Sommerinterview mit Mathias Wagner (Bündnis 90 / Die Grünen)
Erst sind die Grünen in Hessen aus der Regierung geflogen, dann im Bund und jetzt kürzlich in Rheinland-Pfalz. Warum werden die Grünen zum Regieren offensichtlich nicht mehr gebraucht?
Markus Appelmann, Moderator:
Mathias Wagner ist bei mir. Der hessische Fraktionschef der Grünen. Herzlich willkommen!
Mathias Wagner (Bündnis 90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzender Landtag Hessen:
Danke schön. Freue mich, da zu sein.
Appelmann:
Herr Wagner, bevor wir politisch werden, werden wir erst ein bisschen nostalgisch. Wir haben nämlich unseren heutigen Gast gebeten, uns Kinderfotos mitzubringen.
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Drei Fotos für unser „17.30 Sat.1 live“-Sommerinterview-Album. Die Bilder, die Mathias Wagner hier einklebt, erinnern den Politiker an eine glückliche Kindheit in Friedrichsdorf im hessischen Hochtaunuskreis.
Viele Stunde verbringt der 52-Jährige, der heute in Wiesbaden wohnt, mit seinem großen Bruder in der Natur. Besonders angetan haben es ihm Lagerfeuer.
Mathias Wagner (Bündnis 90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzender Landtag Hessen
„So ein Feuer anfachen und entzünden, das fand ich als Kind völlig faszinierend. Ich erinnere mich auch noch, meine Tante hatte einen Kamin zuhause und immer wenn wir da zu Besuch waren, egal ob es draußen 30 Grad war, musste dieser Kamin in Betrieb genommen werden und dann saß ich da den ganzen Tag davor und war selig.“
Wanderurlaube, die ihm als Kind noch zäh vorgekommen sind, empfindet er heute als ideale Auszeit vom politischen Geschäft. Seit 2003 sitzt Mathias Wagner für die Grünen im hessischen Landtag und ist seit 2014 Fraktionsvorsitzender.
Heißt: Viele Stunden im Plenarsaal oder am Schreibtisch. Umso wertvoller sind ihm die Erinnerungen an die Tage, in denen er den Spielplatz in der Nähe seines Elternhauses unsicher gemacht hat.
Mathias Wagner (Bündnis 90 / Die Grünen), Fraktionsvorsitzender Landtag Hessen
„Das sind wirklich Jahre meiner Kindheit und Jugend, die ich da verbracht habe. Und dann gab es auf diesem Spielplatz noch so einen Drehpilz nannte man das glaube ich, wo man sich dranhängen konnte und der wurde dann gedreht. Und der Ehrgeiz war, nicht runterzufallen. Das war dann, wie ich etwas älter war. Aber runtergefallen bin ich auch.“
Aber auch immer wieder aufgestanden. Mathias Wagner denkt gerne an seine Kindheit zurück. An ein prägendes Kapitel in der Lebensgeschichte des Grünen Fraktionschefs.
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Appelmann:
Und beim Drehpilz haben Sie gerade eben am meisten geschmunzelt. Jetzt mal ehrlich: Durchhaltevermögen wie bei den Hängepartie in einem Drehpilz braucht es doch momentan immer noch bei so ganz langen Sitzungen im hessischen Landtag, oder?
Wagner:
Ja, absolut. Das Durchhaltevermögen, was jetzt im politischen Alltag gefordert ist, ist kein Vergleich zu dem in der Kindheit, als Kindheit war aber der Drehpilz als die große Herausforderung.
Appelmann:
Jetzt haben die Grünen auf dem Bundesparteitag zuletzt gesagt: “Opposition ist nicht nur Mist”. Dieser Satz wurde da kultiviert. Aber wie motiviert man sich tagein, tagaus, wenn man weiß, in der Opposition – diese Anträge, die man macht, diese Ideen, die man einbringt, die sind doch eigentlich nur für die Tonne.
