Gesundheitsministerin Warken besucht Gemeindepflege

Mehr als 86 Prozent der pflegebedürftigen Menschen in Hessen, werden zuhause gepflegt. Für die Angehörigen eine sehr zeit- und kraft-intensive Aufgabe. Heute – am internationalen Tag der Pflege – wird vielerorts in Hessen darauf hingewiesen, wie wichtig diese Arbeit in einer immer älter werdenden Gesellschaft ist. Doch wer hilft, wenn die Pflegenden selbst irgendwann nicht mehr können?

Hans Fettel hat Demenz. Seit Jahren schon wird er von seiner Frau Brigitte zuhause im hessischen Bürstadt gepflegt. Sie sagt, ihm geht es gut. Er ist hier ruhig und zufrieden. Doch als es zuletzt mit ihrer eigenen Gesundheit bergab geht, hat Brigitte Fettel Angst, dass ihr Mann in ein Altenheim muss. Ohne die ehrenamtliche Hilfe von Alaa Alshamy wäre es wahrscheinlich längst so weit gekommen.
Brigitte Fettel, pflegt ihren dementen Mann
„Wo es mir nicht so gut ging, wo ich also wirklich nichts machen konnte, da ist der Alaa gekommen und hat eingekauft, der hat die Wäsche gemacht. Ich konnte ja nicht mal mehr meinen eigenen Abfall rausbringen. Das hat alles der Alaa gemacht. Und wenn man dann da liegt und nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, ist das eine sehr große Hilfe.“
Den Kontakt zu Alaa hat damals Christine Adler-Schäfer hergestellt. Sie ist eine „psychosoziale Fachkraft auf dem Land“, kurz PauLa und unterstützt pflegende Angehörige vor allem im Kreis Bergstraße.
Christine Adler-Schäfer, Psychosoziale Fachkraft auf dem Land (PauLa)
„Pflegende Angehörige stehen unter einem enormen Druck und unter einer sehr hohen Die soziale Teilhabe, wie hat der Kontakte, wie ist er eingebunden in soziale Strukturen? Das sind ja auch Punkte, die für die Gesundheitserhaltung total wichtig sind. Und diese Aspekte berücksichtigt die Arbeit der psychosozialen Fachkraft auf dem Land.“
Die Idee für die PauLas kam von der Hessischen Gesundheitsministerin Diana Stolz, die das Konzept 2018 damals noch als stellvertretende Landrätin zunächst an der Bergstraße etabliert hat. Inzwischen sind die PauLas in weiten Teilen von Hessen erfolgreich im Einsatz.
Diana Stolz (CDU), Gesundheitsministerin Hessen:
„Unsere Gemeindepflegekräfte gehen genau dahin, unbürokratisch, kostenlos und gucken was ist der jeweilige Bedarf? Was brauchst du vielleicht? Ist jemand einfach nur einsam und braucht ein Netzwerk in die Kommune rein, zu Angeboten? Vielleicht ist aber auch ein größerer Bedarf da, an Unterstützung wie wir es jetzt hier heute gesehen haben und dann kann die Gemeindepflegekraft auch diese Hilfe vermitteln und damit helfen, wie wir es auch eben hier gehört haben, dass Menschen wieder glücklich sind, dass sie aufgefangen werden und dass sie das, was sie eigentlich möchten, nämlich zuhause leben können mit ihren Angehörigen, dass das funktioniert.“
91 PauLas gibt es inzwischen in Hessen, deren Gehälter das Land mit 3,5 Millionen Euro im Jahr fördert. Bald könnte das Modell auch deutschlandweit umgesetzt werden, denn auch die Bundesgesundheitsministerin hat sich die Arbeit der PauLas jetzt einmal angeschaut.
Nina Warken (CDU), Bundesgesundheitsministerin:
„Diese konkrete Begleitung, diese konkrete Begleitung und die Nutzung eines Netzwerkes, so wie es hier ist, ist ein Ansatz, den ich auf jeden Fall mitnehme und auch ganz konkret zu unterstützen, dass nehme ich sehr gerne mit und natürlich auch der Präventionsgedanke, also zu gucken: wie kann man möglichst lange dann auch zuhause im gewohnten Umfeld bleiben? Was braucht es dazu auch?“
Fragen, die bald deutschlandweit dabei helfen könnten, pflegende Angehörige zu entlasten – so wie bei Brigitte Fettel aus Bürstadt.