Wäller Wichtel erfüllen Herzenswünsche

So sieht er aus der Wäller Wunsch-Wichtel. Also der Wunschwichtel aus dem Westerwald. Die Initiative „Wäller helfen“ hat es sich zum Ziel gesetzt, dass Wünsche von Seniorenheimbewohnern und Waisenkindern aus der Region erfüllt werden. Große und eher Bescheidene.  Gestern wurde für eine 90-Jährige Bewohnerin des Seniorenheims in Montabaur IHR Wunsch wahr.

Helga Schmidt ist überglücklich – seit Jahren ist es das erste Mal, dass sie einen Hund streichelt. Doch von vorne.
Alles beginnt mit diesem Wunsch, den die Bewohnerin des Seniorenheims in Montabaur aufschreibt und in die Wunschbox schmeißt: Eis essen gehen mit jemandem, der einen Hund hat. Denn die 90-Jährige hatte früher selbst Hunde.
„Ich hatt die immer aus dem Tierheim geholt. Weil die mir leid taten. Die wurden ausgesetzt und keiner wollt sie haben, weil sie nicht die Norm hatten.“ – „Aber das waren egal welche Hunde? Querbeet?“ – „Ja, alle Hunde mag ich gerne.“
Das passt perfekt, denkt sich Janine Otto aus Wahlrod als sie von dem Wunsch der Seniorin erfährt. Denn ihr Hund Milo ist superlieb und war schon oft im Altenheim. Also beschließt sie: ich werde Wunscherfüllerin.
Janine Otto, Wunscherfüllerin aus Wahlrod: „Wenn von außenstehend Jemand mit nem kleinen Wunsch ne große Freude machen kann, dann mach ich das sehr gerne. Nächstenliebe und den Egoismus bisschen runterschrauben.“
Genau das ist das Konzept des Wäller Wunsch-Wichtels. In 10 Einrichtungen für Behinderte, Senioren- und Kinderheimen steht eine Wunschbox, die die Bewohner befüllen können. Die Wünsche werden dann auf eine Internetseite gestellt und können dort von jedem eingesehen und erfüllt werden. Initiator ist der Verein „Wäller Helfen – gemeinsam statt einsam“.
Björn Flick, Geschäftsführer Wäller helfen e.V.: „Wir haben angefangen als Nachbarschaftshilfeverein. Und genau das ist eigentlich auch unser Thema. Und wir bringen einfach die Menschen zusammen, die Unterstützung oder Hilfe brauchen, mit denen, die bereit sind freiwillig diese Aufgaben zu machen.“
Zahlreiche Wünsche sind in diesem Jahr schon in Erfüllung gegangen. Ein Besuch im Schmetterlingsgarten, ein schöner Blumenstrauß oder etwas Vorgelesen bekommen.
Stephanie König, Leiterin Azurit Seniorenzentrum Montabaur: „Wir haben tatsächlich auch eine Seniorin, die sich eine Salamipizza gewünscht hat. Aber tatsächlich sind die meisten Wünsche gemeinsame Zeit, gemeinsame Gespräche, um einfach nicht so alleine zu sein.“
Andrea Stühn (63 J.), Bewohnerin Seniorenzentrum Montabaur: „Seit wir ja die Pandemie hatten, Corona, um dat nur als Beispiel zu nennen, hat man sich ja sehr auseinander gelebt. Und ich finde der Zusammenhalt ist besonders wichtig. Dat Zwischenmenschliche soll wieder in den Vordergrund gerückt werden. Unbedingt.“
Wie wichtig das ist, sieht man am ersten Zusammentreffen von Helga Schmidt und Hund Milo. Emotionen pur!
Oooooh, darf ich ihn mal anfassen?“ – „Natürlich!“ – „Ja, och Gott. Du bist aber en Lieber!“ – „Der ist lieb, ja!“ – „Du bist aber ein Lieber.“
Nach dem ersten Beschnuppern gehts mit Hund Milo dann in die Eisdiele in Montabaur. Ein Amarenabecher soll es sein. Den wünscht sich Helga Schmidt.
Ooooh danke! Ich hoffe du hast großen Hunger Helga!“ – „Schmeckts Ihnen Frau Schmidt?“ – „Ja, lecker!“ – „Das ist gut! Mir auch!“
Zurück im Seniorenzentrum heißt es für die 90-Jährige vorerst Abschied nehmen von Hund Milo. Was bleibt ist die Erinnerung an gemeinsame Zeit und ein besonderes Erlebnis.
„Eis geht ja immer.“ – „Ja, dat schmilzt auch im Bauch. Dann isset weg!“ [lacht]