Fliegen. Aber ich verorte mich da in der Mitte und das muss funktionieren. Das muss beim Herz klappen und ich denke, das ist schon auch in Ordnung, wenn es unterschiedliche Sichtweisen gibt. Am Ende zählt, dass wir alle liberal sind.
Markus Appelmann:
Auf dem FDP-Parteitag ging es immer wieder auch um die AfD. Jetzt hat Wolfgang Kubicki gesagt, er hat eigentlich keine Berührungsängste mit der AfD. Der Parteienforscher Frank Decker geht sogar noch einen Schritt weiter und sieht eine Chance der FDP rechts von der Union. Also ein liberal-konservativer Kurs, was halten Sie davon?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Wolfgang Kubicki hat klipp und klar gesagt Es gibt keine Zusammenarbeit mit der AfD. Wir machen unser Ding und wenn die AfD irgendwo zustimmt oder nicht, machen wir uns das nicht davon abhängig. Und ich glaube, das ist auch der Kurs. Wir haben, wir sind liberal, es gibt Wirtschaftsliberale, es gibt Linksliberale und es gibt auch konservativ Liberale. Am Ende sind die alle in der FDP und das müssen wir verkaufen.
Markus Appelmann:
Ein bisschen Öffnung nach rechts gibt’s. Sie haben es eben so ein bisschen angedeutet. Wir wollen uns das Zitat von Wolfgang Kubicki noch mal ein bisschen genauer anhören.
Ich kenne keine Brandmauer. (…) Ich würde keinem AfD-Antrag zustimmen, aber ich würde meine Anträge nicht davon abhängig machen, dass die AfD zustimmen könnte.“
Wolfgang Kubicki (FDP), am 29.4.2026
Markus Appelmann:  Stimmen Sie dem zu?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Da stimme ich voll zu. Genauso handhabe ich das in der Kommunalpolitik, aber auch im Hessischen Landtag. Wir fragen ja auch nicht vorher bei der AfD, was sie dazu sagen, sondern wir bringen unsere Anträge ein, unabhängig davon, ob da links, rechts, Mitte zustimmt.
Markus Appelmann:
Um es mit den Worten von Wolfgang Kubicki noch mal zu fragen: Kennen Sie denn eine Brandmauer?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich finde den Begriff der Brandmauer irgendwie auch fehl am Platz. Und das wollen die Leute auch nicht hören. Sondern wir müssen eine Politik machen, wo sich die Mehrheit hinter versammelt. Ich will nicht mit der AfD zusammenarbeiten. Ich erlebe es auch nicht als eine positive Partei. Aber wir müssen natürlich schauen, dass wir die Menschen wieder erreichen. Das ist eine Aufgabe von allen anderen Parteien.
Markus Appelmann:
Wie wollen Sie die Menschen erreichen nach diesem Bundesparteitag, von dem ja keine Aufbruchsstimmung ausgeht?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich finde schon, dass da eine Aufbruchsstimmung von ausgeht, weil allein das mediale Interesse hat gezeigt, dass wir offenbar noch interessant sind und dadurch, dass so viele engagierte Mitglieder da waren, dass es einen großen Kampf um die Positionen gab. Ich war ja eine von 17 Beisitzern, die gewählt wurde mit 35 Kandidaten. Es wollen ja viele Leute was bewegen und sind engagiert. Es gibt einen Aufbruch. Wir wollen alle diese Partei retten. Wir wollen dafür sorgen, dass es weiterhin eine liberale Stimme in diesem Land gibt. Und die ist auch gefragt. Wir müssen uns nur besser verkaufen.
Markus Appelmann:
Wir sind gerade in der größten Wirtschaftskrise der Bundesrepublik Deutschland. Und die selbsterklärte Wirtschaftspartei, die FDP, liegt nur bei so 3 bis 4 %. Warum?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, das ist eine Frage, die wir beantworten müssen. Ich glaube, wir müssen natürlich die Wirtschaftspolitik wieder in den Fokus stellen. Das kann mit einem, der selber Unternehmer ist, Wolfgang Kubicki, mit Sicherheit sehr gut gelingen. Aber es ist natürlich auch Aufgabe von uns allen, in den Landtagen und in den kommunalen Parlamenten, auch die Themen wieder in den Fokus zu stellen. Das machen wir im Hessischen Landtag ja auch.
