Nach der Landtagswahl: Grüne wählen neue Parteispitze

Die rheinland-pfälzischen Grünen sind nach 15 Jahren Regierungsbeteiligung nun in der Opposition. Bei der Landesdelegiertenversammlung in Idar-Oberstein hat sich die Partei am Wochenende neu aufgestellt – auch personell. Zuvor war allerdings Abschied nehmen angesagt.

Es ist der emotionale Höhepunkt des Parteitags: Die Verabschiedung der bisherigen Landesvorsitzenden Natalie Cramme-Hill, die gemeinsam mit Paul Bunjes seit 2022 den Landesverband geführt hat. Der Abschied verläuft dann nicht ganz tränenfrei.
Natalie Cramme-Hill (Bündnis 90 / Die Grünen), ehem. Landesvorsitzende RLP
„Und wenn ihr da heult, wird das für mich auch schlimm. Vier Jahre, in denen dieser Landesverband für mich nicht einfach ein Amt war, sondern ein Teil meines Lebens.“
Beide gehören künftig als Abgeordnete der Landtagsfraktion an. Da die Grünen Mandat und Parteiamt strikt trennen, müssen neue Landesvorsitzende her. In Idar-Oberstein wählen die Landesdelegierten mehrheitlich erstmals eine weibliche Doppelspitze: Carolin Cloos, stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Worms,  mit 72 Prozent der Stimmen.  Und mit 63  Prozent bei einem Gegenkandidaten Christin Sauer aus Mainz, dort Ortsvorsteherin und Umweltsprecherin im Stadtrat. Können Lokalpolitikerinnen denn auch ebenso Landesvorstand?
Carolin Cloos (Bündnis 90 / Die Grünen), neue Landesvorsitzende RLP
„Ja, ich war ja auch schon Mitglied im erweiterten Landesvorstand und hab da also auch schon mitbekommen, wie die Strukturen in unserem Landesverband sind. Hatte auch schon Kontakt zur Landesebene dadurch und bin deswegen gut vorbereitet auf diese Aufgabe.“
Die neue Doppelspitze übernimmt in schwierigen Zeiten: Statt in der rheinland-pfälzischen Regierung sitzen die Grünen im Landtag künftig in der Opposition. Für den Landesverband bedeutet das auch finanzielle Einbußen in fünfstelliger Höhe. Das wollen die Grünen mit Beiträgen neuer Mitglieder kompensieren, aber reicht das?
Christin Sauer (Bündnis 90 / Die Grünen), neue Landesvorsitzende RLP
„Das ist nicht die einzige Taktik. Ich glaube, wir sind nicht allein mit der Sorge vor dem Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz. Deshalb sind auch Spenden natürlich ein großes Thema. Wir sind als Partei nicht nur auf Mitglieder, sondern auch auf Spenden angewiesen. Und nur gemeinsam sind wir stark gegen einen erstarkenden Rechtsextremismus.“
Auch die noch amtierende Umweltministerin Katrin Eder muss sich als künftige Fraktionsführerin umstellen. Nach den knapp 8 Prozent bei der Landtagswahl sind die Grünen zudem die kleinste Fraktion, aber:
Katrin Eder (Bündnis 90 / Die Grünen), designierte Fraktionsvorsitzende
„Es ist uns ja auch im Wahlkampf gelungen, zwischen den beiden großen Blöcken aus SPD und CDU noch vorzukommen und wahrgenommen zu werden. So dass wir ja auch unsere 10 Mandate gehalten haben. Und es wird uns auch in Zukunft gelingen, indem wir munter sind, indem wir kritisch sind.“
„Klare Kante“ heißt das neue Motto, im Klartext: den Klimaschutz und den – so wörtlich – „Kampf gegen rechts“ mehr in den Mittelpunkt stellen. Nur eben künftig von der Oppositionsbank aus.