„Unter die Haut“ in Rüsselsheim

Tattoos sind schon seit langer Zeit salonfähig. Sie gehören zum Alltag. Ob auf dem Körper, in der Werbung, in Sozialen Medien oder auch in der Kunst. In der Ausstellung „Unter die Haut“ in den Rüsselsheimer Opelvillen werden jetzt zum ersten Mal Werke präsentiert, bei denen sich alles um Tinte, Tattoos und Tätowierte dreht.

Sie präsentieren sich, oder besser ihre Haut, der Kamera. Menschen aus dem Hamburger Kiez, die in den 1950er und 60er Jahren stolz auf ihre Tattoos sind. Zu einer Zeit, als das noch ziemlich anrüchig war. Fotografien von Herbert Hoffmann. Ein legendärer Tätowierer, der am Anfang einfach nur auf der Suche nach jemandem ist, der ihm ein Tattoo sticht.
Dr. Beate Kemfert, Leiterin der Opelvillen Rüsselsheim
„In dieser Begeisterung fürs Tätowieren, war es erstmal schwierig, jemanden zu finden, der ihn tätowiert hat. Und so ist er erstmal losgezogen mit seiner Kamera, um zu zeigen: Wo sind diese Menschen, wo sind all diejenigen mit ihren Tattoos? Weil die natürlich in den 50er Jahren unter der Kleidung versteckt waren. Er spürt sie auf, in der Vor-Internet-Zeit eine große Recherche, klingelt einfach, fährt hin und fotografiert sie. Man sieht in der Ausstellung, die entblößen sich, zeigen ihre Rücken, ihre Körper, und teilweise war er dann selbst erstaunt. Weil er so viele tätowierte Menschen vorher noch nicht gesehen hatte.“
Zu sehen sind nicht nur historische Fotografien. Auch zeitgenössische Tattoo-Kunst. Zum Beispiel von David Schiesser. Der gebürtige Frankfurter verwandelt 3-D-Scans von Tätowierungen in Skulpturen und erzählt durch seine Zeichenvorlagen Geschichten.
David Schiesser, Tattoo-Künstler
„Ich habe Kunst in Offenbach studiert und habe da auch gleichzeitig das Tätowieren so ein bisschen mir selbst beigebracht. Mit der Zeit hat sich das so ein bisschen verselbstständigt. Heute bin ich jemand, der viel zeichnet, ganz viel malt und immer mal wieder diese Zeichnungen auf Leute tätowiert.“
Ein Mann mit einem Efeu-Tattoo umarmt einen Baum. Ein Foto von Sandra Mann. Sie ist für ihre Kunst mit der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden und ist mit mehreren Werken in der Ausstellung „Unter die Haut“ vertreten.
Sandra Mann, Künstlerin aus Frankfurt
„Ich bin auch tätowiert. Ich habe damals in meinem Studium an der HFG in Offenbach viele Zeichnungen gemacht, und ich dachte, es wäre schön, eine der Zeichnungen mitzunehmen, also immer mitnehmen zu können, und deswegen trage ich die auf den Armen und auf dem Rücken. So kam ich zur Tätowierung.“
Sandra Mann ist auch live in Rüsselsheim. Wer Lust hat, kann sich an speziellen Tagen samt Tattoos von ihr fotografieren lassen und einen Ausdruck mit nach Hause nehmen. Ein zweiter wird zu einem immer größer werdenden Kunstwerk, das bis zum 13. September in den Opelvillen zu sehen ist.