Wagner:
Nein, die sind ja fürs nächste Regieren geschrieben. Das ist zumindest unser Anspruch als hessische Grüne, dass wir die Zeit in der Opposition nutzen, um uns wieder auf Regierungsverantwortung vorzubereiten, um gute Ideen zu haben. Und das hat ja schon mal für Hessen sehr, sehr gut geklappt, wie wir 2014 in die Landesregierung eingetreten sind und dann Hessen zehn Jahre gut regiert haben. Was man aktuell von der Landesregierung nun leider nicht sagen kann.
Appelmann:
Also Sie blicken immer noch wehmütig zurück.
Wagner:
Nein, ich blicke nicht wehmütig zurück. Ich blicke dankbar zurück auf das, was wir gestalten können. Das war eine gute Zeit. Das war eine gute Zusammenarbeit, die wir hatten. Und wir haben auch einiges für Hessen erreicht. Und wenn wir jetzt sehen, die zweieinhalb Jahre von Schwarz-Rot in Hessen, dann, glaube ich, merken immer mehr Leute, dass das eine gute Zeit war mit den Grünen in der Regierung.
Appelmann:
Aber Sie sind in Hessen und im Bund in der Opposition, weil Sie die Bürger zum Beispiel bei einem Heizungsgesetz verärgert haben. War das so ein typisches Beispiel von “gut gemeint, aber schlecht gemacht”?
Wagner:
Ich glaube, mit ein bisschen Abstand kann man es ja sagen: Ja. Das war nicht nur kommunikativ ein Desaster, sondern man hat die Menschen, die Bürger einfach nicht mitgenommen. Man hat die Bürgerinnen und Bürger nicht mitgenommen, man hat nicht gleichzeitig kommuniziert, wie man Bürgerinnen und Bürger auch bei dem Einbau von Wärmepumpen unterstützen wollte. Am Ende ist es nicht gut gelaufen. Wir haben daraus gelernt und jetzt schlagen wir das nächste Kapitel auf.
Appelmann:
Die Bundesregierung schlägt gerade das nächste Kapitel auf, nämlich ein neues Heizungsgesetz. Gasanlagen, Gasheizungen sollen weiter möglich sein. Die müssen aber ab 2029 mit einem wachsenden Anteil von teuren, klimafreundlichen Gasen betrieben werden. Ist das ein guter Ansatz?
Wagner:
Nein. Was die Bundesregierung jetzt beim Heizungsgesetz macht, wird die Bürgerinnen und Bürger teuer zu stehen kommen. Und ich finde, hier ist ein sehr grundsätzlicher Punkt in der Politik erreicht. Man kann im Wahlkampf ja gegen Fehler, die die Ampel damals beim Heizungsgesetz gemacht hat, Wahlkampf machen, aber man darf die Leute jetzt nicht auf einen Trip führen beim Einbau von Heizungen, der sie die nächsten Jahre teuer zu stehen kommen wird. Alle wissen Öl wird teurer werden die nächsten Jahre. Gas wird dramatisch teurer werden die nächsten Jahre.
Appelmann:
Sie sprechen gerade die Energiepreise an. Die sind doch aber eine Konsequenz der Energiewende, die die Grünen mit vorangetrieben haben. Die Folge: Die deutsche Wirtschaft stagniert im vierten Jahr. 2025 gingen mehr als 120.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren. Merken die Grünen nicht, dass sie mit an diesem wirtschaftlichen Abschwung schuld waren?
Wagner:
Nein, wir sind nicht schuld an diesem Abschwung. Die erneuerbaren Energien sind die günstigste Form der Stromerzeugung. Kann jeder …
Appelmann:
Aber wir sehen doch die Preise.
Wagner:
Langsam. Kann jeder den Faktencheck machen. Einfach bei Google eingeben “günstigste Form der Stromerzeugung”. Antwort: erneuerbare Energien. Muss man also nicht den Grünen glauben, ist einfach so. Die Energiepreise sind deshalb so hochgegangen, weil wir uns sehr stark auf Gas aus Russland beispielsweise verlassen haben, weil wir uns sehr stark auf Öl aus dem Nahen Osten verlassen haben. Und wir sehen, dass wir, wenn wir uns in Abhängigkeit von den Fossilen begeben, sehr, sehr hohe Preise bezahlen. Und deshalb sagen wir: Wir müssen unabhängig werden von Öl und Gas. Und der Weg dazu sind die erneuerbaren Energien.
