Molkereien besorgt über Milchpreisentwicklung

Wenn die Kühlschranktür aufgeht, dann ist es für die meisten Leute selbstverständlich, dass dort auch eine Packung Milch drin steht. Für die Erzeuger eigentlich ein Grund zur Freude, doch der Preis, den sie für ihre Milch bekommen ist in den vergangenen Monaten drastisch eingebrochen! Auf Ursachenforschung haben wir unter anderem eine Molkerei im südhessischen Bad Schwalbach besucht.

Hier dreht sich alles um Milch – ob als Joghurt, Schmand oder Kefir. Und gerade gibt es davon viel zu viel: Die Milchbauern fluten den Markt mit Milch. Und sie liefern weiter, oft wegen fester Verträge mit den Molkereien – obwohl deren  Lager längst voll sind. Für die Molkereien wird genau das zum Problem.
Günter Berz-List, Vorstand Schwälbchen Molkerei
„Dann entsteht daraus das Dilemma für die Molkereien, dass sie im Moment an ihrer Kapazitätsgrenze produzieren müssen und das letzten Endes auch die Produkte nicht nur Frische Produkte, auch Käse, Butter, Milchpulver irgendwann auf den Absatzmarkt müssen. Man kann sie vorrübergehend einlagern, es gibt natürlich auch lagerfähige Erzeugnisse wie Milchpulver und Käse, aber irgendwann müssen auch diese Erzeugnisse mal auf den Markt. Und das erzeugt dann den Preisdruck, den wir gerade erleben.“
Der Preisdruck entsteht, weil mehr Milch produziert wird, als der Markt aufnehmen kann. Die Nachfrage bleibt zwar stabil, steigt aber nicht im gleichen Tempo wie die Menge. Dadurch  entsteht ein Überangebot – und die Preise sinken.
Im Lauf des Jahres 2025 ist der Milchpreis deutlich gefallen: Von rund 53 Cent pro Liter im August auf etwa 43 Cent im Dezember. Aktuell erhalten Bauern rund 35 Cent für den Liter Milch.
Gründe für die Überproduktion sind unter anderem besseres Futter, günstige Wetterbedingungen und die Erholung nach dem Ausbruch der Blauzungenkrankheit. Am stärksten trifft die Preisschwankung die Bauern: Sie bekommen weniger Geld für ihre Milch, während ihre Kosten weiter steigen – etwa für Energie, Futter oder Maschinen. Der hessische Bauernverband warnt deshalb vor zunehmendem Druck auf die Betriebe.
Karsten Schmal, Präsident hessischer Bauernverband
„Wir haben Milchpreisschwankungen schon immer erlebt, aber so in diesem Maße wie im letzten Herbst/Winter, das war schon extrem. Und die Forderung an die Politik ist helft uns bei der Liquidität, bei der Steuer, bei der Risikoausgleichsrücklage, helft uns bei der Planbarkeit, bei der Verlässlichkeit. Auf der anderen Seite müssen die Marktpartner besser vorhersehen können, welche Milchmengen kommen wann.“
Der Bauernverband wünscht sich ein Absicherungsmodell für den Milchpreis. Das gibt es zum Beispiel in den USA. Momentan sieht der Verband  wieder tendenziell  sinkende Milchmengen. Bis sich diese aber spürbar auf den Milchpreis auswirken, dürfte es noch dauern.