Portrait des neuen Ministerpräsidenten
Jetzt ist er Ministerpräsident. Gordon Schnieder, aus Birresborn in der Eifel. In seiner Heimat ist er tief verwurzelt und bezeichnet das 1.000 Einwohnerdorf als seinen Rückzugsort und Anker. Wir blicken jetzt in den Ort, in dem der neue Landeschef zuhause ist.
CDU 31, SPD 26. Fast das exakte Endergebnis der rheinland-pfälzischen Landtagswahl. Handschriftlich verewigt, auf einem Kellnerblock im Restaurant des Hotels zur Krone im Eifelörtchen Birresborn.
Inhaber Roland Göres ist ein Kindheitsfreund von Gordon Schnieder. Wenn mal Zeit ist, spielen sie zusammen Karten. Kurz vor der Landtagswahl am 22. März spekulieren die beiden über deren Ausgang. Gordon Schnieder will seinen Tipp aufschreiben.
Roland Göres, Hotel Krone Birresborn : „Sonntags nach seinem Wahlgang als er gewählt hat, kam er mit der Familie zum Essen. Da habe ich ihm ein Couvert gegeben und einen Zettel und Kugelschreiber. Er hat auf den Zettel notiert, zugeklebt und mir gegeben. Ich durfte es Sonntagsabends um 20 Uhr aufmachen. Und dann stand da halt 31 CDU, 26 SPD, fast ne Punktlandung. Da hab ich ein schönes frisches Bier gezapft, den Zettel dazugelegt und ihm geschickt und herzlichen Glückwunsch gewunschen.“
Verlässlich, ehrlich, pragmatisch. So beschreibt Roland Göres seinen Freund.
Wenn Gordon Schnieder über seine Heimat spricht, leuchten seine Augen.
Gordon Schnieder (CDU), Ministerpräsident Rheinland-Pfalz: „Jeder kennt jeden. Wir sprechen die gleiche Sprache, das Eifeler Platt. Da kann man sich auch nicht verstellen, weil alle einen kennen und zwar von klein auf. Da gilt eben noch das Wort, da zählt auch noch der Handschlag und das prägt einen. Ich bin in einem Mehrgenerationenhaus großgeworden, unsere Großmutter hat mit uns da gelebt. Wir sind vier Geschwister, da war immer was los zuhause. Auch das sind alles prägende Dinge.“
In Birresborn ist Gordon Schnieder viele Jahre Vorsitzender des Musikvereins und übernimmt kommunalpolitisch Verantwortung, ist von 2014-2019 Ortsbürgermeister.
Christiane Stahl tritt damals gegen ihn an, verliert knapp und wird seine Beigeordnete. Bis 2019 arbeitet sie eng mit Gordon Schnieder zusammen und beerbt ihn schließlich im Amt.
Christiane Stahl (parteilos), Ortsbürgermeisterin Birresborn: „Gordon hat es sehr gewertschätzt, dass er selbst in diesem Amt sein konnte. Er hat das genossen, er hat gesagt, das ist unmittelbar und das schönste Amt. Und ich denke, vielleicht ändert sich das jetzt auch noch, ja. Aber dieser unmittelbare Kontakt zur Bevölkerung und Jubilare gratulieren, das war ihm sehr wertvoll. Und ich denke, es ist wie in anderen Berufen auch. Von der Pike auf gelernt, ist was anderes als an einem Schreibtisch schulisch was gelernt zu haben.“
Mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, ansprechbar und verlässlich bleiben, das hat Gordon Schnieder sich fürs neue Amt fest vorgenommen. Und, trotz eines bald noch volleren Terminkalenders immer wieder Zeit für die Familie schaffen.
Gordon Schnieder (CDU), Ministerpräsident Rheinland-Pfalz „Ich war in den letzten Jahren schon unwahrscheinlich viel unterwegs. Wichtig ist, dass ich aber mehrfach die Woche auch zuhause bin. Dass wir zumindest morgens beim Frühstück dann zusammen sind. Dass die Kinder auch mir erzählen können, was in der Schule passiert ist. Wir telefonieren jetzt mindestens dreimal am Tag, das werden wir auch künftig so weitermachen.“
Wir sind Ministerpräsident, hört man den ein oder anderen in Birresborn sagen. Der Ort ist stolz auf einen seiner prominentesten Söhne.