Appelmann:
Aber die Menschen sagen da draußen: “Mir ist mein Arbeitsplatz wichtiger als der Klimaschutz”. Wenn Deutschland strengere Klimaziele beschließt als andere Staaten, dann sind unsere Unternehmen doch einfach weniger wettbewerbsfähig.
Wagner:
Na, die Unternehmerinnen und Unternehmer sind ja längst auf dem Weg beim Klimaschutz. Und wir haben das Ziel, bis 2045 in Deutschland klimaneutral zu sein. Das sind noch 19 Jahre. Und ich würde mir einfach wünschen, dass wir die Kraft, die es in unserem Land gibt, die es auch bei Unternehmen gibt, dafür nutzen, dieses Ziel zu erreichen mit Innovation, mit neuen Produkten, statt 19 Jahre vor dem Ziel, eine Debatte darüber zu führen, dass man das Ziel angeblich nicht erreichen kann.
Appelmann:
“Atomkraft? Nein danke” – das ist ein urgrünes Thema, über das wir jetzt sprechen wollen. Bei explodierenden Energiekosten denken so manche Politiker momentan über Atomkraft erneut nach.
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Die Atomkatastrophe von Fukushima vor 15 Jahren, sie führte zu einer grundlegenden Wende in der deutschen Atompolitik.
Nach und nach werden alle Atomkraftwerke stillgelegt. 2023 gehen dann die letzten drei Atommeiler vom Netz.
Was sie vom Ausstieg aus der Kernkraft hält, das macht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen vor wenigen Wochen mehr als deutlich:
Ursula von der Leyen (CDU), EU-Kommissionspräsidentin, am 10.3.2026
„Im Nachhinein betrachtet war es ein strategischer Fehler von Europa, einer zuverlässigen und erschwinglichen Quelle emissionsarmer Energie den Rücken zu kehren.“
Für von der Leyen im Rückblick also ein „strategischer Fehler“. Und auch der ehemalige grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, hat kürzlich gesagt: Mit Blick auf die Strompreise hätte man – aus heutiger Sicht – die letzten Atomkraftwerke doch noch länger laufen lassen müssen.
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Appelmann:
Herr Wagner, hat Herr Kretschmann nicht recht?
Wagner:
Also Winfried Kretschmann zu widersprechen ist nie eine gute Idee. Er hat gesprochen über die Atomkraftwerke, die noch am Netz waren.
Appelmann:
Die letzten drei.
Wagner:
Das ist aber alles vergossene Milch. Derzeit haben wir ja keine Atomkraftwerke am Netz. Diejenigen, die noch da sind, wieder ans Netz zu nehmen, würde Jahre dauern; neue zu bauen würde Jahrzehnte dauern. Das ist eine absolute Geisterdebatte über die Atomkraft. Auch weil die Atomkraft mittlerweile eine der teuersten Formen ist, Strom zu produzieren.
Appelmann:
Aber noch einmal: Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigt sich da selbstkritisch bei diesem Thema. Atomkraft liefere zuverlässig umweltfreundlichen und bezahlbaren Strom. Und tatsächlich ist der Strompreis auch in Frankreich, da setzt man immer noch auf Atomkraft, viel günstiger als in Deutschland.
Wagner:
Nein, das stimmt nicht. Der ist nicht wesentlich günstiger.
Appelmann:
1/3 günstiger, 0,24 € zu 38 bei uns.
Wagner:
Frankreich importiert teilweise in den Sommermonaten auch Strom aus erneuerbaren Energien aus Deutschland, wenn nämlich die Atomkraftwerke in Frankreich in den heißen Sommermonaten abgeschaltet werden sollen. Ich halte das für Deutschland für eine Geisterdiskussion. Wo sollen denn diese Atomkraftwerke gebaut werden? Wann sollen sie denn in Betrieb gehen? Das sind wir im nächsten, im übernächsten Jahrzehnt. Aber wir müssen ja jetzt unsere Stromversorgung bauen.
Appelmann:
Sie sagen immer, was nicht geht. Wo soll denn der ganze Strom zum Beispiel herkommen für neue Rechenzentren, die gebraucht werden?
