Umweltfreundliche Medizinprodukte

Wenn Medizinische Produkte, wie Spritzen, verwendet wurden, sind sie oft kontaminiert mit Blut oder Viren. In der Regel wird der Abfall deshalb verbrannt. Durch den hohen Plastikanteil für die Umwelt eine große Belastung. Mit Biovox haben drei junge Unternehmer ein Start-Up in Darmstadt gegründet, das dieses Problem lösen soll.

Klein, rund und krümelig. Man möchte sich am liebsten hineinlegen. Doch dafür stellt Biovox sein Biokunststoffgranulat nicht her. Julian Lotz, Carmen Rommel und Vinzenz Nienhaus haben ihr Start-Up gegründet, damit Spritzen, Blister oder Schwangerschaftstests wie diese nachhaltig hergestellt werden können.
Julian Lotz, Gründer Biovox: Wir haben ursprünglich mal Implantate für die Reparatur von Knochenbrüchen entwickelt und dann gesehen, wie viel Müll im Krankenhaus am Ende ja auch entsteht bei Operationen beispielsweise durch Einmalprodukte, Verpackungen etc. Und sind auch diverse Kunststoffe in Verwendung, die nicht so wahnsinnig gesund für die Patienten unbedingt sind.
Das wollten die drei Unternehmer ändern. Indem sie nachhaltiges Material für Hersteller von Medizintechnik produzieren: das Granulat.
Statt Erdöl, wie bei klassischem Kunststoff, nutzen sie biobasierte Polymer-Typen, also pflanzliche Kunststoffe, etwa aus Zucker oder Stärke. Daraus macht Biovox das Granulat, das für die Medizintechnik gebraucht wird.
Hier kommt der Doppelschneckenextruder zum Einsatz.
Vinzenz Nienhaus, Gründer Biovox: Damit kann man Kunststoffe untereinander mischen oder auch Additive einbringen. Zum Beispiel Farbe, man will ja, dass Farbe nicht nur an manchen Punkten ist, sondern schön gleichmäßig verteilt über den Kunststoff. Und das können wir hiermit erreichen. Das sind zwei Schnecken, die ganz nah aneinander laufen und dann eben die Sachen ineinander einkneten.
Oben kommen die Biopolymere rein, gemischt mit den Substanzen, die passgenau für das jeweilige Medizinprodukt sind. Zum Beispiel Gleitmittel für Insulinspritzen. Die Zutaten schmelzen und werden miteinander verknetet. Vorne kommt die homogene Masse raus. Die langen Spaghetti werden abgekühlt, in kleine Stückchen gehackt und am Ende gesiebt.
Julian Lotz, Gründer Biovox: Im Medizinbereich sind halt sehr hohe Qualitätsanforderungen, die dahinterstecken und man muss auch sehr genau wissen, wie der Kunststoff sich verhält, wenn man das Produkt sterilisiert, beispielsweise. Oder wenn es im Krankenhaus fünf Jahre gelagert wird, das muss ja danach auch noch genauso funktionieren, wie es vorgesehen ist, darf ja kein Risiko sein in der Behandlung.
In ihrem Technikum machen die 15 Mitarbeiter des Startups jede Menge Versuche, damit ihr Kunststoff den medizinischen Anforderungen entspricht.
Seit sechs Jahren arbeitet die Firma an ihrem Granulat. Noch ist Biovox ein Vorreiter und finanziert sich neben seinen eigenen Umsätzen durch Investoren und Förderungen. Da Erdöl immer knapper wird, sind die Gründer sicher, dass sich bald mehr Unternehmen finden, die ihre Medizinprodukte lieber aus Biogranulat herstellen wollen.