Fuldaer Daniel Berghold ist der „Baumflüsterer“

Gerade Obstbäume prägen die Landschaft in Rheinland-Pfalz und Hessen. Doch sie brauchen Pflege, wenn sie erhalten bleiben sollen. Ein Mann hat sich genau dieser Aufgabe verschrieben. Daniel Berghold ist Baumwart und Streuobstpädagoge – klingt kompliziert und darum nennt man ihn in Fulda nur „den Baumflüsterer“.

Was für viele wie ein ganz normaler Apfelbaum aussieht, ist für Daniel Berghold ein kleines Wunder. Der 47-Jährige aus Fulda sieht in jedem dieser Bäume ein Stück Natur, das es zu bewahren gilt. Besonders jungen Bäumen widmet er dabei seine besondere Aufmerksamkeit.
Daniel Berghold, Baumwart und Streuobstpädagoge
„Also das Wichtigste bei der Obstbaumpflege, was ich auch immer meinen Kunden sage, ist das Beobachten. Das Schneiden ist am Ende dann das Ergebnis, aber wenn ich kein Gefühl für den Baum bekomme, in welchem Alter ist er, in welchem Zustand. Dann mache ich Sachen, die einfach nicht fachgerecht sind und ich vergleiche das immer gerne. Wenn die Menschen am Anfang des Jahres, fünf Jahre kein Sport gemacht, und dann wollen sie in fünf Tagen alles aufholen. Das funktioniert beim Obstbau auch nicht.“
Für Daniel Berghold  sind Bäume  lebendige, individuelle Wesen. Entsprechend richtet er seine Arbeit aus – und versteht sich dabei als eine Art Orthopäde.
Daniel Berghold, Baumwart und Streuobstpädagoge
„Die Äste sind immer weggeknickt, durch das Gewicht der Früchte und das hat viele Nachteile. Und ich habe mir quasi den stärksten Trieb über die Jahre rausgesucht und angeschnitten und man siehts oben festgebunden, sodass wir jetzt wieder eine schöne Wirbelsäule haben. Die Arme, die Äste des Baumes können sich jetzt wieder erneuern und da hat man tolles Fruchtholz und der Bau kommt in die Ruhe. Das war früher mal ein Struwwelpeter sag ich, das sieht heute ganz anders aus.“
Obwohl es so wirkt, als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht, ist der zertifizierte Baumwart  noch neu in diesem Zweig. Zuvor war sein Arbeitsleben von Anzug und Büroalltag geprägt.  Erst eine schwere gesundheitliche Krise änderte das.
Daniel Berghold, Baumwart und Streuobstpädagoge
„Von einem Meeting ins nächste. Man hat geredet und geredet. Präsentation hier Präsentation da. Aber so richtig was bewegt hat man nicht. Und wenn man abends von der Wiese geht, egal wo das ist. Ob beim Kunden im Garten, die glücklich sind oder hier von der Streuobstwiese. Man hat so eine Erfüllung was mit seinen Händen geschafft zu haben. Auch wenn man körperlich knülle ist, wie ich immer sage. Aber das ist ein ganz anderes Gefühl.“
Was die Natur ihm gibt, gibt er zurück. Und das wird in der Region geschätzt. Christoph Jestädt ist Landwirt. Seine Obstbäume sind teils über hundert Jahre alt. Sie  waren  Daniels erste Kunden.
Christoph Jestädt, Landwirt
„Wir haben alleine hier über hundert Apfelsorten, da sind alte Sorten dabei, die haben Säure, die haben Polyphenole. Wenn du den Saft hast mit den vielen Apfelsorten, das gibt einfach Geschmack und der Daniel hält diese alten Sorten mit am Leben.“
Daniel Berghold  arbeitet allein – und nimmt auch nicht alle Aufträge an. Denn manchmal, so sagt er, braucht der Baum auch nur eins: Zeit um wieder Kraft zu schöpfen.