Markus Appelmann:
Jetzt sprechen Sie schon über Hessen, und da wollen wir gleich noch anknüpfen. Denn die schwarz-rote Landesregierung trifft sich heute und morgen in Darmstadt zu einer Klausurtagung, um die Schwerpunkte für den zweiten Teil der Legislatur festzulegen. Zudem soll es morgen eine Halbzeitbilanz geben. Mal losgelöst von den politischen Themen: CDU und SPD regieren in Hessen doch im Gegensatz zum Bund richtig harmonisch zusammen, oder?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Also ich finde das überhaupt nicht harmonisch, wenn Sie sich mal angeschaut haben, was alleine im Wirtschaftsministerium für ein Ärger entstanden ist, sind schon zwei neue Staatssekretäre. Der Wirtschaftsminister hat nicht geliefert. Es gab komische Angebote von Mansoori an den Kultusminister. Also harmonisch ist das nicht. Die sind sehr groß in der Selbstinszenierung. Das muss man zugestehen. Aber gut regiert werden wir leider nicht in diesem Land.
Markus Appelmann:
Ja, aber ich möchte mal ein paar Beispiele nennen. Wir haben doch zum Beispiel innere Sicherheit, wo was passiert. Wir haben Entbürokratisierung, „die Steuer macht das Amt“ oder eben auch das Hessengeld für Häuslebauer. Das müssen Sie doch auch gut finden, was da in der Legislatur passiert ist.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, da sind auch einige positive Sachen passiert. Ist auch gut so und ist auch Aufgabe einer Landesregierung. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ansonsten so viel passiert ist. Es wird sehr viel inszeniert. Denken Sie an das Logo. 800.000 € für ein neues Logo nachdem niemand gefragt hat. Vielleicht auch an die Inszenierung jetzt aus dem Umweltministerium Thema „Hessen schmecken“. Also da wird sehr, sehr viel Geld auch investiert in große Feste, Logos und Veranstaltungen, aber wenig, ja in wirkliche Politik.
Markus Appelmann:
Was die Menschen im Moment antreibt, sind die teuren Energiepreisen. Deswegen wird in der Politik immer öfter über Alternativen nachgedacht
Anfang Januar wird es laut im südhessischen Biblis. Der letzte der vier Kühltürme des Atomkraftwerks fällt in sich zusammen. Ein sichtbares Zeichen für die Kehrtwende der deutschen Atompolitik.
Geht es nach der schwarz-roten Landesregierung, werden hier in Biblis in Zukunft Atome nicht mehr gespalten, sondern miteinander verschmolzen. Hier soll ein Kernfusionsreaktor entstehen, der schon ab 2035 Strom liefern soll. Denn für Ministerpräsident Boris Rhein kann die Kernfusion…
OTON Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident Hessen, am 13.3.2025
„… ein Gamechanger sein in der Frage der Energieversorgung der Zukunft.“
In Sachen Energieversorgung der Zukunft denkt die EU-Kommissionspräsidentin wieder über Atomkraft nach. Der Ausstieg aus der Kernkraft, für Ursula von der Leyen war er im Rückblick…
OTON Ursula von der Leyen, am 10.3.2026,
„… a strategic mistake for Europe
Ein strategischer Fehler. Bundeskanzler Friedrich Merz sagt, er persönlich teile zwar die Einschätzungen von Ursula von der Leyen. Aber:
Friedrich Merz (CDU), Bundeskanzler, am 10.3.2026
Schlussfolgerungen für Deutschland hat es keine, weil die deutschen Bundesregierungen zuvor entschieden haben, aus der Kernenergie auszusteigen. Der Beschluss ist irreversibel.“
Der Ausstieg aus der Kernenergie – für den deutschen Bundeskanzler ist er also unumkehrbar.
Markus Appelmann:
Unumkehrbar. Hat er Recht?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Na ja, die drei noch übrig gebliebenen Kernkraftwerke sind abgestellt seit 2023. Ja, aber man kann natürlich auch mal prüfen, ob noch irgendwas geht. Andere Länder machen das ja auch so, fast alle Länder um Deutschland herum wollen wieder in die Kernenergie einsteigen oder sind noch dabei, da muss Deutschland schon auch mal schauen, was noch möglich ist.
Markus Appelmann:
Aber zur ganzen Wahrheit gehört natürlich auch dazu, dass 2011 auch ein Vizekanzler von der FDP dabei war und eigentlich schwarz-gelb dafür gestimmt hat, aus der Atomkraft auszusteigen.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja gut, das war mit Fukushima war das eine Zeit, in der das der einzig mögliche Weg erschien. Aber ich glaube, da haben sehr viele auch erkannt, dass das vielleicht der falsche Weg war.
