Queeres Pflegeheim in Frankfurt

Der Reichstag in Berlin gestern. Als Zeichen für den Kampf gegen Diskriminierung weht die Regenbogenflagge am Bundestag. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner aus Bad Kreuznach sprach sich klar FÜR die Akzeptanz unterschiedlicher Lebensweisen aus. Ein lebendiges Beispiel dafür ist die Regenbogenpflege in Frankfurt, eine Altenpflegeeinrichtung für alle Menschen, gleich welcher Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung.

Burlesque Tanzen im Altersheim – nichts was klassischen Vorstellungen von einer Seniorenresidenz entspricht. Und trotzdem nichts, was die Bewohner des Julie-Roger-Hauses überrascht. Denn hier wird Queerness offen gelebt.
Martina Büttner, Angehörige: Meine Frau ist hier im Haus als Bewohnerin seit drei Jahren. Das Roger-Haus feiert wunderbare Feste, das ist für sie gut, das ist für mich gut, das ist für meine Lebensgefährtin gut. Das macht einfach Spaß, hier zu sein. 
Brigitte Händel, Bewohnerin: Es ist schön, es ist unterhaltsam für alt und für jung. Es gibt viele alte Leute, die freuen sich genauso. 
Michael Gratenau, Bewohner: Das ist ja hier ein Motto des Hauses, dass man hier besonders tolerant zu den queeren Personen sein will und das akzeptier ich so. 
Seit 2014 lässt sich das Pflegeheim als erstes in Deutschland mit dem Regenbogenschlüssel zertifizieren. Das bedeutet nicht, dass hier alle Bewohner queer sind, sondern die Toleranz steht im Vordergrund.
Armin Blum, Hausleitung:  Wir haben immer noch die Generation, die heute in Pflegeheimen ist, die verfolgt wurden, die Familien gegründet haben, einfach weil es sich so gehört hat. Und wir haben hier im Haus mehrere Outings erlebt von Menschen, die 70, 80 und noch älter waren. Die plötzlich aufatmen konnten. 
Der Unterschied zu anderen Altenheimen: Die 50er-Jahre Einrichtung, Lesungen und Ausstellungen, die queere Themen ansprechen oder Tanzabende wie diese, die oft Auslöser für Outings bei den Senioren sind. Die Mitarbeiter werden für solche Fälle geschult. So wie Empathiebeauftragter Thomas Kämmer.
Thomas Kämmer, Empathiebeauftragter: Ich finde es toll, dass ich so eine Anlaufstelle bin für die Bewohner und die Mitarbeiter und die Angehörigen, die eben Probleme haben mit irgendwas umzugehen. Oder auch ganz wichtig für Bewohner, die sexuelle Anfragen auch mal haben und schüchtern sind, auch mal darüber zu sprechen, weil sie früher das verschweigen mussten. 
Im Julie-Roger Haus wird kein Bewohner gezwungen, das Konzept mitzutragen oder an den Veranstaltungen teilzunehmen. Jeder darf weiterleben, wie gewohnt.
Gaby Grossbach, Diversitätsbeauftragte: Wenn man tolerant miteinander umgehen kann und auch immer wieder darauf hinweist, das sehe ich jetzt nicht als Erziehung, sondern einfach als einen Vorschlag. Den kann man annehmen oder man kann ihn nicht annehmen. Und auch damit müssen wir natürlich umgehen. 
Auch von Anfeindungen von außen bliebe die Initiative Regenbogenpflege nicht verschont. Bewohner und Mitarbeiter lassen sich davon ihren Spaß bei Abenden wie dem Tanz im Mai aber nicht verderben.