Lücke der A 44 – Dörfer fürchten mehr Lärmbelastung

Schon seit der Wiedervereinigung wird sie geplant und gebaut, die A44 zwischen Hessen und Thüringen. Mit geschätzten 2,8 Milliarden Euro Baukosten gilt sie als teuerste Autobahn Deutschlands. Am Dienstag wurde ein weiteres Teilstück zwischen Herleshausen und Sontra für den Verkehr freigegeben. Dort fürchten angrenzende Ortschaften nun, vom Verkehr überrollt zu werden. Denn bis der Ausbau der A44 abgeschlossen ist, wird es noch Jahre dauern.

 

Ulfen ist ein Stadtteil von Sontra, idyllisch gelegen im WerraMeißner-Kreis. Doch die Idylle trügt. Der Ort zählt rund 500 Einwohner – und stolze 1000 Fahrzeuge pro Stunde. Am heutigen Brückentag geht es noch vergleichsweise ruhig zu. Die Anwohner fühlen sich aber mit dem stetig zunehmenden Verkehr im Stich gelassen.
Florian Voigt 
Mit meinem kleinen Kind ist es total schwierig, die Straße noch zu queren, sicher. Jetzt im Sommer mag’s noch gehen, aber wenn jetzt die Winterzeit anbricht und es ist Dämmerung, nichts beleuchtet, da muss man schnell rennen.
Adrian Rimbach
Nachts kann man nicht mehr wirklich schlafen. Gefahr ist für mich hier eindeutig im Verzug, weil man auch nicht mehr richtig queren kann. Auch tagsüber muss man immer aufpassen, immer. Es gibt keine Beleuchtung, keinen Zebrastreifen, keine Blitzeranlage, die die Geschwindigkeit kontrolliert.
Hartmut Sippel 
Für mich persönlich ist das unerträglich. Zumal ich jeden Tag über diese Kreuzung muss, mit dem stark befahrenen Verkehr. Es ist, also wirklich… Auch für mich ist diese B400 persönlich lebensgefährlich.
Die Sorge ist groß, dass sich die Probleme mit dem Ausbau der A44 weiter verschärfen. Die soll künftig Kassel mit Herleshausen an der A4 verbinden. Doch bei Sontra fehlen noch Teilstücke, die frühestens 2030 fertig werden. Der nun freigegebene neun Kilometer lange Abschnitt der A44 bei Herleshausen bringt eine Zeitersparnis von gut 10 Minuten. Wo er endet, fahren Autos und LKW dann über die B400 weiter durch Orte wie Ulfen, zum Leidwesen der Anwohner. Die fordern seit Jahrzehnten einen Zebrastreifen oder eine Ampel für Fußgänger, um solche Situationen zu vermeiden.
Michael Stein (CDU), Ortsvorsteher Ulfen 
Das ist immer wieder abgelehnt worden, einmal mit der Begründung, dass zu wenig Personen die Straße frequentieren. […] Und am Schluss hat’s immer wieder geheißen, in allen Begründungen: Solange noch kein Personenschaden hier entstanden ist, besteht im Prinzip kein Handlungsbedarf. Also, das hat für uns immer so zum Ausdruck gebracht: Solange noch niemand über’n Haufen gefahren ist, brauchen wir hier auch nichts zu machen.
Das lässt die Anwohner fassungslos zurück. Die Stadt Sontra versucht, möglich zu machen, was möglich ist.
Thomas Eckhardt (SPD), Bürgermeister Sontra 
Wir haben hier Geschwindigkeitsdisplays angebracht. Wir möchten stationäre Blitzer installieren, um zumindest die Geschwindigkeiten zu reduzieren, tagsüber als auch nachts, wo wir schon eine Reduzierung jetzt auf 30 in der Zeit von 22 bis 6 Uhr erwirkt haben. Geräusch- und emissionstechnisch natürlich, ist da ‘ne Wichtigkeit. Aber mehr Möglichkeiten haben wir nicht.
Das Tempolimit müsse ebenso streng kontrolliert werden wie die Beschränkungen für den Schwerlastverkehr. Denn Lkw, die über 12 Tonnen wiegen, dürfen hier nicht durchfahren. MEHR Tempo dagegen wünschen sich hier alle bei der Fertigstellung der A44 – damit in Ulfen wieder Ruhe und Lebensqualität einkehren.