Gottesdienst im Autoscooter
Kirche und Jahrmarkt – dass das zusammenpasst, hat am Wochenende Pfarrerin Christine Beutler-Lotz gezeigt. In Rüsselsheim auf dem Mainfest hat sie den Gottesdienst im Autoscooter gehalten. Nicht nur für die Schausteller praktisch, sondern auch für die Anwohner eine echte Attraktion.
„Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.“
Damit sind die Brüder Semi und Elias getauft, mitten auf dem Fahrgeschäft auf dem Rüsselsheimer Mainfest. Inhaltlich ein Taufgottesdienst, wie man ihn aus der Kirche kennt, nur die Kulisse ist heute anders. Autoscooter statt Kirchenbank, der Altar getüncht in das Rot und die blinkenden Lichter des Fahrgeschäfts. Für die Schausteller ein Gottesdienst, der in ihrer Gemeinschaft und Lebenswelt stattfindet, sagt Pfarrerin Christine Beutler-Lotz.
Christine Beutler-Lotz, evangelische Pfarrerin
„Auch die Wohnwagen sind ja da, ist ja hier eine kleine Stadt. Und von daher findet da auch Gottesdienst dann statt.“
Die Pfarrerin will mit ihrem Gottesdienst auf dem Mainfest aber auch für die Anwohner einen Anreiz schaffen, Kirche nochmal anders kennenzulernen.
Christine Beutler-Lotz, evangelische Pfarrerin
„Es ist sehr viel näher an den Menschen dran, die Schwelle ist sehr viel niedriger, mal da reinzukommen. Wenn manche Menschen Schwierigkeiten haben, weil sie schon lang nicht mehr in der Kirche waren. Wie mach ichs, wie geh ich und so. Und dann ist es hier sehr niederschwellig. Man geht hier vorbei und kann dann so langsam mal hinkommen und kann mal hören und steht erst mal da. Hab ich ganz viele schon erlebt, von außen Kommende.“
Nicht alle Gottesdienstbesucher gehen regelmäßig in die Kirche.
Sieglinde Schmidke
„Ich hab’s richtig vor der Haustür, ich wohne hier am Damm und ich habe das noch nie gemacht, so einen Kirmesgottesdienst, und es hat mir eigentlich sehr gut gefallen, muss ich sagen. Ich war angenehm überrascht und auch überrascht, dass so viele Leute da waren.“Jürgen Merz
„Ich habe ihn schon oft erlebt, aber es ist trotzdem immer was Besonderes im Kirchenjahr, denn es zeigt immer mal wieder, Gottesdienst ist nicht ans Gebäude Kirche gebunden, sondern Gott ist da, wo Menschen in seinem Namen versammelt sind und das kann auch mitten auf dem Rummelplatz sein.“
Die Circus- und Schaustellerseelsorge der evangelischen Kirche begleitet Jahrmärkte in ganz Deutschland. Christine Beutler-Lotz ist jedes Jahr auf dem Mainfest, hält dort ihre Gottesdienste ab und segnet die Geschäfte der Schausteller. So wie heute Lischens Crepes-Lok. Ruben Bartz hat den Crepes-Stand seiner verstorbenen Großmutter frisch übernommen. Obwohl er selbst nicht sonderlich fromm sei, fühle er sich mit Gottes Segen doch ein bisschen besser.
Ruben Bartz, Crepes-Stand-Betreiber
„Also in dem Sinne ist es bei uns ne Tradition. Weil auch einfach mit dem Segen wird auch Glück mitgegeben und alles. Und auch einfach, dass du auch geschützt bist in dem Geschäft, dass du halt viel Glück hast, Erfolg, das gehört alles mit dazu.“


