Bad Nauheimer Windmühle dreht sich wieder

Für die Bad Nauheimer war das gestern ein großer Tag: Nach mehr als 200 Jahren hat der alte Mühlenturm am Gradierwerk „Lange Wand“ seine Flügel zurück. Die waren bei einem Orkan im Jahr 1824 zerstört und dann einfach nicht wieder angebracht worden – bis sich ein Bad Nauheimer Förderverein nun der Sache annahm.  

Auf diesen Moment mussten die Menschen in Bad Nauheim genau 202 Jahre lang warten: Am alten Salinen-Windmühlenturm drehen sich endlich wieder die Flügel. Wenn auch nicht im Wind: Weil hier heute praktisch kein Lüftchen geht, müssen ein paar Anschieber von innen ein bisschen nachhelfen. Macht aber nichts – die Freude bei den Bad Nauheimern ist trotzdem groß.
Monika Gröninger: „Ich bin begeistert. Oder wir sind begeistert. Einfach toll! Schön anzusehen. So was gibt’s ja ganz selten überhaupt noch. Und insofern: Man sieht’s ja an den Menschen, die hier sind. Die sind alle begeistert. Und bei so nem Wetter: Es gibt nix Schöneres.“ 
Daniel Herrlein: „Die Bad Nauheimer Bürger sind sehr froh, dass jetzt hier ein weiterer Meilenstein, eine weitere Attraktion und ein wichtiges Ereignis, ein wichtiger Bau stattgefunden hat.“ 
Jörg Reuter: „Wir finden das fantastisch. Und es wird wahrscheinlich auch das neue Stadtbild von Bad Nauheim prägen. Wir fühlen uns wohl. Darf ruhig noch 100 Jahre stehen.“ 
Dabei hatten die Bad Nauheimer im Laufe der Jahrhunderte fast schon vergessen, was es mit dem Turm am Gradierwerk mal auf sich hatte: Er diente ursprünglich dazu, das Salzwasser über die Salinen zu pumpen um gesunde salzhaltige Luft für die Kurgäste zu produzieren.
Thomas Schwab, Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim e.V.: „Wenn man die Besucher gefragt hat, selbst die Schüler die haben gesagt: Das war ein Wachturm der Römer. Und die abenteuerlichsten Dinge haben die erzählt. Aber dass das mal eine Windmühle war, um Pumpen zu bewegen, das war eigentlich nur den eingeweihten Nauheimer Historikern bekannt.“ (14 Sek)
Auf Betreiben des Fördervereins „Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim“ wurde die Mühle in den vergangenen Monaten quasi in den Originalzustand zurückversetzt. Neben den weithin sichtbaren Flügeln gilt das auch für das Innenleben: So wurde etwa das so genannte „Krüwerk“ komplett erneuert.
Gert Möller, Mühlenbauer: „Man kann diese Mühle jetzt komplett drehen, aber von Hand. Und zwar genau so, wie man das um 1750 auch konnte.“ 
Mit Ausnahme von vier stabilen Stahlschienen an den Flügeln haben die Mühlenbauer dabei nur Materialien benutzt, die auch schon vor 200 Jahren zum Einsatz kamen: Vor allem Lärchen- und Eichenholz.
Thomas Schwab, Wind- und Wasserkunst Bad Nauheim e.V.: „Wir haben Leute gehabt, die haben gesagt: Das könnt Ihr doch alles mit einem Elektromotor machen. Aber unser Anliegen war, die Mühle nach historischem Vorbild wiederherzustellen.“ 
Und das ist im Fall der Bad Nauheimer Windmühle offenbar ziemlich gut gelungen: Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zeigt sich hoch erfreut und übernimmt einen großen Teil der Baukosten. Der Rest wird über Spenden finanziert. So bald wie möglich sollen die neuen Windmühlenflügel jetzt noch nach historischem Vorbild mit Segeltuch bespannt werden – spätestens dann dürften sich das Windrad auch wieder ganz von allein im Kreis drehen.