Schule kämpft für mentale Gesundheit

Pubertät, Liebeskummer, schlechte Noten, Stress im Freundeskreis oder der Familie. Probleme, die erstmal klein gedacht werden, aber am Ende für Einzelpersonen direkte Auswirkungen auf das Leben haben können. Laut dem DAK Kinder- und Jugendreport nehmen Angststörungen und Depressionen weiter zu. Die Fallzahlen für Hessen liegen sogar über dem Bundesdurchschnitt. Die Rackow-Schule in Frankfurt hat sich dem Thema angenommen. Seit 2023 wird hier von der fünften bis zur 12. Klasse „Life Skills“ unterrichtet. Ein neuartiges Schulfach, dass psychische und mentale Gesundheit in den Fokus rückt.

Hier stehen nicht Arbeitsblätter im Mittelpunkt, sondern Gefühle! In „Life Skills“ geht es ums Zuhören und um gegenseitiges Verständnis. Jede Stunde beginnt mit einem Check-In. Wie geht es uns heute? Welche Emotionen fühlen wir? Die Kinder tauschen sich offen aus und stellen einander Fragen.
Emir Ali: „Es ist ein tolles Fach, man lernt auch sehr viel über mentale Sachen.
Lais: „Also wenn man halt seine Gefühle anspricht, es fühlt sich halt gut an. Wenn jetzt zum Beispiel die ganze Zeit was im Herzen hat und es nicht sagen kann und es dann sagt, dann öffnet sich so ein Schloss in deinem Herzen.“ 
Mehmet Ali: „Vielleicht wird man so gemobbt oder so und dann geht’s halt einem nicht so gut. Und dann will man halt da so frei drüber reden, anstatt alleine in seinem Zimmer so, dann ist man halt so traurig.“ 
Die Idee zu Life Skills stammt von Schulleiter Michael Damm und Lehrer Marius Dinnes. Sie wollen, entgegen den Erfahrungen aus ihrer Schulzeit, einen geschützten Raum schaffen, in dem persönliche Themen und individuelle Entwicklung Platz haben. Wichtig dabei: „Life Skills“ soll keine bloße Projektwoche bleiben, sondern fest im Stundenplan verankert werden.
Michael Damm, Schulleiter Rackow-Schule Frankfurt: „Schule hat ja generell erstmal die Verantwortung junge Menschen aufs Leben vorzubereiten und eben nicht nur fachlich und sachlich aufs Leben vorzubereiten, sondern vor allem auch persönlich und menschlich aufs Leben vorzubereiten. Alles, was in der Schule passiert, ist wenn an so will präventiv.“ 
Das Fach soll Kinder zu mentalen Ersthelfern im Alltag machen. Lehrer Marius Dinnes, Ausbilder für psychologische Selbsthilfe, hat dafür verschiedene Konzepte entwickelt – darunter „HALT“.
Ela: „H bedeutet so Hinsehen, A ansprechen, L lauschen und T teile Hilfe.“ 
Ayden: „Als ich eine schlechte Note geschrieben hab saß ich dann halt nur so rum. Und dann kamen halt paar Klassenkameraden zu mir und haben dann HALT bei mir angewendet. Am Ende haben die mich motiviert, dann wurde ich wieder glücklicher.“ 
Für „Life Skills“ wurden andere Ganztagsangebote gekürzt oder gestrichen – die Kosten bleiben  dadurch unverändert. Das Fach wird jedes Jahr evaluiert – mit positivem Feedback von Eltern und Schülern. Auch die Lehrkräfte spüren die Wirkung direkt im Unterricht.
Marius Dinnes: Situationen, in denen man merkt ‚Boah hier ist jetzt gerade irgendwas geteilt worden, was super emotional ist, wo dann auch ganz oft geklatscht wird von den anderen Schülerinnen und Schülern, dass Leute sich melden und sagen ‚Ja ich kenn das auch, mir geht’s auch so‘. Ja da ist ganz viel Feingefühl entstanden.“ 
Wo sensible Themen besprochen werden, braucht es professionelle Unterstützung. Deshalb arbeitet die Schule eng mit Kinder- und Jugendpsychologiepraxen zusammen und bietet Einzelberatungen an. In den unteren Klassen geht es um Selbstwirksamkeit und Identität, in der Oberstufe auch um psychische Erkrankungen.
Marius Dinnes, Lehrer Rackow-Schule Frankfurt: „Depressionen, Angststörungen, selbstverletzendes Verhalten, verschiedene psychische Störungsbilder eben zu erkennen und dann eben auch zu wissen, wie gehen ich adäquat mit den Menschen um? Zum Beispiel eine Person mit einer Essstörung braucht eine andere Ansprache als eine depressive Person.“ 
Das Fach „Life Skills“ soll weiter wachsen. Dafür entsteht aktuell unter anderem ein Fortbildungskonzept für Lehrkräfte. Sicher ist: Auch nach den Sommerferien sollen die Schüler weiter einen geschützten Raum für ihre Themen haben.