Jahresbericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus

Können Juden in Deutschland frei ihre Religion ausleben? Nein – so klar antwortet der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker heute bei der Vorstellung des RIAS-Jahresberichts. Die Bilanz ist erschreckend: Beschimpfungen, Bedrohungen, Angriffe gegen Juden in Hessen haben erneut einen Höchststand erreicht.

 

August 2025: Am Rande eines linken Protestcamps im Frankfurter Grüneburgpark eskaliert eine Diskussion. Jüdische Aktivisten werden mit Farbbeuteln attackiert. Zuvor hatten sie versucht Plakate mit Bildern der Hamas-Geseln im Park aufzuhängen.
Nur einer von 27 tätlichen Angriffen gegen Juden, die die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus – kurz RIAS – im vergangenen Jahr in Hessen dokumentiert hat. Fast 1.100 antisemitische Vorfälle sind es insgesamt – ein neuer Höchststand.
Uwe Becker (CDU) – Antisemitismus Beauftragter Land Hessen 
„Jüdisches Leben steht im Moment auf dem Spiel. Die Bedrohung für jüdisches Leben in Deutschland und auch in Hessen war noch nie so schlimm seit der Schoa, wie im Augenblick. Jüdinnen und Juden haben schlicht Angst und das sehen wir in diesen enorm wachsenden Zahlen.“
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Seit RIAS 2022 damit begonnen hat, antisemitische Vorfälle – wie Beleidigungen, Bedrohungen und Angriffe – in Hessen zu dokumentieren, steigen die Zahlen jedes Jahr. Den stärksten Sprung gibt es 2023 – nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober. Dabei kommen die Übergriffe sowohl vom politisch rechten als auch linken Rand, aber auch zunehmend aus der Mitte der Gesellschaft. 
Hotspot für Antisemitismus in Hessen ist Frankfurt. Insbesondere an Schulen nähmen die Vorfälle zu. Marc Grünbaum von der Jüdischen Gemeinde Frankfurt berichtet von Kindern, die mit dem Hitlergruß begrüßt werden und von antisemitischen Schmierereien im Klassenzimmer.
Marc Grünbaum – Jüdische Gemeinde Frankfurt 
„Das kann aber auch so weit gehen, dass Kinder ausgegrenzt werden, weil sie jüdisch sind. Also schlichtweg, dass man nicht mit Ihnen spricht, dass man nicht mit ihnen spielt und dass man nichts mit Ihnen zu tun haben will und das auch deutlich kommuniziert. Bis hin zu körperlichen Übergriffen“
Der Staat reagiere, meint Hessens Antisemitismus Beauftragter Uwe Becker. Doch Gesetze und Strafverfolgung allein würden das Problem nicht lösen.
Uwe Becker (CDU) – Antisemitismus Beauftragter Land Hessen 
„Wir alle sind gefordert. Der Staat tut eine Menge, von Bildung, bis hin zu Repressionen im Bereich der Strafverfolgung. Aber wir müssen verstehen, dass das Engagement für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus uns alle angeht. Überall kann jede und jeder etwas dazu beitragen, man kann sich um jüdisches Leben kümmern und man kann dort, wo antisemitische Äußerungen kommen Position beziehen. Es ist Haltung gefragt.“
Haltung – die oft fehlt, aber die mit darüber entscheiden wird, ob Juden in Deutschland wieder offen und frei Leben können.