Nach der Landtagswahl: FDP hat neuen Vorsitzenden

Die rheinland-pfälzische FDP hat sich am Wochenende getroffen, um die Landtagswahl aufzuarbeiten und sich personell neu aufzustellen. Nach zehn Jahren in der Ampelregierung sind die Liberalen mit 2,1 Prozent krachend aus dem Landtag geflogen. Spitzenkandidatin Daniela Schmitt hat Verantwortung für das bislang schlechteste Ergebnis ihrer Partei in Rheinland-Pfalz übernommen und den Weg frei gemacht für ein neues Gesicht an der Spitze.

Er will die FDP wieder aufrichten. Stefan Thoma, 37 Jahre alt, Lehrer aus der Eifel. Unprätentiös und mit klarem Fokus.
Stefan Thoma (FDP), neuer Landesvorsitzender RLP
„Ich bin ehrlich gesagt gerne Lehrer, ich bin auch froh, das zu machen. Und mein Ziel ist es nicht, die große politische Karriere zu machen, sondern eigentlich diese Partei voranzubringen. Und wie weit dieser Weg führt und was er macht, das werden wir sehen. “
Mit 53 Prozent der Delegiertenstimmen setzt sich Stefan Thoma am Samstag in Bad Kreuznach gegen zwei Mitbewerber durch. Bekanntere  Gesichter  wie Noch-Fraktionschef Steven Wink oder Noch-Justizminister Philipp Fernis hatten ihren Hut nicht in den Ring geworfen.
Die Basis will eine komplette personelle Neuausrichtung des Landesvorstandes, das wird in der Aussprache deutlich. Und:
Ulrich van Bebber (FDP), Kreisvorsitzender Ahrweiler
„Den absoluten Tiefpunkt hatten wir leider erreicht, als unsere Landesvorsitzende von den eigenen Leuten öffentlich attackiert, diffamiert und diskreditiert wurde. Wenn uns die Presse dann als, ich zitiere, ‚Freie Dilettanten-Gruppe‘ verspottet und von einem miserablen Schmierentheater schreibt, dann ist das vernichtend.“
Bianca Hofmann (FDP), Kreisvorsitzende Speyer
„Die Bürger sehen uns nicht mehr als Problemlöser. Manchmal glaube ich, gerade durch die Diskussionen, die auch intern und auch im Bund geführt worden sind, sind wir vielleicht auch bei den Bürgern als das kleine Problem auch manifestiert worden.“
Maximilian Krolo (FDP), Kreisvorstand Südwestpfalz
„Wir haben die meisten Wähler an diejenigen verloren, die zumindest vermeintlich versprachen, den Zugriff des Staates zu begrenzen. Sei es die CDU, die AfD oder die Freien Wähler.“
Die scheidende Landesvorsitzende Daniela Schmitt verweist in ihrer Abschiedsrede auf die Erfolge der FDP in der Ampelregierung, schlägt aber auch kritische Töne an.
Daniela Schmitt (FDP), ehemalige  Landesvorsitzende  RLP
„Wir sind mit unseren Themen zu wenig durchgedrungen. Die Bundespartei hat sich zu viel mit sich selbst beschäftigt. Es ist viel Vertrauen und Glaubwürdigkeit zerstört worden. In Berlin, aber auch hier in Rheinland-Pfalz.“
Stefan Thoma will das Profil der FDP jetzt wieder schärfen.
Stefan Thoma (FDP), neuer Landesvorsitzender  RLP
„Wir brauchen einfach einen Anwalt für eigene Leistung, für Vorankommen, für Individualität, für Freiheitsrechte. Wer sagt ‚Staat, lass mich doch mal in Ruhe‘, der hat keine Alternativen und das ist das, was wir wieder viel deutlicher zeigen müssen.“
Vor der Halle schlagen die jungen Liberalen zum politischen Comeback auf. Bis es um den Matchball – den Wiedereinzug in den Landtag 2031 – geht, wird Stefan Thoma den ein oder anderen zähen Satz durchstehen müssen.