Markus Appelmann:
Na ja, also Sie sagen, es ist der falsche Weg. Das heißt, es gibt einzelne FDP-Abgeordnete, die tatsächlich wieder für Atomkraft sind. Sie haben sich ja gerade eben auch dafür ausgesprochen. Bräuchte es da mal einen Parteitagsbeschluss, dass ein Signal auch davon ausgeht.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Das müssen wir in der Partei dann entscheiden. Ich habe auch nicht gesagt, ich bin jetzt große Atomkraft Befürworterin. Aber ich bin dafür, dass Unternehmen und auch die Verbraucher bezahlbaren Strom sich leisten können und das müssen wir lösen. Und das kann mit verschiedenen Energieformen passieren. Dann müssen wir auch mal Geld in Zukunftsenergie stecken. Das ist glaube ich, Aufgabe: am Ende bezahlbarer Strom.
Markus Appelmann:
Das Land Hessen steckt ja in die Zukunftenergie, Geld in die Kernfusion. Da werden also Atomkerne nicht gespalten, sondern die werden verschmolzen. 20 Millionen € steckt das Land Hessen darein. Das finden Sie gut?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Das finden wir gut, weil es ja auch einen Antrag der FDP gibt, auf den das beruft. Also 2022 waren wir bereits bei Focus Energy. Wir haben Anfang 2023 einen Antrag gestellt und jetzt setzt die Landesregierung das um. Und das begrüßen wir dann natürlich auch.
Markus Appelmann:
Okay. Aber Sie wissen, dass der bezahlbare Strom in Sachen Kernfusion, das dauert noch sehr lange.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Das dauert sehr lange. Aber wenn wir auch 2030, 40, 50 noch bezahlbaren Strom haben wollen, dann müssen wir natürlich auch da investieren.
Markus Appelmann:
Wir sprechen über ein weiteres Zukunftsthema. Das ist künstliche Intelligenz, und die hat nämlich ihren Preis. Es braucht ganz viele Rechenzentren. Das weiß auch die FDP.
Rechenzentren – für die Hessen-FDP sind sie die „Herzkammern der digitalen Wirtschaft“. Die hessischen Liberalen sind überzeugt:
Hessen soll nicht nur der Internetknoten Europas, sondern auch das Rechenzentrum Deutschlands werden.“
Die Groß-Gerauer FDP sieht das wohl anders.
Ein US-Investor wollte hier ein Rechenzentrum bauen. Für 2,5 Milliarden-Euro. Doch die Stadtverordnetenversammlung stoppt das 2Projekt. Auch mit den Stimmen der FDP.
Das XXL-Rechenzentrum in Groß-Gerau – es kommt also nicht.
Markus Appelmann:
Haben Sie Ihren Kollegen vor Ort mal die Leviten gelesen?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Nein, das ist auch nicht meine Aufgabe. Ich habe großen Respekt davor, dass sich Kommunalpolitiker vielleicht auch mal gegen ein Projekt aussprechen. Wichtig ist, dass wir als FDP dafür sind. Und ich glaube, es ist auch nötig, dass wir als Land dort einen gemeinsamen Plan aufstellen und insgesamt schauen, dass wir genügend Rechenzentren haben. Aber dass man vor Ort auch mal gegen ein Projekt sein kann, das möchte ich auch selbst als Kommunalpolitikerin. Ja. Kann ich das gut akzeptieren.
Markus Appelmann:
Ja, es mag Gründe geben, warum man dagegen ist. Zum Beispiel natürlich auch Fläche, Versiegelung oder auch architektonische Gründe. Aber am Ende brauchen wir Rechenzentren, damit es mit der KI vorangeht. Das sehen Sie?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Absolut, ja. Bin ich Ihrer Meinung.
Markus Appelmann:
Gut. Das Thema künstliche Intelligenz wird uns noch sehr lange umtreiben. Und wenn man mal so ein bisschen in die Zukunft schaut, es wird manche Jobs in Zukunft nicht mehr brauchen. Dann müsste sich die Politik doch jetzt schon Gedanken machen, was wir mit den Menschen machen, die nicht mehr gebraucht werden.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, es wird aber vielleicht auch andere Jobs geben, Davon gehe ich aus. Und ja, das ist Aufgabe der Politik, das auch zu steuern. Und da muss man ja in den Schulen anfangen. Aber was macht die hessische Landesregierung? Sie schafft das Fach Digitale Bildung ab, macht also einen riesigen Fehler. Wir müssen eigentlich die jungen Menschen fit für die Zukunft machen, und das ist Aufgabe der Politik.
