Betrug durch vorgetäuschte Liebesbeziehung

Love-Scamming bezeichnet Betrug durch eine vorgetäuschte Liebesbeziehung im Internet. Nach Angaben des Landeskriminalamts Hessen wurden 2025 bislang 67 Fälle registriert. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus, weil viele Betroffene den Betrug aus Scham nicht anzeigen. Der Fall von Christian Löffler aus Riedstadt zeigt, wie schwerwiegend die Folgen eines solchen Betrugs sein können.

Christian Löffler ist seit sieben Jahren Single. Anfang 2025 erleidet er eine Lungenembolie, danach wächst der Wunsch nach einer festen Beziehung. Über Tinder lernt er die Australierin Salomé kennen. Zunächst schreiben sie über die Dating-App, später über WhatsApp – teilweise drei bis vier Stunden täglich.
Christian Löffler, Scamming-Opfer
Es wurde dann auch sehr alltäglich. Wir haben uns unterhalten über den Alltag, was wir gegessen haben. Haben uns Fotos geschickt, haben uns gegenseitig erinnert zu essen. Also es kamen dann von ihr sehr fürsorgliche Seiten mir gegenüber an.“
Über sechs Monate hinweg tauschen sie tausende Nachrichten aus. Christian fühlt sich verstanden und gebraucht.
Christian Löffler, Scamming-Opfer
Es war seltsam muss ich sagen mich dann darauf einzulassen und zu sagen ups da sind ja Gefühle da. Dass dann auch zu kommunizieren und zu sagen aus Freundschaft könnte mehr werden. Und dann die Antwort zu kriegen ja sehe ich auch so hat mich dann natürlich auch gefreut. Gerade weil ich halt auch mit dem Selbstwert große Probleme hatte. Und dass dann so jemand an mir Interesse hatte, war dann natürlich was komplett anderes für mich.“
„My dear, I never had to judge you because from the beginning I saw your heart, your kindness and your strength. Being by your side and loving you is the most natural and precious thing for me. Nothing and no one can replace you in my heart.“
„Mein Lieber, von Anfang an habe ich dein Herz, deine Freundlichkeit und deine Stärke gesehen. An deiner Seite zu sein und dich zu lieben ist für mich das Natürlichste und Kostbarste. Nichts und niemand kann dich in meinem Herzen ersetzen“
Die beiden planen eine gemeinsame Zukunft mit Kindern in der Schweiz. Dafür sollen finanzielle Grundlagen geschaffen werden. Salomé behauptet, im Finanzbereich zu arbeiten, und rät Christian zu Geldanlagen.
Christian Löffler, Scamming-Opfer
„Dann habe ich halt gesagt, gut mehr als einen Tausender kann ich nicht in die Hand nehmen, weil meine finanzielle Situation es nicht hergibt. Dann hat sie einen Satz gesagt, der mir sehr im Gedächtnis geblieben ist. Wenn du dein Leben verändern willst, musst du aus deiner Komfortzone raus und was riskieren.“
Daraufhin nimmt der Krankenpfleger einen Kredit auf und investiert in die von ihr empfohlene Kryptowährung. Später will er sich Geld auszahlen lassen – doch plötzlich ist die Handelsplattform nicht mehr erreichbar und Salomé auch nicht. In diesem Moment erkennt Christian, dass er Opfer eines Love-Scams geworden ist – mit einem Schaden von 52.000 Euro. Er schaltet die Kripo ein, doch das Verfahren wird wegen fehlender Erfolgsaussichten eingestellt, denn es geht in solchen Fällen ja nicht nur darum, den Täter zu finden.
Virginie Wegner, Landeskriminalamt Hessen
Die Herausforderung für die Polizei ist aber das Geld wiederzubekommen. Denn die Opfer transferieren dieses Geld häufig per WesternUnion in das Ausland und dort wird es sofort weitergeleitet und ist am Ende oftmals dann auch weg.“
Neben dem finanziellen Verlust belasten ihn vor allem die psychischen Folgen. Christian fällt in eine Depression. 
Christian Löffler, Scamming-Opfer
Ich war wütend. Ich war paradoxerweise nicht wütend auf die Betrüger, sondern auf mich selbst. Dass ich so blind, blauäugig und dumm gewesen bin.“
Rückblickend fallen dem 41-Jährigen verdächtige Details auf: Salomé lehnte Telefonate und Videocalls konsequent ab und schickt ausschließlich Fotos. Ob die Person auf den Bildern real war, wird Christian wohl nie erfahren – sicher ist nur: Es war nie Salomé.