BioNTech will Werke schließen

Das Biotechnologieuntenehmen BioNTech aus Mainz hat heute überraschend angekündigt, seine Stadtort in Idar-Oberstein, Marburg, Tübingen und Singapur zu schließen. Dadurch könnten fast 1.900 Stellen wegfallen. Das Unternehmen begründet seine Entscheidung damit, dass das Geschäft  mit Corona-Impfstoffen drastisch zurückgegangen sei.

Maike Dickhaus, Moderatorin:
Aus diesem Grund bin ich jetzt mit meinen Kollegen Marcel Gassan  vor dem BioNTech-Werk in Idar-Oberstein verbunden. Wie haben die Mitarbeiter dort die Entscheidung aufgenommen?
Marcel Gassan, Reporter in Idar-Oberstein:
Für die Angestellten hier ist es ein großer Schock, dass diese Handbremse jetzt gezogen wird. Betriebsräte sprechen von “verantwortungslosen Plänen”, und sie kündigen auch entschiedenen Widerstand an. Der Oberbürgermeister hier in Idar-Oberstein, für ihn kommt das übrigens auch sehr überraschend, denn viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind hierhergekommen eben im Glauben, dass sie einen sicheren Arbeitsplatz haben, bei einem Arbeitgeber, der Milliarden mit Impfstoffen verdient. Sie wissen aber auch, dass BioNTech zuletzt rote Zahlen schreibt. Erst für dieses erste Quartal steigt der Verlust auf über 500 Millionen  €. Tja, und das führt dann jetzt eben dazu, dass Standorte wie hier hinter mir in Idar-Oberstein geschlossen werden. Nur noch drei werden in Deutschland übrig bleiben. Das sind übrigens reine Bürostandorte, nämlich die in Mainz, in Berlin und in München.
Dickhaus:
Wie wird es denn jetzt mit  BioNTech weitergehen?
Gassan:
Das, was BioNTech so groß gemacht hat, also die Entwicklung und Produktion von Covid-Impfstoffen, das wird jetzt in Deutschland komplett auf Eis gelegt. Das wird komplett gestoppt. Stattdessen wird das der US-Partner Phizer jetzt übernehmen. Das heißt, man kann schon sagen, die klare Ausrichtung in Deutschland wird für BioNTech heißen: Weg von Corona, weg von Covid und hin zur Krebsmedizin. Darauf möchte sich das Unternehmen spezialisieren. Wie genau das aber aussehen wird, das steht noch ehrlicherweise in den Sternen. Bis 2030 sind noch einige Zulassungsanträge für Medikamente geplant, aber wie das ausgeht, das wissen wir, Stand jetzt, eben noch gar nicht. Stand jetzt wissen wir aber, dass das alles unter einer neuen Unternehmensführung stattfinden wird, denn die Unternehmensgründer, sie werden bis Ende diesen Jahres das Unternehmen verlassen.
Dickhaus:
Vielen Dank, Marcel, nach Idar-Oberstein.