Wagner:
Na ja, es gibt ja einen klaren Ausbaupfad für die erneuerbaren Energien. Das ist auch völlig klar, dass wir in einer Übergangszeit, um die Grundlast sicherzustellen, Gaskraftwerke brauchen werden. Dieser Pfad ist ja vorgezeichnet. Und das Problem an der Bundesregierung ist …
Appelmann:
Da hat Robert Habeck keine Fahrt aufgenommen bei diesem Thema.
Wagner:
Er hat da sehr Fahrt aufgenommen. Wenn Sie sich anschauen, wie die erneuerbaren Energien gestiegen sind bis zu dem Zeitpunkt, wo die neue Bundesregierung übernommen hat und wir halten es für einen völligen Fehler, in solchen grundsätzlichen Fragen wie der Energiepolitik jetzt wieder alles anders machen zu wollen. Das sorgt für Verunsicherung, und das ist auch nicht sinnvoll. Und noch mal: Die Atomkraft ist eine der teuersten Formen der Stromerzeugung. Warum sollen wir denn zu dieser Form der Stromerzeugung zurückgehen?
Appelmann:
Wir bleiben jetzt wieder beim Thema Rechenzentren. Wer voll auf Künstliche Intelligenz setzt, der braucht immer mehr Rechenleistung, der braucht immer mehr Rechenzentren. In Groß-Gerau ist aber solch ein Rechenzentrum jetzt mit Stimmen der Grünen verhindert worden.
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So sollte es aussehen. Das neue Rechenzentrum im Groß-Gerauer Gewerbegebiet. Rund 2,5 Milliarden Euro wollte ein US-Investor hier in den Bau investieren. Doch die Stadtverordnetenversammlung sagte: Nein! Grüne, SPD, Freie Wähler, Linke und FDP stimmten gegen den Bau.
Das Aus für das Rechenzentrum: Für die CDU eine verpasste Chance, für die Grünen dagegen ein Grund zur Freude.
„Mit der Ablehnung des Projekts ist ein überdimensioniertes, städtebaulich wie ökologisch hochproblematisches Vorhaben vom Tisch.“
Die Grünen feiern die geplatzte Milliarden-Investition mit den Worten: „Bye, bye Rechenzentrum!“
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Appelmann:
So wird Hessen ganz sicherlich kein Standort für Künstliche Intelligenz.
Wagner:
Also ich will mich in die Entscheidung in Groß-Gerau nicht einmischen – was allerdings richtig ist: Wir sind im Rhein-Main-Gebiet einer der prädestinierten Standorte für Rechenzentren, eben weil wir hier den großen Internetknoten haben. Und das macht die Rhein-Main-Region unglaublich attraktiv für Rechenzentren. Was allerdings auch wahr ist: Die Kommunen haben meistens nichts oder so gut wie nichts von diesen Rechenzentren, weder Arbeitsplätze noch Gewerbesteuer. Hier könnte man einiges ändern. Und wichtig beim Thema Künstliche Intelligenz wäre auch, dass wir europäische Rechenzentren haben und uns nicht in völlige Abhängigkeit von amerikanischen Techkonzernen begeben.
Appelmann:
Also das heißt, Sie widersprechen letztlich den Grünen in Groß-Gerau, die jubeln, weil es dieses Rechenzentrum nicht gibt. Denn es wird ja letztlich gebraucht, wie Sie sagen.
Wagner:
Ich sitze nicht im Groß-Gerauer Stadtparlament, insofern will ich mich da nicht einmischen.
Appelmann:
Aber im Landtag.
Wagner:
Im Landtag sitze ich, und deshalb sage ich: Es ist völlig logisch, wenn Sie im Rhein-Main-Gebiet einen der größten Internetknoten der Welt haben, dass das ein hoch attraktiver Platz ist für Rechenzentren. Aber ich verstehe auch die Kommunen, die sagen: “Es beansprucht sehr, sehr viel Fläche, wir haben kaum Arbeitsplätze und wir haben kaum Gewerbesteuereinnahmen für uns” Da verstehe ich, dass für einige Kommunen das nicht attraktiv ist. Dennoch brauchen wir Rechenzentren.
