Posse um Glascontainer in Marburg

Im Marburger Stadtteil Ginseldorf gibt es gerade einen echten Aufreger. Denn dort droht der Abriss einer gerade erst neu gebauten Fläche und damit eine Steuergeldverschwendung von über 30.000 Euro. Und das alles bei den klammen Kassen der Kommunen. Ein Beitrag zum Glascontainer-Gau von Ginseldorf.

Ein idyllischer Radweg in Marburg-Ginseldorf. Am Rand, oberhalb eines kleinen Baches; eine Fläche für den Altglas-Container, der vorher auf der Wiese stand. Kostenpunkt: Rund 20.000 Euro. So soll verhindert werden, dass beim Altglas entsorgen Scherben in den Bach fallen.
Karl Pöltl, Anwohner: „Und wenn mal was kaputt geht, zusammengekehrt werden kann und die Fläche sauber gehalten werden kann. Also das ganze Dorf hat das als toll und gut empfunden.“
Doch hier ist wohl ziemlich viel Schotter in den Sand gesetzt worden. Denn die Stadt Marburg hat die Pflasterung beauftragt, ohne sich dafür eine Genehmigung von der Wasserbehörde zu holen. Der Landkreis sagt deshalb jetzt: Die Fläche muss weg!
„Die Fläche wurde in einem Gewässerrandstreifen angelegt. Dort ist allerdings nach dem Hessischen Wassergesetz die Errichtung von baulichen Anlagen […], wozu auch eine gepflasterte Fläche gehört, grundsätzlich zunächst nicht zulässig.“ Sprecher Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Die versiegelte Fläche verhindere, dass im Fall eines Hochwassers Wasser versickern könne. Also soll für 11.000 Euro zurückgebaut – sprich abgerissen werden.
Markus Schüßler, Anwohner: „Das kann ja nicht sein, das ist ja Wahnsinn!“
Karl Pöltl, Anwohner: „Was jetzt im Nachhinein passiert, dass es abgerissen werden soll, das ist ein Schildbürgerstreich.“
Markus Schüßler, Anwohner: „Ja, also es ist Steuergeldverschwendung und man hätte das sicher für Kindergärten, wie auch immer, nutzen können.“
Daniel Fischer, Anwohner: „Ja wenn das jetzt abgebaut wird und die Container trotzdem in den Rasen reingestellt werden. Also ich finde es totale Verschwendung.“
Walter, Radfahrer: „Nicht zu verstehen!“
Schuld am Versiegelungs-Fiasko sei ein „internes kommunikatives Missverständnis“ – so der Landkreis. Der Bagger für den Abriss war auch schon angerollt – doch weil die Bauarbeiter sich wunderten, warum sie nagelneue Pflastersteine entfernen sollten, liegt nun alles auf Eis.
Man suche nach einer genehmigungsfähigen Lösung um den Rückbau zu verhindern, heißt es. Die Anwohner wollen die teure Fläche jetzt wenigstens noch so lange sinnvoll nutzen wie es geht. Altbier trinken statt Altglas entsorgen.