Skulpturen Triennale in Bingen

Und jetzt geht’s bei uns um Kunst. Bei diesem Wetter gehen wir nicht ins Museum, sondern auf eine XXL-Freiluftschau in Bingen. Die Skulpturen Triennale.  24 besondere Werke sind entlang des Rheinufers aufgebaut. Kunstwerke unter freiem Himmel, bei freiem Eintritt, für jedermann zugänglich.

 

Fragile Kunstwerke, die durch ihre Umgebung – durch den Einfluss von Sonne und Wind zum Leben erweckt werden. Und stabile Kunstwerke, die zu einem Ort der Begegnung werden. So, wie die Installation „The talk of the town“ von Lena Marie Emrich
Lena Marie Emrich, Künstlerin:
„Durch das digitale Zeitalter sind wir viel am Phone und verschwinden auch so ein bisschen ins Digitale. Und manchmal ist es schön eine Öffnung zu geben durch ein physisches Zusammenkommen. (…) Und das Schöne an der Skulptur ist, dass sie erst funktioniert, wenn man Platz nimmt. Also der Besucher aktiviert die Skulptur.“
Passend zum Leitspruch der Ausstellung – Verbindung und Zusammenhalt – wird die Frage gestellt: Wie können wir es schaffen, dass ein „WIR“ wieder gelingt? Zum Beispiel, indem Michael Sailstorfer diesen Treibstoff-Tank eines Kampfjets in einen riesigen Holzofen umfunktioniert. 
Michael Sailstorfer, Künstler:
„Eigentlich geht es darum das Objekt zu entwaffnen. Es kann nicht mehr benutzt werden zur Kriegsführung. (…) Und die Bürger sind aufgefordert das Teil zu benutzen, sich zu treffen, einzuheizen. Das Ding spendet Wärme, was Positives. Und es wird eigentlich eine Art Versammlungsort.“ 
Diese beiden Brückenteile, die an ein bekanntes schwedisches Holzspielzeug angelehnt sind, sollen eine neue Sitzgelegengeit entlang des Ufers schaffen. Die Brücke – eigentlich ja das Symbol für Verbindung und Verständigung.  
Max Brück, Künstler:
„Aber man muss natürlich auch dazu sagen, dass die Brückenteile jetzt gerade nicht funktionieren. Diese Brücke gerade nicht geschlagen wird. Sondern das eine Element umgekippt ist. Das andere liegt darauf. Also da ist eine Verbindung, die aber gerade nicht stattfinden kann. Und das kann man natürlich auch sehr gut in gesellschaftliche Prozesse und Zustände übertragen.“ 
Zwei – mehr als vier Meter hohe Scheren, miteinander verschränkt. Das Werk der international renommierten Medien- und Performancekünstlerin Valie Export. Als Symbol für den ‚Schnitt‘, der trennen aber auch neues verbinden kann. 
Eines von 24 Werken dieser großen, kostenlosen Freiluftausstellung der Gerda & Pieroth Stiftung, die Kunstwerke raus aus dem Museum, rein in die Natur und an die frische Luft holt. Solidarität, Unterstützung, Gemeinschaft. Besonders gefragt  in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Umbrüche. 
Sara Bernshausen, Kuratorin:
„Es gibt unruhige Zeiten, die Welt verändert sich. Vieles vieles  ist im Umbruch. Und die Suche nach einem Halt ist, glaube, nicht nur eine Sehnsucht, sondern auch der Wunsch nach einem ‚Wir‘ und nach einer Gemeinschaft.“ 
Bis zum 4. Oktober sind die ganz unterschiedlichen Kunstwerke entlang des Rheinufers noch zu sehen. So lange sind Besucher dazu eingeladen, sich nicht nur auf die Kunst, sondern auch auf das Miteinander einzulassen.