Appelmann:
Herr Wagner, wir sprechen jetzt über Entbürokratisierung, denn in Hessen haben zuletzt rund 100.000 Menschen einen Bescheid bekommen vom Finanzamt. Und das war eigentlich gute Post vom Finanzamt.
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„Die Steuer macht jetzt das Amt.“ Seit April steht fest: Das Pilotprojekt, das letztes Jahr in Nordhessen begonnen hatte, wird ausgeweitet.
Für rund 200.000 Hessen füllt das Finanzamt die Steuererklärungen einfach selbst aus – die Daten über Lohn, Rente oder Versicherungen liegen in den Ämtern ja eh vor. Der Vorschlag wird dann verschickt und kann von den Bürgern so akzeptiert oder eben geändert werden.
Alexander Lorz (CDU), Finanzminister Hessen, am 09.04.26
„Die Bürgerinnen und Bürger, die davon erfasst werden – für die ist natürlich dann das Steuerthema auf einfachste Art und Weise für das jeweilige Jahr erledigt.“
Eine enorme Entlastung für die Bürger UND ein großer Schritt in Sachen Bürokratieabbau.
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Appelmann:
Das muss auch Ihre vollste Zustimmung bekommen.
Wagner:
Ja, absolut. Wenn die Landesregierung was Gutes macht, dann sagen wir auch: Die Landesregierung macht was Gutes. Und in dem Fall: Was Alexander Lorz da vorgestellt hat, ist eine gute Sache.
Appelmann:
Die Landesregierung hat den ersten Entbürokratisierungsminister Deutschlands mit Herrn Pentz und hat schon einige Pakete auf den Weg gebracht. Das also auch der richtige Weg für Hessen?
Wagner:
Absolut. Wir haben den allermeisten Maßnahmen, die die Landesregierung bislang vorgeschlagen hat, auch zugestimmt. Wir sagen: Wir wollen jetzt einen großen Schritt weitergehen. Wir haben vorgeschlagen, dass wir sämtliche Berichts- und Dokumentationspflichten für die hessische Wirtschaft auslaufen lassen, wenn sie nicht ausdrücklich verlängert werden. Das ist etwas, was Nordrhein-Westfalen jetzt auf den Weg bringt, was Baden Württemberg …
Appelmann:
Cem Özdemir, der neue Ministerpräsident.
Wagner:
Was Cem Özdemir auf den Weg bringen will. Und das wollen wir auch hier für Hessen, Weil wir wollen nicht, dass in Baden-Württemberg oder in Nordrhein-Westfalen Unternehmen bessere Rahmenbedingungen haben als hier bei uns im Bundesland. Wir loben die Landesregierung da, wo es sinnvoll ist beim Bürokratieabbau. Und wir hoffen jetzt sehr, dass unsere Initiative auch die Zustimmung von Schwarz-Rot im Landtag findet.
Appelmann:
Das heißt, Zustimmung von Ihnen für die Landesregierung, aber Sie sagen, es müsste einen Schritt weitergehen, und da haben Sie gerade eben die Punkte auch genannt.
Wagner:
Genau. Also wir sind jetzt viele kleine Schritte beim Bürokratieabbau in Hessen gegangen. Aus unserer Sicht wäre es jetzt an der Zeit, einen großen Schritt zu gehen. Und ich habe es als Grüner jetzt noch nicht oft erlebt, dass ich so euphorische Rückmeldungen für einen grünen Vorschlag aus der Wirtschaft bekomme. Hier sagen alle: “Macht das! Das eine gute Idee, die die Grünen haben” und dann darf auch mal Parteipolitik keine Rolle spielen, finde ich.
Appelmann:
Herr Wagner, man wird in nächster Zeit ein bisschen weniger von Ihnen lesen und das liegt an dieser Aktion:
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Hashtag „Wir verlassen X“. Vor rund drei Wochen finden sich auf vielen Accounts der Linken, der SPD und der Grünen folgende Worte:
„X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken. Politische Debatten leben vom Austausch, der Menschen erreicht & informiert. X hingegen fördert zunehmend Desinformation. Deswegen bespielen wir diesen Account nicht mehr.“


