Wird die Commerzbank übernommen?

Seit Mitte März ist endgültig klar, dass die italienische Großbank UniCredit die in Frankfurt sitzende Commerzbank übernehmen will. Das Mailänder Geldinstitut hatte bekanntgegeben, im Mai ein offizielles Übernahmeangebot vorlegen zu wollen. Das Problem bei der Sache: Die Commerzbank will gar nicht übernommen werden. Das Übernahmeangebot kam trotzdem – und zwar heute.

Ein feindliches Vorgehen – so betrachtet die Commerzbank mit Hauptsitz in Frankfurt  die Übernahmepläne der Mailänder Bank UniCredit. Die Commerzbank fürchtet um ihre Eigenständigkeit. Entsprechend schmallippig äußert sich die Bank heute in einem schriftlichen Statement.
„Die Commerzbank AG nimmt die heute veröffentlichte Angebotsunterlage der UniCredit im Rahmen ihres unabgestimmten Übernahmeangebots zur Kenntnis. Das Angebot entspricht den am 16. März 2026 angekündigten Konditionen. (…). Vorstand und Aufsichtsrat der Commerzbank werden die Angebotsunterlage sorgfältig prüfen und ihre begründete Stellungnahme (…) innerhalb der gesetzlichen Frist veröffentlichen.“
Was die UniCredit  mit der Commerzbank genau vorhat, ist aktuell unklar, sagen Aktionärsvertreter. Eine Strategie sei noch nicht erkennbar.
Klaus Nieding, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
„Nun im Augenblick ist es ja vor allem deswegen eine feindliche Übernahme, weil wir alle Schwierigkeiten haben, die industriell Logik hinter dieser Sache zu verstehen. Einfach nur Größe um der Größe willen, oder  Kostensenkungseffekte macht ja wenig Sinn.“
Die UniCredit legt ihr Angebot heute freiwillig vor – noch kurz bevor sie mehr als 30 Prozent der Commerzbank-Anteile gesammelt hat. Würde diese Schwelle überschritten, wäre UniCredit  nämlich gesetzlich verpflichtet, ein Angebot vorzulegen. Und das wäre teurer.
Klaus Nieding, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
„Das Übernahmeangebot, das wir heute sehen ist ein reines Angebot, was man aus taktischen Gründen macht, um günstig über die Hürde von 30 Prozent zu kommen. Das wird kein gutes Angebot sein. Das ist ein ganz normales taktisches Vorgehen, das hat mit einem echten Übernahmeangebot gar nichts zu tun.“
Bis zu 7.000 Arbeitsplätze könnten bei der Commerzbank durch die Übernahme der UniCredit wegfallen.  Ein Szenario, das auch der Bund verhindern will, der selbst rund 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält. Und auch den anderen Aktionären rät Nieding bis dahin:
Klaus Nieding, Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
„Ruhe bewahren, in aller Ruhe abwarten und gucken, wie sich der Kurs entwickelt. Er wird sicherlich bis zum endgültigen Übernahmeangebot, was dann in ein paar Monaten irgendwann dann mal ansteht, noch nach oben gehen.“
Bis zum 16. Juni haben die Frankfurter Bank und ihre Aktionäre Zeit, das Angebot der UniCredit  zu prüfen.