Markus Appelmann:
Okay, da setzen wir einen Punkt und kommen zu unserer Rubrik Entweder oder. Ein Spiel, wo sie sich ganz schnell ganz klar im besten Fall positionieren können. Frau Knell, bereit?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja.
Markus Appelmann:
Sprachnachrichten oder Tippen?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Sprachnachricht.
Markus Appelmann:
Okay. Also, Sie sind die Frau, die auch mal fünf Minuten Sprachnachricht rumschickt.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich versuche, das kürzer zu machen. Im Zweifel kann man ja auf anderthalbfache Geschwindigkeit sprechen.
Markus Appelmann:
Oder zweifache sogar. Rente mit 70 oder Rentenniveau senken?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Na ja, dann eher Rente mit 70.
Markus Appelmann:
Okay, da sind Sie ja auch ganz, ganz realistisch, dass wir alle so lange arbeiten müssen?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Wahrscheinlich lässt sich das nicht vermeiden, aber die Lieblingsantwort wäre natürlich Aktienrente gewesen aus der FDP.
Markus Appelmann:
Okay, gut. Digitale Akte oder Papiernotizen?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Digital , kann man besser teilen mit den Mitarbeitern.
Markus Appelmann:
Ein Tag ohne Handy oder ein Tag ohne Kaffee?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich trinke keinen Kaffee und ich bin, glaube ich, ein bisschen Handy süchtig, aslo von daher ist das klar.
Markus Appelmann:
Was hätten wir ihr sagen müssen? Ein Tag ohne Handy oder ein Tag ohne Tee?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ohne Cola Zero.
Markus Appelmann:
Hier kommt ja einiges raus. Ja. Sommerregen oder Hitzewelle?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Sommerregen finde ich schon gut.
Markus Appelmann:
Okay. Ich glaube, morgen ist es wieder soweit.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, ich glaube auch. Aber ich bin ja Agrarpolitikerin. Wir brauchen Regen für die Landwirtschaft.
Markus Appelmann:
Migration atärker steuern oder Integration besser fördern?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Beides. Beides muss sein. Hier kann ich kein Entweder oder machen.
Markus Appelmann:
Social Media selbst posten oder einfach alles ignorieren.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich mache das eigentlich alles selbst.
Markus Appelmann:
Okay, und dann lesen sie auch mit und ärgern sich, wenn da mal jemand was Drunterschreibt?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Manchmal ärgere ich mich, aber man wird da auch mit der Zeit ein bisschen entspannter.
Markus Appelmann:
Regieren mit Kompromissen oder Opposition mit klarer Kante?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich mache schon auch Politik, damit ich irgendwann mal aus der Opposition heraus komme, damit wir auch regieren.
Markus Appelmann:
Okay. Und dann wären Sie auch gerne wieder sehr realistisch?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ja, natürlich. Geht ja gar nicht anders.
Markus Appelmann:
Tankrabatt verlängern oder auslaufen lassen.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich wäre dafür, den Tankrabatt zu verlängern, damit die Menschen spürbar eine Erleichterung an der Zapfsäule haben.
Markus Appelmann:
Aber das sehen nicht alle in der FDP so!
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Das mag ja sein. Ich fahre einen Diesel. Also von daher. Ja, das schon besser, die Menschen direkt zu entlasten.
Markus Appelmann:
Und dann noch Bergblick oder Meerblick?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Beides ist schön, aber im Zweifel würde ich mich für die Berge entscheiden.
Markus Appelmann:
Okay. Ist das auch Ihr Ziel dieses Jahr in Richtung Sommerurlaub oder wo geht es hin?
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Im Sommer fahren wir ans Meer nach Frankreich, aber im Herbst fahren wir dann in die Berge nach Südtirol. Und da freue ich mich auch richtig drauf. Beides hat was für sich, aber im Zweifel bin ich eher ein Bergkind.
Markus Appelmann:
Also alles zu seiner Zeit Irgendwie. Wiebke Knell war heute unser Gast im Sommerinterview? Danke für den Besuch.
Wiebke Knell (FDP), Fraktionsvorsitzende Landtag Hessen:
Ich habe zu danken.