Vandalismus im Weinberg

Die Winzer in Rheinland-Pfalz haben gerade jede Menge Sorgen – wenig Absatz, hohe Spritkosten für die Landmaschinen und immer mehr Hitze-Sommer. Ein Pfälzer Bio-Winzer hat nun auch noch mit mutmaßlicher Sabotage seiner Vitiforst-Weinberge zu kämpfen, in denen zwischen den Reben auch Bäume gepflanzt werden. Das außergewöhnliche Konzept scheint nicht jedem im Dorf zu gefallen.

Eine junge Mispel, von einem Unbekanntem abgeschnitten. Mittlerweile ist es Baum Nummer 40. Seit mehreren Monaten geht das schon so, sagt Winzer Wolfgang Bender.
Wolfgang Bender, Winzer aus Bissersheim
„Es ist halt bitter, wenn man in einem trockenen Jahr wie letzes Jahr, 2025, die Pflanzen gewässert hat, um sie durchzukriegen und da auch die ein- oder andere es nicht durch den Sommer geschafft hat, wenn man dann so eine große Pflanzenanzahl entdeckt, die einfach mutwillig zerstört wurden.“
Auf allen elf Flächen von Wolfgang Bender treibt ein Saboteur sein Unwesen. Sie liegen teilweise weit auseinander, der Täter muss für seine gezielten Angriffe also ortskundig sein. Die Reben sind nicht betroffen, nur die dazwischen gepflanzten Bäume, zum Beispiel Mirabelle oder Mandel. Wolfgang Benders Betrieb ist der Einzige im Ort, der ein sogenanntes Vitiforst-Konzept verfolgt.
Wolfgang Bender, Winzer
„Vitiforst sorgt dafür, dass bei Starkregenereignissen mehr Wasser im Boden versickern kann, dass die Trauben ein bisschen beschattet werden und nicht verbrennen, es kann aber auch Winde brechen und Luftschichten austauschen, also die ganze Umgebung runter kühlen und das ist ein Anbaukonzept, was in ganz Europa in vielen Betrieben und Regionen durchgeführt wird.“
Es ist ein Genossenschaftlicher Betrieb mit 180 Mitgliedern aus ganz Deutschland. Sie haben bereits mehrere der zerstörten Bäume nachgepflanzt, doch die wurden teilweise wieder abgeschnitten. Ein Überwachungsvideo zeigt, wie sich spät abends bei Minustemperaturen jemand zwischen den Reben bewegt. Genaueres ist nicht zu erkennen. Wolfgang Bender hat Anzeige erstattet. Wir fragen bei der Polizei nach. In einer gemeinsamen Antwort mit der Staatsanwaltschaft Frankenthal heißt es:
„Die Ermittlungen stehen derzeit vor dem Abschluss. Bislang ergaben sich keine Hinweise auf Tatverdächtige. Weitere ähnliche Fälle wurden bisher von anderen Winzern nicht angezeigt.“
Wolfgang Bender erzählt, er erlebe schon länger Widerstand aus dem Ort – wegen seiner Gerätehallen im Wingert, die später einmal von grün verdeckt sein sollen. Auch wegen der gepflanzten Bäume hätten Berufskollegen Bedenken geäußert, dass diese zu viel Wasser aus dem Boden ziehen. Auch ein Tresterwagen sei ihm gestohlen worden.
Wolfgang Bender, Winzer aus Bissersheim
„Man fühlt sich unwohl in so einer Situation in einem Dorf, weil man einfach nicht weiß, wer es ist und wenn man so durch die Weinberge fährt auch für meine Mitarbeitenden ist es ein unwohles Gefühl.“
Überprüfen können wir das alles nicht, kontaktieren aber die Bürgermeisterin und den örtlichen Sprecher für die Landwirte. Beide sind nicht bereit sich zu äußern. Man wolle einfach Ruhe haben, heißt es. Dank der Spende einer Baumschule konnte die Genossenschaft die kaputten Bäume ersetzen. Doch solange kein Täter gefunden wird, sind auch sie nicht sicher.