Neues Konzept für Pflegeausbildung

Der Pflegenotstand in Deutschland verschärft sich weiter. Immer mehr ältere Pflegekräfte gehen in den Ruhestand, während gleichzeitig der Bedarf an Betreuung steigt. Umso wichtiger ist es, junge Menschen frühzeitig für den Beruf zu begeistern und sie praxisnah auszubilden. Im Klinikum Hersfeld-Rotenburg setzt man dafür auf ein besonderes Konzept: eine Schulstation, in der Auszubildende schon früh eigenständig Verantwortung im Klinikalltag übernehmen.

 

Medikamente vorbereiten, Pflegemaßnahmen dokumentieren oder Patienten versorgen – eigentlich sind das Aufgaben einer Pflegefachkraft. Hier in der Geriatrie, also der Station für Altersmedizin, übernehmen das allerdings Auszubildende – unter Aufsicht der PraxisanleiterMariell Barite ist eine von ihnen. Auf der Schulstation organisiert sie gemeinsam mit den anderen Azubis den Alltag weitgehend eigenständig.
Mariell Barite, Auszubildende im 2. Lehrjahr 
„Ich kann mich viel mehr entfalten auf einer Schulstation, weil hier wird halt explizit drauf geachtet, dass die Auszubildenden viel was machen, ihr Wissen zeigen können. Auf einer normalen Station ist das halt eher nicht so. Dann sind all die examinierten Fachkräfte vor Ort und übernehmen vieles. Also auf einer Schulstation kann ich wirklich sagen, dass man halt sein Wissen wirklich überprüfen kann und schauen, ob man das alles weiß und wo halt die Defizite sind.“
Die Schulstation ist fester Bestandteil des Klinikalltags. Dort werden insgesamt sieben Patienten betreut. Je nach Schicht sind ein bis fünf Auszubildende im Einsatz.
Das Pilotprojekt startet vor einem Jahr in der Unfallchirurgie und wird seit Februar auch in der Geriatrie umgesetzt. Steven Bruder leitet das Projekt des Klinikum Hersfeld-Rotenburg und tauscht sich regelmäßig mit seinen Schülern aus.
Steven Bruder, Berufspädagoge für Pflege- und Gesundheitsberufe 
„Also sie können wirklich Theorie und Praxis super verknüpfen, indem sie später den ganzen Pflegeprozess begleiten, von der Aufnahme bis über das Ausarbeiten von Kurven, bis hin zum Stellen von Medikation und in den normalen Einsätzen bekommen sie diesbezüglich immer nur kurze Einblick. Hier haben sie wirklich die Möglichkeit die Patientinnen und Patienten über den gesamten Krankenhausaufenthalt in ihrem kleinen Team zu begleiten.“
Die Schulstation kommt sowohl bei den Patienten als auch bei den Kollegen gut an. Katja BrillStache ist Stationsleiterin und begleitet die Auszubildenden. Sie sieht in der Lernstation nicht nur Vorteile für die Ausbildung, sondern auch für die Zeit danach.
Katja BrillStache, Stationsleitung Geriatrie 
„Also der Übergang ist auf jeden Fall leichter, wir haben einige Kollegen, die wir betreuen von Examen in die richtige Arbeitswelt. Dadurch das sie einfach offener sind, dass sie selbstständiger arbeiten ist, das natürlich auch leichter.“
Für Mariell Barite hat die Schulstation vor allem eines verändert: Sie ist selbstbewusster geworden und traut sich mehr zu. Im Team gewinnt sie Schritt für Schritt Sicherheit im Pflegealltag – Erfahrungen, die sie auf einer regulären Station in dieser Form erst deutlich später gemacht hätte.