„Safe Place“ – Schüler lernen, gewaltfrei Konflikte zu lösen

Gerade haben aktuelle Zahlen aus der Bundes-kriminalitätsstatistik für Aufmerksamkeit gesorgt – besonders der Anstieg bei Kindern die durch Gewaltkriminalität auffallen, gibt Anlass zur Sorge. Fachleute führen das auch auf die Nachwirkungen der Corona-Pandemie zurück, in der wichtige soziale Erfahrungen und der Umgang mit Konflikten oft zu kurz kamen. Genau hier setzt das Präventionsprogramm „Safe Place“ für Schüler und Schülerinnen an. Wir haben bei den Grundschülern der 4c in Edertal im Unterricht vorbeigeschaut.

 

13:40 Uhr – die Stunde beginnt ruhig, mit einer kurzen Entspannungsübung. Die Kinder sollen in sich rein horchen, wie gestresst sie heute sind. Anschließend erzählen sie, welche positiven Erlebnisse sie in letzter Zeit hatten).
„Ich fands gut und toll, dass ich einen Flic Flak geschafft habe.“
„Dass ich bei Emil geschlafen habe und bei meinem Onkel geschlafen habe.“
„Das heute halt mein Papa Geburtstag hatte und da fand ich halt gut, dass er sich über seine Geschenke gefreut hat, das hat mich glücklich gemacht.“
In der heutigen Stunde von Safe Place geht es um positives Denken. Das Training hilft Schülern mit Stress und schwierigen Situationen besser umzugehen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Der Unterricht gibt Antworten auf Fragen wie: Was mache ich vor einer Klassenarbeit – oder wenn mein bester Freund plötzlich nicht mehr mit mir redet?
Helena Hamamiyeh AlHomssi, Sozialpädagogische Fachkraft Grundschule Edertal
„Ich sehe, dass das Safe Place Programm von den Kindern sehr gut angenommen wird und wir immer wieder die Rückmeldung bekommen, wie sie die Methoden, die sie hier erleben für sich in ihrem ganzen Alltag, ob es in der Schule mit ner Atemübung vor der Klassenarbeit oder vor herausfordernden anderen Situationen. Aber auch im außerschulischen Bereich für sich anwenden und das ist einfach eine schöne Entwicklung.“
Das Programm wird vom Land Hessen gefördert. Klassenlehrerin Julia Ohntrup merkt seit der Einführung von Safe Place einen klaren Unterschied bei ihren Schülern.
Julia Ohntrup, Klassenlehrerin 4c Grundschule Edertal
„Das Benennen das Gefühl und auch das Hineinversetzten in die anderen Kinder, hilft ihnen Konflikte einfach besser zu bewältigen, eher mal miteinander zu sprechen, statt gleich körperlich zu werden.“
Um mit Stress umzugehen haben die Kinder ganz unterschiedliche Methoden für sich entwickelt.
„Ich atme erstmal durch oder denk erstmal nach oder ich klettere und bewege mich.“
„Ich mache Sport, atme ein oder habe positive Gedanken.“
Ich lese halt ziemlich gerne, wenn ich Stress habe.“
„Ich schreie manchmal auch, also schreie mich aus und manchmal atme ich auch einfach durch und dann geht’s mir besser.“
Ziel des Unterrichts ist es psychische Belastbarkeit zu stärken.
Helena Hamamiyeh AlHomssi, Sozialpädagogische Fachkraft Grundschule Edertal
„Wir sehen ja das die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen stetig ansteigt und da ist es natürlich richtig dem präventiv entgegenzuwirken, um die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu stärken und sie in ihrer Entwicklung positiv zu fördern und da ist eben das Programm Safe Place ein wesentlicher Bestandteil, weil die Kinder hier einen Werkzeugkoffer mitbekommen für stressige Situationen, für Herausforderungen.“
Heute nehmen die Kinder mit: Es lohnt sich, Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Vieles, was erstmal stressig wirkt, ist oft gar nicht so schlimm, wenn man die Perspektive wechselt. Und genau das kann auch für Erwachsene im Alltag ein echter Aha-Moment sein.