Kostendruck bei der Luftrettung

Wenn bei der Menschenrettung jede Sekunde zählt, ist er da. Der Rettungshubschrauber Christoph 10 aus dem rheinland-pfälzischen Bernkastel-Wittlich. Die Retter  aus der Luft klagen aber zunehmend über schwierigerer Rahmenbedingungen. Grund dafür ist der aktuelle Gesetzentwurf zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung. Deutsche Luftrettungsorganisationen warnen vor gravierenden Folgen einer möglichen Kostendeckelung.

Wenn für „Christoph 10“ der Alarm losgeht, zählt jede Sekunde. Nach einem kurzen Check hebt der Rettungshubschrauber ab. Der Einsatz diesmal: ein bewusstloser Mann mit akuter Atemnot. Lebensgefahr.
Simon Hübenthal, Notfallsanitäter: „Das kann ein Krampfanfall gewesen sein. Das kann durchaus ein Schlaganfall gewesen sein, wenn man jetzt neurologisch überlegt. Es kann eine Aspiration gewesen sein.“ (9)
Dem Mann wird noch vor Ort ein Beatmungsschlauch gelegt. Dann gehts mit dem Rettungswagen ins nächste Krankenhaus. Die Luftretter aus Bernkastel-Wittlich fliegen Einsätze in einem Radius von bis zu 70 Kilometern — bei fast jedem Wetter. Gut 1750 Einsätze waren es allein im vergangenen Jahr. An Bord: Pilot, Notfallsanitäter und Notarzt. Genau diese hochqualifizierten Fachkräfte stehen im Zentrum der aktuellen Diskussion.
Martin Schiffarth, Regionalleiter ADAC Luftrettung: „Die Luftrettung ist ein Teil der kritischen Infrastruktur. Wir sind ein Teil, natürlich auch im Katastrophenschutz aktiv, wenn wir gefordert sind, üblicherweise aber in der Notfallrettung von Menschenleben. Das heißt wir sind da und wir sind permanent da und das braucht natürlich auch eine finanzielle Basis.“ (17)
Diese finanzielle Basis ist durch den aktuellen Gesetzentwurf der gesetzlichen Krankenkassen jetzt aber in Gefahr. Denn die Kosten steigen, für Treibstoff, Material, Technik, Personal:
Frédéric Bruder, Geschäftsführer ADAC Luftrettung: „Die steigenden Kosten, die wir jährlich alle erleben aus vielerlei Beweggründen heraus, würden zukünftig nicht mehr in Gänze refinanziert werden können und das hat den doppelt negativen Effekt, dass die Finanzierung sich immer auf das Vorjahr bezieht. Das heißt wenn ich in einem Jahr in der Unterdeckung bin, im nächsten Jahr diese Unterdeckung gar nicht mehr aufholen kann, sondern noch eine weitere Unterdeckung dazu kommt. Und das ist wie ein negativer Zinseszins-Effekt. (21)
Besonders auf dem Land wächst die Sorge. Weil Kliniken schließen und Transportwege länger werden, gewinnt die Luftrettung weiter an Bedeutung. Das zeigt auch der nächste Einsatz: Ein Motorradfahrer wird bei einem Unfall schwer verletzt und muss schnellstmöglich ins nächste Krankenhaus gebracht werden.
Simon Hübenthal, Notfallsanitäter: „Wir hatten glaub ich ungefähr eine Flugzeit von 20 Minuten, Bodengebunden wäre das wahrscheinlich knapp eine Stunde gewesen, die wir unterwegs gewesen wären.“ (6)
Für die Betreiber ist klar: An der Luftrettung lasse sich kaum sparen, sehr sind die Anforderungen gestiegen. Zudem spart schnelle Hilfe langfristig Kosten.
Frédéric Bruder, Geschäftsführer ADAC Luftrettung: „Nehmen Sie einen Schlaganfall Patienten, der mit dem Hubschrauber schnell gerettet wird, schnell in eine Stroke-Unit kommt, dementsprechend eine sehr hohe Chance hat wieder zu genesen, Steuern zu bezahlen, arbeiten zu gehen, verglichen mit einem Patienten, einer Patientin, die keine schnelle Hilfe bekommt, möglicherweise dadurch ein Leben lang, eine Schwerbehinderung mit sich trägt, am Arbeitsmarkt nicht mehr so eingesetzt werden kann. “ (27)
Die Debatte zeige vor allem eins: Der Spardruck im Gesundheitssystem könne längst über Leben und Tod entscheiden. Die Besatzung von „Christoph 10“ rettet täglich Menschenleben – und das soll auch in Zukunft gewährleistet bleiben.