Massenflug der Maikäfer in Südhessen

Es ist ein beeindruckendes Naturschauspiel: Alle vier Jahre bohren sich im hessischen Ried Hunderte Millionen Maikäfer aus dem Boden und steigen in den Abendhimmel auf. Was am Himmel faszinierend aussieht, hat am Boden allerdings drastische Auswirkungen.

 

Es summt, surrt und schwirrt derzeit gewaltig in Südhessen: Das große Krabbeln der Maikäfer hat wieder begonnen. In den vergangenen Tagen haben sich Millionen Tiere aus dem Boden gearbeitet. Allein im hessischen Ried sollen es rund 480 Millionen sein.
Klaus Velbecker // Forstamtsleiter Groß-Gerau
„Hier sieht man schön die Löcher von den Maikäfern, die sich hier aus dem Erdreich ausgebohrt haben und dann hier gestartet sind, um ihren Reifungsfraß zu machen.“
Dieses Massenphänomen gibt es nur alle vier Jahre – immer zur Fußball Weltmeisterschaft. Denn solange verbringt der Maikäfer zunächst verborgen unter der Erde – entwickelt sich vom Ei über die Larve zum fertigen Käfer. In dieser Zeit richten die Larven, die sogenannten Engerlinge, im Boden teils erhebliche Schäden an.
Klaus Velbecker // Forstamtsleiter Groß-Gerau
Engerlingstadium ist so groß wie mein kleiner Finger. Also das sind richtig große Fraßmaschinen, wenn man es mal so bezeichnen will, weil die fressen alles, was sie an Wurzeln vor die Mundwerkzeuge kriegen.“
An vielen abgestorbenen Bäumen lassen sich die Bissspuren der Engerlinge noch erkennen. Vor allem die feinen Wurzeln – über die die Bäume Wasser und Nährstoffe aufnehmen – fressen die Maikäfer-Larven besonders gerne. Die Folge: Selbst alte Bäume verlieren ihre Standfestigkeit und sterben ab.
Klaus Velbecker // Forstamtsleiter Groß-Gerau
„Wenn die Population weiterhin so groß bleibt, wie sie aktuell ist, dann werden wir hier auf vielen Flächen große Teile unserer Baumvegetation verlieren.“
Dass Südhessen besonders betroffen ist, liegt an den günstigen Bedingungen: lockere, sandige Böden für die Eiablage, ausreichend Gras als Nahrung für die jungen Larven und ein trocken-warmes Klima. Der Klimawandel verstärkt diesen Effekt zusätzlich.
Tagsüber bleiben die Käfer meist unauffällig. In ihren wenigen Wochen über der Erde geht es vor allem ums Fressen und um die Fortpflanzung. Spektakulär wird es in der Abenddämmerung: Dann steigen sie in großen Schwärmen auf – ein eindrucksvolles Naturschauspiel, das auf den Straßen schnell zum Sichtproblem werden kann.
Klaus Velbecker // Forstamtsleiter Groß-Gerau
„Da hats bei mir auf der Scheibe ordentlich geprasselt und die Autos vor mir haben tatsächlich Warnblinker angemacht und sind im Schritttempo gefahren, weil es wirklich nur auf der Scheibe ging pop, pop, pop, pop, weil so viele Maikäfer über die Autobahn geflogen sind.“
Noch etwa vier Wochen lässt sich das Naturschauspiel beobachten – besonders in der Abenddämmerung zwischen halb neun und halb zehn. Danach wird es wieder still im hessischen Ried. Zumindest bis zum nächsten großen Maikäferflug in vier Jahren.