Grimm-Festspiele Hanau starten mit Weltpremiere

„Es war einmal ein Schneider, der hatte drei Söhne und eine Ziege.“ So beginnt das bekannte Märchen „Tischlein deck dich“ Heute Abend feiert auf den 42. Grimm-Festspielen in Hanau eine moderne Neuinszenierung Weltpremiere. Vorhang auf für: „Tischlein deck dich – Das Musical“.

So hat man „Tischlein deck dich“ noch nicht gesehen: modern, politisch und überraschend aktuell. Die Macher der Brüder-Grimm-Festspiele stellen jedes Jahr ein Leitthema in den Fokus und wählen dazu passende Märchen aus.
Jeroen Coppens, Dramaturgie Brüder Grimm Festspiele
„Das Thema in diesem Jahr ist Eitelkeit, weil es leider Gottes ein sehr aktuelles Thema ist. Die meisten Märchen sind zwischen drei und fünf Seiten lang. Und daraus dann eine Theatervorstellung zu machen, die den ganzen Abend füllt, bedeutet, dass man ganz viel Möglichkeit hat für kreative Interpretationen.“
Und genau diese Freiheit nutzt die Inszenierung: Aus dem Märchen wird eine neue Geschichte. Statt eines Schneiders steht hier Björn Schneider im Mittelpunkt – der beliebte Bürgermeister von Grimweiler. Durch seinen hinterlistigen Rivalen Alfons Knickel und eine bösartige Zauberin gerät er in große Gefahr. In Gestalt einer Ziege verwirrt die Zauberin seine Familie, sodass die drei Kinder aufbrechen müssen, um mit magischen Gegenständen das Schicksal der Stadt zu retten.
Tristan Braun, Regisseur „Tischlein deck dich“
„Uraufführungen sind immer was unglaublich Spannendes, weil man ein Stück auf die Bühne bringt, was vorher noch nie gespielt wurde. Das heißt es geht auch viel darum gemeinsam mit einem Ensemble auf ein Ensemble etwas zuschneiden zu können.
Das Ensemble ist in diesem Jahr hochkarätig besetzt: Der mehrfach ausgezeichnete Musicalstar Andreas Bieber übernimmt die Rolle des Bürgermeisters.
Andreas Bieber, Hauptdarsteller
„Dieser Bürgermeister ist so ein bisschen ein Gutmensch. Es ist halt der, bei dem alles super läuft. So. Das erst mal ist als Schauspieler eine glatte Sache. Wo man sagt ‚aber wo sind denn die Ecken und Kanten, die es spannend machen?‘ Und die haben wir uns gebaut. Er muss gegen die Lüge, gegen den Betrug ankämpfen und das ist dann keine so glatte Sache mehr. Und dann gibt’s klare Anspielungen Richtung Amerika..“
Für den gebürtigen „Meenzer Bub“ sind die Festspiele fast ein Heimspiel.
Andreas Bieber, Hauptdarsteller
„Ich hab so viele Kollegen hier aus der Gegend ‚un de ganze Tach babbeln mer natürlich so‘ und ich muss schon aufpassen, dass ich nicht auf der Bühne ‚manchmal so eh bissche s‘, das geht halt sehr schnell. Ich fühl mich wirklich sehr familiär hier durch das Ganze, durch die Sprache, durch die Gegend.“
Trotz aller Neuerungen kommen auch klassische Märchenmotive nicht zu kurz. Bekannte Sätze und Elemente bleiben erhalten.
Tristan Braun, Regisseur „Tischlein deck dich“
„Das sind Momente oder Sätze, die jeder kennt. Damit wollen wir natürlich umgehen. Die tauchen auf jeden Fall auf und haben teilweise auch eine sehr markante Bedeutung.“
Das Musical soll alle Generationen unterhalten  und dabei den Spagat zwischen einer Märchenerzählung und einem zeitgenössischen Stück schaffen. Die Brüder Grimm Festspiele im Amphitheater in Hanau laufen bis zum 31. Juli.